Schauspielerin Julia Koschitz spielt in dem TV-Drama „Unsichtbare Jahre“ eine junge Westdeutsche, die in die Fänge der Stasi gerät. Foto: dpa

Schauspielerin Julia Koschitz über ihre Rolle als Stasi-Agentin, jugendliches Aufbegehren und warum sie bei der Gage auch mal Abstriche macht.

- Kompliment, Frau Koschitz: Sie sehen viel jünger aus, als Sie sind. Ist es die gesunde Lebensweise, oder haben Sie gute Gene?
Vielen Dank, das hört man natürlich gern. An der gesunden Lebensweise hängt es aber, glaube ich, weniger (lacht). Meine Mutter hat mir wohl ihre gute Haut vermacht. Und Sport ist, glaube ich, auch nicht verkehrt. Ich gehe drei- bis viermal die Woche joggen, seit Neuestem auch schwimmen, und ab und zu mache ich Yoga. Aber auch nur in disziplinierten Phasen (lacht). Alles in allem tappe ich wie alle anderen auch im Dunkeln, was Tipps dieser Art betrifft.
Ihrer Rolle kam Ihr Aussehen zugute, Sie spielen eine Frau, die zu Beginn 20 Jahre jünger ist.
Vielleicht geht dieses Kompliment eher an unseren Kameramann und an das Beleuchter-Team. Frühmorgens, kurz nach dem ­Aufstehen, empfinde ich mich jedenfalls nicht so furchtbar jugendlich (lacht).
Sie spielen eine Westdeutsche, die in den 70er Jahren von der Stasi angeworben wird. Haben Sie sich als Österreicherin schwergetan mit diesem deutsch-deutschen Stoff?
Nein, von der Herangehensweise als Schauspielerin war das letztlich ein Stoff wie jeder andere auch. Ich habe mich wie immer in der Vorbereitung erst mal von außen der Thematik genähert, indem ich mich eingelesen und mir die eine oder andere Dokumentation angeschaut habe. Und dann habe ich mich der Figur von innen angenähert und versucht, die Motive für ihr Handeln zu begreifen.
Worin liegt denn die Motivation dieser Frau, ihr Land zu verraten?
Ihre Motivation ist nicht, ihr Land zu ver­raten, sondern für ihre politischen Ideale zu kämpfen. Auf seelischer Ebene ist es ihr ­Bedürfnis nach Zugehörigkeit, das es so einfach macht, sie für die Stasi einzufangen. Natürlich ist es kein Zufall, dass sie von einem gut aussehenden, charmanten, jungen Stasi-Agenten angeworben wird, der auch gleich einen starken Sog auf sie ausübt, aber sie ist gleichermaßen fasziniert vom gelebten Sozialismus in der DDR. Ihre linke ­Gesinnung ist für jemanden, der aus dem studentischen Milieu der damaligen Zeit kommt, nichts Ungewöhnliches. Dass sie sich radikalisiert und schließlich jahrelang für die Stasi arbeitet, hat aber letztlich mit ihrer inneren Leere zu tun.
Hatten Sie auch eine rebellische Phase?
Ich hoffe doch, aber ich glaube, ich war ein eher stiller Rebell (lacht). Natürlich habe ich, wie jeder andere Jugendliche auch, vieles begonnen infrage zu stellen, damit ging eine gewisse Auflehnung gegen das Elternhaus und gegen Autoritäten einher. Aber ein rebellierender Jugendlicher im eigentlichen Sinne war ich nicht.
Also war alles halbwegs harmonisch?
Nein, das war es nicht. Natürlich hatte ich mit meinen Eltern auch Stress wegen meiner Klamotten, die vom Flohmarkt waren, weil ich geraucht oder nicht adäquat am Familienleben teilgenommen habe, und genauso gab es hitzige Diskussionen über Wert­vorstellungen, die ich nicht unbedingt geteilt habe. Aber im Großen und Ganzen war ich ein eher stiller Jugendlicher und habe außerdem die meiste Zeit in Ballettsälen verbracht.
Sie gehören zu den gefragtesten TV-Darstellerinnen. Können Sie sich Projekte aussuchen?
Ich schätze mich glücklich, dass ich mittlerweile aus einem größeren Angebot die Filme aussuchen kann, die mich am meisten reizen. Am wichtigsten ist mir dabei das Drehbuch in Kombination mit der Regie und den Schauspielkollegen, dann erst kommt die Rolle. Das Wunschziel ist, in Filmen mitzuspielen, die ich mir selber anschauen würde.
Machen Sie auch mal bei der Gage Abstriche, wenn Ihnen ein Projekt zusagt?
Klar, wenn mich ein Projekt begeistert. Die Gage hat grundsätzlich bei mir nicht die Priorität. Ich denke, dass viele Schauspieler sich mit besser bezahlten Filmen so manchen sehr engagierten Low-Budget-Film leisten, weil sie da noch mal andere Möglichkeiten sehen, sich auszuprobieren.
Wie wichtig sind die Kollegen?
Sehr wichtig. Es gibt nicht umsonst den Spruch: Man ist nur so gut wie sein Partner.
Gibt es Freundschaft unter Schauspielern?
Aber klar, ein paar meiner besten Freunde sind Kollegen.

„Unsichtbare Jahre“, ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr

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