Bei Konzerten wie dem Southside Festival kommen die Johanniter den Bands ganz nah. Bei solchen Veranstaltungen steht auch für sie der Spaß im Vordergrund. Doch wenn sie gebraucht werden, leisten die Lebensretter professionelle Hilfe. Foto: z/Tobias Grosser,

Seit mehr als 18 Jahren engagiert sich Tobias Grosser bei den Johannitern – beruflich und privat. Hauptamtlich ist er beim Regionalverband für die Presse- und Öffentlichkeits-arbeit zuständig, ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem im Kriseninterventions-team, kurz KIT.

Fasanenhof - Er wollte etwas machen, was nicht jeder macht. So fing alles an. Als Tobias Grosser nach der Schule eine Stelle für seinen Zivildienst suchte, wollte er von den Klassikern wie Fahrdienst und Essen auf Rädern nichts wissen. Seine Schwester riet ihm: „Geh doch zu den Johannitern. Die haben auch was mit Blaulicht.“ Das war 1996. Seitdem ist Tobias Grosser der Hilfsorganisation treu geblieben. Er hat so ziemlich jede Ausbildung absolviert, die für einen Johanniter in Frage kommt, von der obligatorischen Ersten Hilfe bis hin zur Funktechnik.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Der 38-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Denn hauptamtlich ist er beim Regionalverband der Johanniter für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem im Kriseninterventionsteam, kurz KIT. Das ist immer dann zur Stelle, wenn Menschen in einer schwierigen Situation Hilfe oder einfach nur jemanden zum Reden brauchen.

Für Tobias Grosser sind das zwei völlig unterschiedliche Dinge. „Wenn ich nach einem Einsatz ins Büro komme, dann trage ich zwar noch das gleiche Logo am Shirt, dann arbeite ich immer noch für den selben Verein, aber die Tätigkeit ist eine ganz andere.“ Er ergänzt: „Und die Arbeit wird nie langweilig.“ Grosser hat in seinen 18 Jahren bei den Johannitern viel mitgemacht. „Ich würde nicht sagen, dass ich alles schon erlebt habe. Aber das brauche ich auch nicht“, sagt er und meint damit zum Beispiel den Amoklauf von Winnenden. An dem Tag, an dem an der Albertville-Realschule geschossen wurde, war Grosser weit weg. Natürlich hätte er gern geholfen, wenn er in der Nähe gewesen wäre. Aber er war fast ein bisschen froh, dass er das Drama nicht hautnah miterleben musste.

„Positive Gelassenheit“

Für Grosser sind es die vielen kleinen Momente, die sein Engagement so lohnenswert machen. Der Moment, wenn er mit einer alten Dame Kaffee trinkt, deren Ehemann gerade gestorben ist. Der Tisch war schon gedeckt. Doch als die Frau zum Bett lief, um den Liebsten zu wecken, war dieser tot. Tobias Grosser kam als Mitglied des Kriseninterventionsteams, um der Frau Zeit und Trost zu spenden. Traurigkeit lag in der Luft. Aber die Frau war gefasst, konnte mit dem Tod umgehen und lud Grosser stattdessen zum Kaffee ein. „Der wird doch nur kalt. Und mein Mann hätte gewollt, dass Sie den jetzt mit mir trinken“, sagte die Dame. Als Grosser ging, ging er mit einem guten Gefühl.

So geht es dem 38-Jährigen nach vielen Einsätzen. Er hat schon viele persönliche Schicksale miterlebt und so gelernt, dass der Tod zum Leben gehört. Grosser spricht von einer „positiven Gelassenheit“, von der er auch als Privatmann profitiere. In seinem Familienkreis gibt es drei Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Das ist schlimm, auch für Grosser. Aber für ihn ist das Leben trotzdem lebenswert und er kann es zusammen mit diesen Menschen trotzdem genießen.

Der Aufwand lohnt sich

Das merkt man Tobias Grosser auch an. Wenn er von den Johannitern erzählt, dann geht es nicht nur um die hässlichen und traurigen Seiten des Lebens. Ganz im Gegenteil: „Wir sind eine tolle Gemeinschaft“, sagt er. Wenn die Johanniter bei großen Festivals, bei der Love Parade oder beim Kölner Karneval vor Ort sind, um im Ernstfall zu helfen, dann haben die Frauen und Männer auch selbst ihren Spaß. „Doch wenn es erforderlich wird, legen wir den Schalter um und leisten hoch qualifizierte Arbeit“, betont Grosser. Dennoch genießt er es, bei großen Veranstaltungen hinter der Absperrung zu stehen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und den Stars ganz nahe zu kommen. Auch das ist eine Motivation für sein Engagement.

Seit seinem Zivildienst lebt Tobias Grosser für die Johanniter. Doch mehr und mehr stellt er fest, dass er tatsächlich etwas macht, das nicht jeder machen will. Das wird so langsam zum Problem. Die Johanniter – ebenso wie viele andere Hilfsorganisationen – suchen neue Ehrenamtliche. Tobias Grosser kennt viele Gründe, warum es immer schwerer wird, Mitstreiter zu finden. „Man braucht eine Familie und einen Arbeitgeber, die das unterstützen“, sagt er. Denn die Johanniter haben 24 Stunden täglich Bereitschaft, sieben Tage die Woche. Doch der Aufwand lohnt sich, sagt Grosser: „Man bekommt viel zurück.“

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