Absurd oder nicht: Die tragikomischen Synchronschwimmer in „Ein Becken voller Männer“ sorgen für manchen Lacher Foto: Studiocanal GmbH / Mika Cotellon

Frustrierte französische Kerle finden neuen Lebensmut – ausgerechnet beim Synchronschwimmen.

Stuttgart - Absurde Prämissen gehören zum Wesen von Komödien – man denke nur an Tony Curtis und Jack Lemmon, die in Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“ als Frauen verkleidet vor der Mafia fliehen und sich – unerkannt – einem Damenorchester anschließen. Entscheidend ist, wie gut es der Komödie gelingt, mit der Absurdität so erheiternd zu arbeiten, dass sie gar nicht mehr auffällt.

Der französische Schauspieler und Regisseur Gilles Lelouche, der in „Das Leben ist ein Fest“ (2017) einen grandios komischen Auftritt als profilneurotischer Hochzeitsmusiker hatte, kämpft damit zunächst in „Ein Becken voller Männer“: Reife Kerle in Sinnkrisen sollen ausgerechnet im Synchronschwimmen zurück ins Leben finden? Zum Glück nimmt die Komödie bald Fahrt auf – was Lelouche auch exzellenten Schauspielern verdankt.

Ein Ensemble aus Verlierern

Mathieu Amalric („Ein Quantum Trost“) spielt einen aus dem Tritt gekommenen Arbeitslosen, Guillaume Canet („Zusammen ist man weniger allein“) einen cholerischen Karrieristen, Philippe Katerine („Meine schöne innere Sonne“) einen schüchternen Übriggebliebenen, der zu lieb ist für diese Welt, Jean-Hugues Anglade („Die Bartholomäusnacht“) einen gescheiterten Rockmusiker, der nun in der Kantine der Schule seiner Tochter arbeitet – und Benoît Poelvoorde brilliert als sich selbst belügender Schwimmbadverkäufer ohne Fortune. Als Trainerin Delphine fungiert die wundervolle Virginie Efira, die die Kerle im realen Leben jedes Mal aufs Neue verwirren müsste und ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt, weshalb irgendwann die besonders rigorose, weil an den Rollstuhl gefesselte Amanda (Leïla Bekhti) übernimmt.

Allein Poelvoorde, in „Das brandneue Testament“ großartig als zynischer Gott, hätte deutlich mehr Szenen verdient, als eine Ensemblefilm zulässt. Das aber ist ein Luxusproblem angesichts der femininen Posen und Grimassen, die die Männer im Becken aufführen mit dem Ziel, allen Ernstes zur Herren-WM nach Norwegen zu fahren. Da bleibt kein Auge trocken, und der gut ausgesuchte Soundtrack drückt genau die richtigen Knöpfe: Der 80er-Schmachtfetzen „Easy Lover“ von Phil Collins und Philip Bailey hüllt die Wasserartisten förmlich ein, Isaac Hayes, Vangelis und Tears for Fears sorgen ebenfalls für passende Stimmungslagen. Scheitern kann so schön sein, trotz augenfälliger Parallelen zu ähnlich gelagerten Filmen wie der englischen Komödie „Ganz oder gar nicht“, in der arbeitslose Stahlkocher in der Not zu Strippern werden – wobei ein Gefühl großer Absurdität nie ganz verschwindet.

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