Baden-Württemberg liegt beim Personalschlüssel in Kitas vorne. (Symbolbild) Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

In Baden-Württembergs Kitas gibt es gemäß einer Studie im Ländervergleich relativ viele Betreuer für die Kinder. Doch es gibt regionale Unterschiede und Personal fehlt an anderer Stelle.

Stuttgart - Nach einer neuen Studie sind die Kitas in Baden-Württemberg zwar überdurchschnittlich gut mit Personal ausgestattet. Allerdings schwankt die Betreuungsquote innerhalb des Landes, und es fehlen Tausende Posten in der Kita-Leitung. Laut Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) hat sich die Zahl der Kindergärtner in den baden-württembergischen Kitas zwischen 2008 und 2018 von 48 910 auf 89 397 erhöht. „Ein solcher Anstieg zeigt sich bundesweit nur noch in Berlin“, teilte die Stiftung mit. Auch die Zahl der Kita-Kinder hat demnach zugelegt von 352 967 auf 406 760.

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„Für Baden-Württemberg zeigen sich sowohl in Krippen- als auch in Kindergartengruppen bundesweit die günstigsten Personalschlüssel“, heißt es im diesjährigen Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme weiter. Zum 1. März 2018 betreuten eine vollzeitbeschäftigte Kindergärtnerin oder ein Kindergärtner in Krippengruppen rein rechnerisch 3,0 ganztagsbetreute Kinder (2013: 1 zu 3,3). In den Kindergartengruppen gab es erhebliche Verbesserung. Dort verbesserte sich die Quote sogar von 8 Kindern im Jahr 2013 auf 7 im vergangenen Jahr, im Jahr zuvor waren es 7,1.

Große Unterschied innerhalb des Landes

Aber der Personalschlüssel ist ungleich über das Land verteilt. Zum anderen fehlt es an Kita-Leiterinnen oder Mitarbeiterinnen, die diese während ihres bürokratischen Aufwands in der Betreuung unterstützen. Laut Bertelsmann wird rund ein Drittel der Arbeitszeit einer Erzieherin außerhalb der pädagogischen Praxis benötigt, etwa für Elterngespräche, Dokumentationen, für Urlaub und Fortbildungen. So muss eine Mitarbeiterin in Krippengruppen eigentlich 4,5 unter dreijährige Kinder betreuen, in Kindergartengruppen ist sie für 10,5 Kinder zuständig. Rein rechnerisch fehlten daher 3943 Vollzeitkräfte. Dies würde einen Anstieg der Personalkosten um jährlich bis zu 235 Millionen Euro bedeuten.

Nach wie vor hängen in Baden-Württemberg die Bildungschancen laut Stiftung zudem vom Wohnort ab. „Nicht für jedes Kind in Baden-Württemberg bieten die Kitas kindgerechte Bedingungen“, heißt es im Monitoring. Die Betreuungsquote schwanke landesweit immer noch stark. Im vergangenen Jahr musste eine Fachkraft in Heilbronn und den Kreisen Waldshut und Sigmaringen rein rechnerisch 2,4 Kindergartenkinder mehr betreuen als in Karlsruhe und in Freiburg. Im Krippenbereich betreut eine Fachkraft in Mannheim 3,8 Kinder, in den Landkreisen Calw und Göppingen sind es 2,6. Gründe für die Schwankungen nennt die Stiftung nicht.

Fast 9000 Einrichtungen im Land

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) teilte mit: „Wir sehen uns durch die aktuelle Studie einmal mehr in der Schwerpunktsetzung auf Qualität in der frühkindlichen Bildung und Betreuung bestätigt.“ Das Land fahre die Ausbildungskapazitäten für Erzieher hoch und arbeite auch daran, den Kita-Leitungen mehr Zeit für die Organisation der eigenen Einrichtung und mehr Weiterbildungsmöglichkeiten zu geben.

Unter den Begriff Kita werden Krippen für Kinder unter drei Jahren sowie Kindergärten für Kinder ab drei Jahren gefasst.

In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des Ministeriums 8915 Kindertageseinrichtungen, darunter 397 Horte. Darin betreut wird fast jedes dritte Kind im Alter unter drei Jahren (29 Prozent). Im Alter von drei bis sechs Jahren beträgt die Betreuungsquote - also der Anteil der Kinder in den Kitas an allen Kindern der Altersgruppe - fast 95,9 Prozent.

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