Handball-Bundesligist TVB Stuttgart steht nur zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz und im Heimspiel gegen den HC Erlangen entsprechend unter Druck. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt spricht über die sportliche und finanzielle Lage sowie die auslaufenden Verträge.
Im vorletzten Heimspiel des Jahres empfängt der TVB Stuttgart an diesem Freitag (19 Uhr/Porsche-Arena) in der Handball-Bundesliga den HC Erlangen. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt erwartet eine deutliche Leistungssteigerung.
Herr Schweikardt, der TVB steht am Freitag vor einem sogenannten Muss-Spiel, oder sehen Sie das anders?
Muss-Spiel würde ich deshalb nicht sagen, da es in dieser ausgeglichenen Liga kein Spiel gibt, in dem du so viel stärker bist als der Gegner, dass du es gewinnen musst. Ich würde vor der Partie gegen den HC Erlangen eher davon sprechen, dass wir unbedingt gewinnen wollen. Das galt im Übrigen auch für die Partie am Sonntag beim Bergischen HC.
Was bei der 28:33-Niederlage gründlich schief ging.
Das war enttäuschend, ein Schlag ins Kontor. Nach einigen guten Spielen, auch gegen Teams aus der Spitzengruppe, lieferten wir eine schlechte Partie ab gegen einen Gegner auf Augenhöhe.
Woran lag’s?
Wir fanden von Beginn an keine Bindung in der Abwehr und vergaben einige freie Würfe. Wir erwischten einfach durch die Bank einen schlechten Tag. Jetzt müssen wir schnell in die Spur zurückkommen und wieder unser Leistungsvermögen abrufen.
Sie wollten unter die Top Ten. Jetzt beträgt der Vorsprung auf den vorletzten Platz nur zwei Punkte. Befürchten Sie einen harten Abstiegskampf?
Ich glaube für alle Teams von Platz zehn an abwärts, wird es ein langer und harter Kampf. Ich würde auch Schlusslicht HBW Balingen-Weilstetten noch lange nicht abschreiben. Wir würden uns schon ein paar Punkte mehr auf dem Konto wünschen, wobei wir auch nur drei Zähler von Platz zehn weg sind.
„Wir sind relativ spät dran“
Acht Spielerverträge laufen am Saisonende aus, darunter die Kontrakte von Schlüsselspielern wie Silvio Heinevetter, Max Häfner und Adam Lönn. Warum gab es noch keinen Vollzug?
Wir sind dieses Jahr relativ spät dran, weil wir weiter beobachten wollen, wie sich das Team entwickelt. Aber wir befinden uns mit allen Spielern in Gesprächen.
Stimmt es, dass die Verträge von Marino Maric und Jan Forstbauer nicht verlängert werden?
Ich werde keine Personalien kommentieren.
Liegen die vielen offenen Personalien auch an möglichen Fragezeichen hinter dem Budget für die Saison 2024/25?
Die wirtschaftliche Grundstimmung insgesamt ist eine andere als früher und stellt durchaus eine Herausforderung dar. Aber es sind hauptsächlich sportliche Gründe, warum wir uns mit endgültigen Entscheidungen Zeit lassen.
Ein warmer Geldregen bringt die ausverkaufte Porsche-Arena am 23. Dezember.
Wir freuen uns auf dieses Weihnachtsspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen in sicherlich prickelnder Atmosphäre. Schon vor vier Wochen waren alle Tickets weg. Das zeigt, welch großes Zuschauerpotenzial für den Handball in dieser Jahreszeit steckt. Aus diesem Blickwinkel ist es für die Bundesliga schade, dass im Januar wegen EM und WM nie Spiele stattfinden können.
Zur Person
Karriere
Jürgen Schweikardt wurde am 23. April 1980 in Waiblingen geboren. Er begann mit sechs Jahren beim TV Bittenfeld mit Handball. Lediglich in der Saison 2001/02 spielte er kurzzeitig beim TV Kornwestheim. Seit 2008 ist der Diplom-Betriebswirt Geschäftsführer. Zweimal war er seitdem auch schon in einer Doppelrolle als Trainer tätig. Sein Bruder Michael ist aktuell Chefcoach des Bundesligisten, Vater Günter fungiert als Leiter Sport/Nachwuchskoordination und ist einer von fünf Gesellschaftern der der TVB 1898 Handball GmbH & Co. KG.
Persönliches
Jürgen Schweikardt ist verheiratet. Seine Zwillingssöhne Mika und Niko spielen Handball beim TVB. Hobbys sind neben Handball Tennis und Skifahren. (jüf)