Das Ungeheuer Pennywise (Bill Skarsgård) kennt keine Gnade. Foto: Warner

Der grausige Pennywise ist wieder da: Der zweite Teil von „Es“ lässt die erwachsen gewordenen Kids des ersten Teils gegen den Horrorclown antreten.

Stuttgart - Vor zwei Jahren brachte Andy Muschietti mit „Es“ Stephen Kings Horrorklassiker auf die Leinwand und konnte damit ein für das Genre phänomenales weltweites Einspielergebnis von 700 Millionen Dollar verbuchen. Was nun folgt, ist kein typisches Sequel, das allein von marktwirtschaftlichem Kalkül angetrieben wird, sondern eine Vervollständigung von Kings Erzählung.

Pennywise beißt zu

Während der Roman auf zwei Zeitebenen arbeitet und mit einem Rückblendenplot die Figuren im Jugendlichen- wie im Erwachsenenalter gegen das Monster mit dem Clownsgesicht antreten lässt, splittete Muschietti seine Dramaturgie auf. Der erste Teil gehörte den 13-jährigen Helden, die sich in ihrer Verlierer-Bande zusammengeschlossen haben. In der Fortsetzung müssen sich nun die Erwachsenen erneut dem Bösen und eigenen traumatischen Erinnerungen stellen.

Mike (Isaiah Mustafa) ist als einziger in Derry geblieben, wo das Unheil damals seinen Lauf nahm. Auch 27 Jahre später ist die amerikanische Kleinstadt ein sozial unwirtlicher Ort, wie der brutale Übergriff von rechten Schlägern auf ein schwules Paar zu Beginn des Filmes zeigt. Das halb bewusstlose Opfer wird in den reißenden Fluss geworfen und kann sich mit letzter Kraft ans Ufer retten. Aber dort wartet etwas noch Brutaleres im Tunnel der Kanalisation: Pennywise (Bill Skarsgård), dessen lachendes Clownsgesicht sich in einen Monsterkopf verwandelt und beherzt über den Gestrandeten herfällt.

Ein Bluteid wird fällig

Die Jugendlichen haben damals einen Bluteid geleistet: Sollte „es“ zurückkehren, werden auch sie wieder gemeinsam dagegen antreten. Als Mike die alten Freunde nacheinander anruft, sorgen die Erinnerung an die verdrängten Erlebnisse auch ein Vierteljahrhundert später zunächst noch für verstörte Reaktionen. Dennoch machen sich fast alle auf nach Derry, um dem wieder erwachten Monster entgegenzutreten.

Aber Pennywise ist bekanntlich nicht nur ein Bösewicht, der grausam mordet, sondern auch ein versierter Manipulator der menschlichen Psyche. Und so endet schon das feuchtfröhliche Wiedersehensessen im China-Restaurant mit einer kollektiven Horrorvision, in der aus Glückskeksen und Essensresten illustre Mordmonster schlüpfen. Damit nicht genug, wird in der nachfolgenden Filmhandlung jedes einzelne Gruppenmitglied nacheinander an verschiedenen Erinnerungsorten von schmerzhaften Kindheitserlebnissen eingeholt, die regelmäßig in unkontrollierte Angstfantasien ausarten. Und das dauert.

Wie ein aufgescheuchtes Huhn

Im ersten Teil führte der Verzicht auf Rückblenden zu einer klaren, stringenten Erzählung, die erfolgreich auf ein sehr begabtes Nachwuchsensemble setzte und Kings Schreckensfantasien unverschnörkelt herausarbeitete. Im zweiten Teil hingegen ist ein relevanter Plot kaum erkennbar. Die Geschichte rennt wie ein aufgescheuchtes Huhn von einer Horrorvision zur nächsten.

Das schleift sich schnell ab, zumal die Botschaft des Filmes, dass man sich seinen Ängsten gemeinsam stellen muss, um sie besiegen zu können, bereits im ersten Teil deutlich ausformuliert wurde. Allzu oberflächlich behandelt Muschietti die durchaus interessante Frage, wie sich die traumatischen Kindheitserlebnisse auf die seelische Verfassung der Erwachsenen auswirken. Viel zu schnell flüchtet er sich dabei ins nächstbeste Horrorszenario.

Zu viel Geld schadet

Dessen Ausgestaltung bleibt zumeist auf flache Schockeffekte beschränkt und ohne psychologische Aussagekraft. Daran kann auch das zum Teil hochkarätige Ensemble um Jessica Chastain und James McAvoy wenig ändern. Wahrscheinlich leidet „Es: Kapitel Zwei“ daran, dass zu viel Geld zur Verfügung stand. Wurde der erste Teil mit bescheidenen 35 Millionen Dollar auf die Beine gestellt, dürfte das Budget der Fortsetzung um ein Vielfaches höher gewesen sein, was eine deutliche Überdosierung digitaler Effekte zur Folge hat.

Die Schock-Schreck-Redundanzen führen zu deutlichen Material- und Zuschauerermüdung führen. Die epische Laufzeit von 165 Filmminuten hätte man ohne künstlerische oder narrative Verluste um ein Drittel reduzieren können.

Es endet. USA 2019. Regie: Andres Muschietti. Mit Bill Skarsgård, James McAvoy, Jessica Chastain. 165 Minuten. Ab 16 Jahren.

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