Jan Ferdinand stürmte für den VfB, die TSG Hoffenheim und die SG Sonnenhof – nun peilt er mit der TSG Balingen den WFV-Pokal-Sieg im Finale gegen die Stuttgarter Kickers an. Wie schätzt der 26-Jährige die Chancen ein? Warum sind die Feierabendfußballer der TSG in der Regionalliga so stark?
Jan Ferdinand vom Fußball-Regionalligisten TSG Balingen fiebert dem WFV-Pokal-Finale an diesem Samstag (16.15 Uhr/Gazi-Stadion) gegen die Stuttgarter Kickers entgegen. Der Stürmer schätzt die Lage ein.
Herr Ferdinand, wie sehr kribbelt es bei Ihnen vor dem Finale?
Klar ist die Vorfreude groß, schließlich wollen wir zum ersten Mal in der TSG-Vereinsgeschichte den WFV-Pokal nach Balingen holen. Aber ehrlich gesagt, sehe ich das Ganze bisher recht gelassen.
Sind Sie grundsätzlich ein so entspannter Typ?
Eigentlich schon, ich bin keiner der großen Druck verspürt, auch wenn ich noch nie in einem Finale stand.
Wen sehen Sie als Favoriten?
Da tu ich mich schwer, einen auszumachen. Die Kickers und wir haben beide eine sehr gute Saison gespielt. Das gibt ein Fifty-fifty-Spiel, in dem die Tagesform und der Wille entscheiden.
Im Vorjahr peitschte ein Großteil der 7300 Zuschauer im Gazi-Stadion die Blauen zum Endspielspiel gegen den SSV Ulm 1846. Wie schwer wiegt der Heimvorteil?
Auch diesbezüglich mache ich mir keinen großen Kopf. Zumal wir in der Regionalliga meistens gegen Gegner antreten, die von mehr Fans unterstützt werden als wir. Also, alles easy.
Die TSG schloss die Regionalligasaison auf Platz sechs ab, vor Profiteams wie Kickers Offenbach, dem VfB II, Mainz 05 II, Hessen Kassel, dem VfR Aalen oder dem SGV Freiberg. Wo liegt das Erfolgsrezept?
In der Mannschaft. Jeder gönnt jedem den Erfolg. Wenn mal einer draußen sitzt, ist das kein Problem. Wir gehen immer mit Spaß an die Sache ran und genießen unser Hobby.
Dreimal Training pro Woche
Wir oft wird trainiert?
In der Regel dreimal pro Woche, abends um 18.15 Uhr. Das ist ein schöner Ausgleich, wenn man tagsüber arbeitet, dadurch entstehen auch keine großen Drucksituationen.
Dann macht die Konkurrenz ja einiges falsch. Wie erklären Sie sich das?
(lacht) Wir fragen uns schon, wie das gehen kann. Ich war ja schon unter Profibedingungen unterwegs, beim VfB Stuttgart, in Hoffenheim und bei der SG Sonnenhof. Als ich beim VfB II spielte, stiegen wir ab und die TSG Balingen blieb damals drin. Im Sport ist eben nicht immer alles rational erklärbar.
In Ihrem Team stehen in Plator Gashi, Jonas Meiser, Leander Vochatzer, Lukas Ramser, Pedro Almeida Morais, Walter Vegelin, Aron Viventi und Tim Wöhle einige Ex-Kickers-Spieler. Sind sie besonders heiß?
Was so viele sind das? Das war mir gar nicht bewusst. Das einzige Thema war bisher, dass wir den Pott holen wollen.
Auch Ihr Coach Martin Braun hat eine Kickers-Vergangenheit als Sportlicher Leiter.
Aber auch er hat noch nichts groß über die Blauen erzählt. Er wird wie immer den Gegner analysieren und einen Matchplan erstellen.
Welche Anteil hat er am Erfolg?
Das ist immer schwer zu quantifizieren. Er hat genauso seinen Anteil wie die Mannschaft. Er stellt uns auf den Gegner ein, die Spieler können ihre Meinung einbringen.
Merkt man seine große Erfahrung als Bundesligaspieler?
Manchmal erzählt er ein bisschen was aus früheren Zeiten (lacht). Aber was ihn besonders auszeichnet ist, dass er sich ganz genau überlegt, was er sagt, bevor er anfängt zu reden.
Nur die Tore zählen
Wie erwähnt spielten Sie beim VfB und bei der TSG Hoffenheim in den U-Teams. Warum gelang Ihnen nicht der Durchbruch zum Profi?
Puh, das ist Spekulation. Wahrscheinlich haben die Tore gefehlt.
So schlecht war Ihre Ausbeute auch wieder nicht. In dieser Saison gelangen Ihnen auch wieder elf Treffer.
Man muss mindestens 20 Tore schießen, dann juckt der Rest relativ wenig. Wenn du nicht genügend Buden machst, kannst du noch so viel Laufarbeit verrichten, noch so viele Tore vorbereiten, dann reicht es nicht für ganz nach oben.
Zuletzt wurden Sie auch bei den Stuttgarter Kickers gehandelt?
Da wissen die Redaktionen mehr als ich.
Wie sehen Ihre Pläne aus?
Ich absolviere ein Fernstudium in Wirtschaftsingenieurwesen und arbeite bei unserem Sponsor Bizerba in der Qualitätssicherung. Im Oktober bin ich mit dem Studium fertig, dann bekomme ich in der Firma eine neue Stelle.
Ihr Vater Axel war Handballspieler und -trainer. Warum verschlug es Sie zum Fußball?
Bis zur D-Jugend spielte ich parallel zum Fußball Handball bei der HSG Albstadt. Danach entschied ich mich für Fußball. Das war eine klare Sache.
Neuauflage auf Mallorca
Wie geht’s aus am Samstag?
Wie gesagt, es wird ein enges Spiel. Einen Tipp gebe ich nicht ab. Solange wir gewinnen ist mir egal, wie lang es geht. Ich hoffe aber, dass wir in 90 Minuten gewinnen.
Weil der Flieger nach Mallorca wartet?
Kann schon sein, dass wir dort die Kickers zu einer Neuauflage treffen (lacht).