Das leuchtende Blau täuscht: Die EnBW schreibt tiefrote Zahlen Foto: dpa

Niedrige Strompreise und Zinsen auf den Kapitalmärkten sowie die Auswirkungen des Atomkompromisses haben die EnBW im ersten Halbjahr tief ins Minus rutschen lassen. Der Konzernumbau belastet auch das Personal.

Karlsruhe - Deutschlands drittgrößter Energieversorger EnBW kämpft in zunehmendem Maß gegen Verwerfungen im nationalen Energiegeschäft und an den internationalen Kapitalmärkten.

Mit einem Verlust von rund 194 Millionen Euro ist das Staatsunternehmen im ersten Halbjahr 2016 tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres war noch ein Gewinn von knapp 1,1 Milliarden Euro angefallen. Dieser ging allerdings zum Großteil auf Einmaleffekte zurück. Allein der Verkauf von Wertpapieren spülte damals rund 600 Millionen Euro in die EnBW-Kassen.

Ob es dem Karlsruher Versorger im Jahresverlauf gelingt, die Verlustzone zu verlassen, ist derzeit unklar. „Dazu kann ich im Moment noch nichts sagen“, sagte der EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Donnerstag. Fakt ist: aus dem laufenden Geschäft erzielt der Energieversorger nach wie vor Gewinne, diese werden im Moment aber von ungünstigen Sondereffekten und ansteigenden Rückstellungen mehr als aufgezehrt.

So habe die aktuelle Niedrigzinsphase dazu geführt, dass der Energiekonzern seine Rückstellungen um rund 1,2 Milliarden Euro habe aufstocken müssen, wie Kusterer erläuterte. Allein um mögliche Verpflichtungen gegenüber künftigen EnBW-Betriebsrentnern zu erfüllen, hätten 900 Millionen Euro rückgestellt werden müssen. Weitere 300 Millionen Euro entfielen auf den Kernenergiebereich.

Auch der Umsatz sank im ersten Halbjahr

Daneben führen sinkende Strompreise an den Börsen dazu, dass die EnBW-Kraftwerke unrentabler werden. Mit einem bereinigten operativen Ergebnis (Ebitda) von rund 149 Millionen Euro, fuhren die Anlagen 73 Prozent weniger Gewinn ein als im Vergleichszeitraum 2015. Der starke Ergebnisrückgang liegt auch daran, dass der Konzern weniger Strom erzeugte. So war das Kernkraftwerk Philippsburg in den ersten sechs Monaten des Jahres für mehrere Wochen revisionsbedingt außer Betrieb. 2015 erfolgte die Kraftwerkswartung erst im zweiten Halbjahr und machte sich also nur im Gesamtjahresergebnis bemerkbar.

Trotz negativer „temporärer Effekte“ lägen die Ergebnisse in allen Geschäftsbereichen „im Rahmen der Erwartungen oder besser“, sagte Kusterer. An seinem Ziel, beim bereinigten operativen Ergebnis, sprich: dem Gewinn vor Zinsen und Steuern, am Jahresende „fünf bis zehn Prozent“ unter der Vorjahresmarke von 1,28 Milliarden Euro zu landen, hält EnBW daher fest.

Auch der EnBW-Umsatz sank im ersten Halbjahr – um zehn Prozent auf rund 9,8 Milliarden Euro. Durch den vor wenigen Wochen angekündigten Ausstieg aus dem Geschäft mit Großkunden wird das Unternehmen in Zukunft überdies dauerhaft auf Erlöse von etwa 2,5 Milliarden Euro jährlich verzichten müssen.

Sparen genießt im EnBW-Konzern weiter höchste Priorität

Die aktuellen Verwerfungen belasten auch die Kapitalausstattung des Unternehmens erheblich. Die Nettoverschuldung ist innerhalb eines Jahres von 6,7 Milliarden Euro auf 8,9 Milliarden Euro angestiegen. Die Eigenkapitalquote sank von 13,1 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nunmehr zehn Prozent, wie Kusterer erläuterte. Dieser Wert sei „ausreichend“, um die aktuelle Konzernstrategie umzusetzen. Eine Notwendigkeit, „weitere Kapitalmaßnahmen durchzuführen“ – also Geld aufzunehmen oder die Hauptaktionäre das Land Baden-Württemberg oder den Zweckverband OEW um frisches Kapital zu bitten – bestehe derzeit nicht, sagte Kusterer und fügte an: „Aber ausschließen kann man das nie.“

Um sich die nötigen finanziellen Spielräume zu erhalten, setzt der Versorger weiter auf Verkäufe. Vom Ziel, bis 2020 rund fünf Milliarden Euro durch Veräußerungen von Unternehmensteilen einzunehmen, ist man allerdings noch weit entfernt. Bislang ist erst knapp die Hälfte (2,2 Milliarden Euro) realisiert.

Daher genießt das Sparen im EnBW-Konzern weiter höchste Priorität. Die aktuellen Konzernplanungen sehen Kostensenkungen von 1,4 Milliarden Euro bis 2020 vor. Durch mehrere – bereits vom Vorgänger des jetzigen Konzernchefs Frank Mastiaux – eingeleitete Sparrunden, wurden davon bereits 1,15 Milliarden Euro realisiert oder sind in der Umsetzung. Ein neues 250-Millionen-Euro schweres Effizienzprogramm ist bereits angekündigt.

Im Vergleich zu 2011 hat der Konzern bislang 1800 Stellen abgebaut. Da aber auch neue Mitarbeiter hinzukamen ergebe sich ein Saldo von „rund 600 Stellen“, die seither weggefallen seien, sagte Kusterer.

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