Eltern von Kleinkindern wählen oftmals eine Tagesmutter zur Betreuung. Foto: dpa

Tagesmütter springen dort ein, wo Kita-Plätze Mangelware sind. Deren Qualifizierung wird nun mit Hilfe von Bundesmitteln ausgeweitet und mit praktischen Erfahrungen angereichert.

Stuttgart - Viele Familien in Stuttgart setzen auf Tagesmütter und inzwischen auch einige Tagesväter: Teils, weil ihnen der familiäre Rahmen für ihr Kleinkind passend erscheint, teils, weil die Betreuungszeiten besser passen oder die Tagespflegestelle um die Ecke liegt. Zwei freie Träger qualifizieren die Männer und Frauen, die in ihren Wohnungen fremder Leute Kinder erziehen und betreuen: die Tagesmütterbörse des Caritasverbands und der Verein Tagesmütter und Pflegeeltern Stuttgart. Künftig dauert die Ausbildung fast doppelt so lang wie bisher und umfasst auch einen praktischen Teil. Statt der bisherigen 160 Unterrichtseinheiten sind künftig 300 Pflicht. 160 Unterrichtseinheiten sind zur Vorbereitung auf die neue Aufgabe reserviert; in diesem Rahmen machen die Teilnehmenden auch Praktika in Kitas und in einer Kindertagespflegestelle. Danach beurteilt das Jugendamt die fachlichen Kompetenzen der Anwärter, „es findet aber auch eine Einschätzung der persönlichen Eignung für diese Tätigkeit statt“, sagt Katrin Schulze vom Jugendamt der Stadt Stuttgart. Gibt es keine Einwände, dürften die ersten Tageskinder betreut werden.

Kompetenz ist Thema im Unterricht

Der zweite Teil der Qualifizierung verläuft parallel zur Kinderbetreuung und umfasst nochmals 140 Unterrichtseinheiten. Gruppenarbeit und Kompetenzaustausch stünden im Vordergrund: „Die Teilnehmer bringen ihre Erfahrungen aus Familie, Erziehung oder beispielsweise aus ihrem Beruf in den Unterricht ein“, sagt Gundula Briem von der Caritas. Ein dauerhafter Kursbegleiter ist Ansprechpartner für die Teilnehmer. Wer die Qualifizierung mit Erfolg abschließt, erhält das Zertifikat des Bundesverbands – und 400 Euro Prämie.

Anlass für die Neuerungen in Stuttgart ist das Programm Pro Kindertagespflege des Bundesfamilienministeriums, nach dem die Tageseltern an zunächst 48 Modellstandorten gründlicher und kompetenzorientiert qualifiziert werden sollen. Der Bund stellt Stuttgart für drei Jahre 410 000 Euro zur Verfügung. Dafür wurden unter anderem zwei Stellen geschaffen: eine beim Jugendamt für die Projektbegleitung, jeweils eine halbe Stelle bei den freien Trägern für die Kursbegleitung. „Das Land Baden-Württemberg will die Zahl der Unterrichtseinheiten generell auf 300 anheben, wir kommen dem jetzt zuvor“, sagt Katrin Schulze.

Vertretung für kranke Tagesmütter

Man hofft bei der Stadt, dass die neue Art der kompetenzorientierten Ausbildung und die Prämie mehr Leute anspricht und die Kindertagespflege weiter ausbauen kann. Zurzeit werden 739 Kinder aus Stuttgart bei einer der 229 aktiven Tagesmütter betreut. Außerdem hat die Stadt 24 Großtagespflegestellen, wo beispielsweise im Krankheitsfall eine Vertretung einspringt. Die nächste Informationsveranstaltung zur Tätigkeit als Tagesmutter oder -vater findet am Montag, 16. Dezember, 9.30 bis 11 Uhr, statt. Ort: Tagesmütterbörse des Caritasverbands, Wagnerstraße 35, 70182 Stuttgart.

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