Im Außenbereich von Gaststätten dürfen die Gäste weiter qualmen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Weil Stuttgart jetzt in Inzidenzstufe zwei ist, darf in Lokalen nicht mehr gequalmt werden, auch nicht in Shisha-Bars und Raucherkneipen. Die Stadt hofft auf steigende Impfzahlen, dass der weitere Anstieg der Inzidenz moderat ausfällt.

Stuttgart - Wochenlang sank die Sieben-Tage-Inzidenz auch in Stuttgart stetig. Einige Zeit verharrte der Wert unter zehn Fällen pro 100 000 Einwohner. Nun haben die Infektionszahlen wieder die aufsteigende Richtung eingeschlagen, die Inzidenz liegt erneut merklich über der Zehnermarke. Und das dürfte in nächster Zeit auch so bleiben. Am Mittwoch lag der Wert jedenfalls bei 14,6 Fällen, nach 14,2 am Vortag.

Seit Mittwoch gilt die Inzidenzstufe zwei in Stuttgart, die eintritt, wenn die Inzidenz zwischen zehn und 35 Fällen liegt. Viel geändert hat sich im Vergleich zur Stufe eins nicht. Betroffen von den strengeren Coronaregeln sind aber Raucherkneipen, innerhalb von Lokalen darf man nicht mehr qualmen.

Übertragung auch durch Rauchpartikel

Das Land erklärt das damit, dass das Rauchen bei sehr niedrigen Inzidenzen auch in geschlossenen Räumen „noch vertretbar“ sei, bei dem aktuell wieder steigenden Infektionsgeschehen „hingegen nicht mehr“. So sei die Überlebensfähigkeit des Coronavirus „in gasgetragenen flüssigen oder festen Partikeln durch Studien wissenschaftlich erwiesen, sodass auch von einer Übertragung durch virushaltige Rauchpartikel auszugehen ist“, so Pressesprecher Pascal Murmann. Die Beschränkung bestehe „ausnahmslos auch für Shisha-und Raucherbars“.

„Es haben sich einige Raucherkneipen gemeldet“, stellt denn auch Daniel Ohl fest, der Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Baden-Württemberg. „Das Konzept Raucherkneipe funktioniert nicht mehr.“ Man könne nur hoffen, dass die Lokale einen Außenbereich haben, wo die Gäste weiter qualmen dürfen. Welche Bedeutung die Verschärfung hat, kann Ohl nicht sagen, der Verband hat keine Zahlen zu Raucherkneipen. Und der Sprecher fügt an: „Die steigende Inzidenz macht uns Sorgen.“

Zwölf Prozent der Infizierten sind Reiserückkehrer

Das geht auch der Stadt so, obwohl „der Anstieg erwartbar war“, wie Sprecher Sven Matis erklärt. Aber noch sei die Lage „stabil“. Und: „Der Anstieg wird sich fortsetzen“, sagt Matis. Ob moderat, ob ausgeprägter, das hänge davon ab, „wie viele Leute sich impfen lassen“. Man nimmt aber an oder hofft, dass der Zuwachs schwächer ausfällt als im vergangenen Jahr.

Nach den Sommerferien des Vorjahres waren es nicht zuletzt Reiserückkehrer, die eine weitere Coronawelle antrieben. Diese machen zurzeit nur zwölf Prozent der derzeit 164 aktiven Infektionsfälle aus. Jede dritte Infektion in Stuttgart geht auf das Konto der Delta-Variante. Nach einer Modellrechnung dürfte dieser Anteil Anfang August bei etwa 90 Prozent liegen. Besonders betroffen ist die sehr mobile Altersgruppe zwischen zehn und 39 Jahren. Neben dem Impfen setzt die Stadt deshalb darauf, dass die Menschen weiter eine gewisse Zurückhaltung bei ihren sozialen Kontakten üben.

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