Anschaulicher Unterricht: Jakob (rotes Shirt) zeigt die Schulhühner. Foto: Fatma Tetik

Vertreter der offenen Bürgerschulen haben sich an der Jahnschule in Filderstadt-Harthausen Impulse für ihre Arbeit eingeholt. Besonderes Interesse rief ein tierisches Projekt der Werkrealschule hervor.

Harthausen - An vielen Schulen herrscht Lehrermangel. Laut Philologenverband fehlen derzeit circa 30 000 Lehrkräfte. In Baden-Württemberg sind gut tausend Stellen offen. Die Pädagogen müssen immer mehr Zusatzaufgaben stemmen. Der Ausbau der Ganztagsschule, die Inklusion und die Aufnahme von Flüchtlingskindern bringen die Lehrkräfte an ihre Grenzen. Mehr denn je sind die Schulen auf externe Partner angewiesen, um den Schulalltag bewältigen zu können. Das Projekt offene Bürgerschulen der PH Ludwigsburg hat dies zum Ziel: Schulen sollen sich nach außen hin öffnen und mit Bürgern, Institutionen und Vereinen Bildungspartnerschaften eingehen. Im Rahmen der 17. Netzwerktagung, die Anfang der Woche im Bernhäuser Forst stattgefunden hat, besuchten Vertreter der offenen Bürgerschulendie Jahnschule, um Impulse und Tipps für ihre Arbeit einzuholen.

Kooperationen mit externen Bildungspartnern

Die Jahnschule selbst ist zwar nicht im Netzwerk der offenen Bürgerschulen, doch seit Jahren kooperiert sie mit externen Bildungspartnern. Regional ansässige Firmen, Vereine und Eltern, Bürger als auch ehemalige Schüler engagieren sich an der Schule, um die Schüler getreu des Schulmottos „Fit fürs Leben“ zu machen. In einem Workshop stellte sich die Jahnschule den Tagungsgästen – darunter Lehrer, Schulleiter, Eltern und Unternehmensvertreter – mit ihren unterschiedlichen Projekten und Initiativen wie beispielsweise die Küchenfeen, Lesepaten und die Kooperation mit der Kindersportschule vor.

Zwei Schüler berichteten über das Hühnerprojekt. Die jeweiligen Fünftklässler sind Paten der Schulhühner, die seit dem Schuljahr 2007/08 in einem Innenhof an der Jahnschule gehalten und in Kooperation mit dem Obst- und Gartenbauverein Harthausen auch gezüchtet werden.

Die Zwerghühner sind Bestandteil des schulischen Lebens

Wie lange braucht ein Küken, bis es schlüpft? Worauf muss man bei der Brut achten? Wie kommt das Küken aus dem Ei und welche Schwierigkeiten gibt es? Gespannt lauschten die Gäste den Schilderungen der Hühnerpaten. Die federfüßigen Zwerghühner sind fester Bestandteil des schulischen Lebens. Tagtäglich kümmern sich die Werkrealschüler fürsorglich um ihre Schulhühner und lernen, Verantwortung zu übernehmen. „Wer keinen Hühnerdienst macht, darf auch keine Küken streicheln“, sagte der zehnjährige Jakob.

Für die Vertreter der offenen Bürgerschulen machten die Schüler eine Ausnahme. Ullrich Heller, Schulleiter der Jahnschule, sagte, das Projekt wirke sich positiv auf die ganze Schulgemeinschaft aus. Im Anschluss an den Vortrag der Schüler besichtigten die Netzwerk-Gäste den Hühnerstall. Viele von ihnen zeigten Interesse daran, Elemente der vorgestellten Projekte auch an ihren Schulen umsetzen zu wollen. „Die Konzepte sind motivations- und lernfördernd und damit absolut zukunftsweisend“, betonte der wissenschaftliche Leiter der offenen Bürgerschulen, Martin Weingardt. „Für uns ist das eine Adelung unserer Arbeit“, freute sich Schulleiter Heller.

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