Bezirksvorsteher Gerhard Hanus hat ein arbeitsreiches Jahr 2015 hinter sich. Vor allem das Thema Flüchtlinge hat ihn und seine Mitarbeiter beschäftigt. Foto: Bernd Zeyer

Der Zuffenhäuser Bezirksvorsteher Gerhard Hanus lässt im Interview das Jahr 2015 Revue passieren und blickt kurz nach vorne auf 2016.

Zuffenhausen - Flüchtlinge, Terror, VW-Skandal: 2015 sorgte für reichlich Gesprächsstoff. Zum Teil ist auch Zuffenhausen davon berührt worden. Bezirksvorsteher Gerhard Hanus erzählt, was ihn in den vergangenen 12 Monaten bewegt hat.
Herr Hanus, der IS-Terror ist in aller Munde. Zu Ihrem Job als Bezirksvorsteher gehören auch Besuche auf Weihnachtsmärkten und anderen Großveranstaltungen. Haben Sie dabei ein flaues Gefühl im Magen?
Nein, ich habe keine Furcht, dorthin zu gehen. Absolute Sicherheit gibt es nirgends. Terroranschläge hat es schon früher gegeben, auch wenn sie durch die aktuellen Geschehnisse und Berichterstattungen bewusster im Fokus stehen. Die Anschläge in Paris geschahen am Vorabend des Volkstrauertages. Bei meiner Rede auf dem Zuffenhäuser Friedhof bin ich mit einigen Worten auf die Situation in Paris eingegangen. Es war mir wichtig, nicht nur an die Opfer der beiden Weltkriege zu erinnern, sondern auch an alle anderen Opfer von Krieg und Gewalt. Dazu zählt auch das Schicksal der Flüchtlinge. Vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse wird einem klar, wie wertvoll Freiheit und Freizügigkeit sind. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn andere leiden. Es ist aber auch wichtig, dass wir für unsere Werte eintreten und sie verteidigen.
Gab es vor dem Hintergrund der Ereignisse in Paris einen Kontakt mit der französischen Partnerstadt La Ferté-sous-Jouarre?
Nein, wegen der Anschläge habe ich dort nicht extra angerufen. Wir stehen ohnehin in ständigem Kontakt miteinander. Das dortige Partnerschaftskomitee hat seit kurzem eine neue Präsidentin, Martine Lück. Sie ist die Ehefrau des ehemaligen Leiters der Zulassungsstelle an der Heilbronner Straße, Uwe Lück. Ich kenne beide schon einige Zeit und erhoffe mir neue Impulse für unsere Städtepartnerschaft. 2016 wird wieder eine französische Delegation zum Fleckenfest kommen.
Mit dem IS-Terror hängt auch zusammen, dass immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen und nach Deutschland kommen. Wie viele Flüchtlinge beherbergt der Stadtbezirk Zuffenhausen momentan?
Zur Zeit sind es rund 500. Vor einem Jahr waren es noch 270. Und es kommen noch mehr Menschen. Beispielsweise werden 100 Flüchtlinge an die Stammheimer/Neckarsulmer Straße ziehen, weitere 160 sollen an der Schwieberdinger Straße untergebracht werden. Außerdem stellt die Baugenossenschaft Neues Heim rund 100 Plätze in Rot zur Verfügung. Wie es darüber hinaus weiter geht, ist bislang schwer abzuschätzen und hängt von vielen nationalen und internationalen ab.
Sind Sie und Ihre Mitarbeiter langsam an der Belastungsgrenze?
Wir sind permanent mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt. Noch ist es machbar. An manchen Tagen läuft es gut, an manchen Tagen gehen wir an die Grenze oder darüber hinaus. Wir versuchen, flexibel zu sein, aber das wird zunehmend schwieriger. Andere Dinge müssen, so gut es geht, zurückgestellt werden. Ich bin unglaublich froh, dass wir die vielen ehrenamtlichen Helfer haben. Ohne sie würde es nicht gehen. Dankbar bin ich auch für die hervorragende Zusammenarbeit mit den kirchlichen Organisationen.
Wie sieht im Bezirk die künftige Strategie beim Thema Flüchtlinge aus?
