Vor vollen Reihen beim Jubiläums-Festakt: (von links) Staatssekretär Julian Würtenberger, Alexander Oettinger und sein Vater, EU-Kommissar Günther Oettinger, Christine Makurath und Oberbürgermeister Michael Makurath Foto: factum/

Ditzingen und Hirschlanden feiern den 1250. Geburtstag ihres Bestehens – mit Lobesworten, einer Jubeltorte und einer Premiere.

Ditzingen - Zum beschwingten Renaissance-Tanz kredenzte Oberbürgermeister Michael Makurath gleich mal eine Portion Prosa: „Die meisten unter uns, ich auch, wären zur Entstehungszeit dem Kreis der Tagelöhner zuzurechnen gewesen und hätten diese Musik nie vernommen“, sagte er – und rollte damit einen roten Faden auf, der sich am Sonntagvormittag durch den zweistündigen Festakt „1250 Jahre Ditzingen und Hirschlanden“ zog. Der lautete in der Kurzfassung: „Wir können froh sein, heute feiern zu dürfen. Es ging uns nie besser. Vor 1250 Jahren hätten wir andere Nöte gehabt als die Parkplatznot und andere Probleme als die Frage: Wie komme ich über die Marktstraße?“

Beispielhafte Strukturen

Relativieren wollte der Oberbürgermeister die drängenden Probleme der Gegenwart mitnichten – und benannte sie auch, vom Wohnungsmangel über Verkehrsprobleme bis hin zum Spannungsfeld Flächenverbrauch kontra Firmenerweiterungen. Eine Justierung ist Makuraths Meinung nach angesichts einer solchen Feier dennoch angebracht – jammert man doch auf vergleichsweise hohem Niveau.

Ein Horn, in das auch Julian Würtenberger, Staatssekretär im Innenministerium, bei seiner Grußwort blies: „Den vielen Generationen vor uns, die dieses Gemeinwesen geschaffen und gepflegt haben, und dank derer wir hier auch hinsichtlich der Arbeitgeber eine wunderbare, beispielhafte Struktur von klein, mittel bis groß haben, müssen wir dankbar sein.“ Und dabei sei es dann auch „völlig wurscht“, ob Ditzingen und Hirschlanden nun wirklich so alt seien wie in der ersten urkundlichen Erwähnung oder noch viel älter. „Sie haben einen Grund zum Feiern, und das ist das Wichtigste“, fand er.

Eine Brandrede für Europa

Dass diese Strukturen und Werte Bestand hätten, dafür sei Europa ein Garant, sagte Festredner und „Ditzinger Kind“ Günther Oettinger, der als Prominentester unter vielen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eine knappe und knackige Festrede hielt. Nur drei Flugstunden entfernt erlebe „der Kontinent der Freiheit und Freizügigkeit“ heutzutage „andere Ordnungen und Unordnungen“, so Oettinger. „Wenn wir unsere Werteordnung für uns und unsere Kinder erhalten wollen, müssen wir anfangen, dafür zu kämpfen. Dafür müssen wir aber wahrnehmbar sein. Und dafür brauchen wir das europäische Team und die europäische Vision.“ Alles, was kleiner sei, „wird in dieser dynamischen und instabilen Welt nicht mehr wahrnehmbar sein“, rief der EU-Kommissar durchaus emotional ins Mikrofon. Er wolle nicht behaupten, dass in der EU alles Gold sei, was glänze. „Aber Friede, Sicherheit und Wohlstand erhalten wir Europäer uns nur gemeinsam.“ Tosender Applaus begleitete Oettingers Worte.

100 Prozent für Ditzingen

Nicht nur Worte, sondern auch Klänge rissen die Besucher in der vollen Stadthalle mit. Die das famos eingestellte Orchester der Jugendmusikschule Ditzingen beim Haydn-D-Dur-Klavierkonzert mit den jungen Pianistinnen Anja Kubasch und Leonie Mohl, die Brass-und-Drums-Formation und die Motown Heroes, die Philip Brauns und Benedikt Mosers Stadtjubiläumssong „100 Prozent“ uraufführten, ließen aufhorchen. „Auch darauf bin ich stolz“, meinte ein beschwingter Michael Makurath, bevor die große Jubiläumstorte angeschnitten wurde: „Dass man in Ditzingen der Musik einfach nicht entgeht.“

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