Es wird immer über Probleme geredet. Das halte ich für falsch. Es gibt keine Probleme, sondern Lebenssachverhalte, die gelöst werden müssen. Dabei ist ein Kompromiss besser als gar keine Lösung. Die Deutschen neigen zum Perfektionismus. Wir sollten lernen, dass uns auch kleine Schritte voran bringen. Zuerst sollte man die Pflicht, und dann die Kür erledigen. Und unsere Pflicht ist es, die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und unsere Wertvorstellungen zu vermitteln. Gerade in Zuffenhausen hat man ja Erfahrung mit der Aufnahme fremder Menschen. Ich denke da an die Situation auf der Schlotwiese nach dem Zweiten Weltkrieg. Und der Stadtteil Rot wäre ohne Flüchtlinge nie entstanden.
Auch der VW-Skandal hat die Menschen beschäftigt. Glauben Sie, dass sich die Lage des Mutterkonzerns negativ auf die Porsche und den Standort Zuffenhausen auswirkt?
Nein, ich denke nicht. Erst vor kurzem hat Porsche verkündet, dass die Firma 700 Millionen Euro in ein Elektroauto investieren möchte. Und das soll meines Wissens in Zuffenhausen gebaut werden. Porsche ist sehr wichtig für den Bezirk. 2015 wurden das neue Ausbildungszentrum und die Skulptur auf dem Porsche-Platz eingeweiht. Und in den kommenden Jahren soll ein neues Motorenwerk gebaut werden. Das sind alles Bekenntnisse zum Standort Zuffenhausen.
Ein Bekenntnis zu Zuffenhausen wünscht man sich auch im Rahmen der Beratungen zum Doppelhaushalt 2016/2017. Was springt für den Bezirk heraus?
Wie es momentan aussieht, bekommen wir endlich Geld, um die Unterführung am oberen Teil der Unterländer Straße von Grund auf zu reinigen und zu sanieren. Auch ein Teil der Stammheimer Straße kann dabei saniert werden. Ebenfalls gut stehen die Zeichen beim Thema Rampe an der Friedrichswahl. Für deren Abriss werden wohl Planungskosten bewilligt. Und seit kurzem ist klar, dass es für das Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) Hummelgraben zumindest 100 000 Euro Planungsmittel geben wird.
Stetig verzögert hat sich der Bau des Rathauscafés. Wie ist der aktuelle Sachstand?
Vor kurzem habe ich mit dem Investor telefoniert. Er sagte, dass das Café voraussichtlich im März 2016 fertig werden soll. Das glaube ich allerdings erst, wenn ich es wirklich sehe.
Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) bleibt länger als vorgesehen in Zuffenhausen. Wie sieht der aktuelle Zeitplan aus.
Die Arbeiten am zen­tralen Fernbusbahnhof am Flughafen verzögern sich. Deshalb bleibt der ZOB bis April 2016 in Zuffenhausen. Ursprünglich war Oktober 2015 vorgesehen, dann Januar 2016. In diesem Zusammenhang gibt es aber auch Positives zu berichten: Der Zuffenhäuser Bahnhof soll attraktiver werden und zum Mobilitätspunkt umgestaltet werden, wofür es Fördergelder geben wird.
Welche wichtigen Termine stehen für 2016 in Ihrem Kalender?
Im Januar findet die Jugendratswahl statt, im März die Landtagswahl. Vor allem letztere wird meine Mitarbeiter wohl sehr beanspruchen, da immer mehr Menschen die Briefwahl nutzen. Natürlich werden uns auch das Flüchtlingsthema, die Verkehrsentwicklungsplanung und diverse Bauvorhaben beschäftigen.
Was nehmen Sie Sich selbst für 2016 vor?
Die Ziele und viele Maßnahmen sind klar. Diese gilt es entsprechend unseren Vorstellungen im Stadtbezirk mit zu gestalten und gemeinsam zu verwirklichen.
Hätten Sie für Zuffenhausen einen Wunsch beim Christkind frei, welcher wäre das?
Dann wünsche ich mir, dass das LEK Hummelgraben noch 2016 als Komplettpaket umgesetzt wird.
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