Die Unterkunft für Geflüchtete auf dem Parkplatz vor dem Max-Graser-Stadion ist bereits geräumt. Foto: Sascha Sauer

Es beginnt eine neue Ära in der Integration von Flüchtlingen: In Fellbach ist die Zeit der Gemeinschaftsunterkünfte abgelaufen, jetzt sollen die Menschen nach und nach in private Wohnungen umziehen. Die Stadt will ihnen dabei helfen.

Fellbach - Das Thema Flüchtlinge hat jahrelang die Schlagzeilen beherrscht. Auch in Fellbach. Die Bewältigung des Ansturms hatte in den Neujahrsansprachen der Stadt einen festen Platz, und auch bei den Wahlkämpfen spielte die Flüchtlingsfrage eine bedeutende Rolle. Das ist jetzt nicht mehr so. „Man hat den Eindruck, dass das Thema ganz weit weg ist“, sagte der Erste Bürgermeister Johannes Berner im Sozialausschuss des Gemeinderats.

In Fellbach leben aktuell 701 geflüchtete Menschen und weitere durch Familiennachzug gekommene Personen. Davon wohnen 374 Menschen in privatem Wohnraum oder in von der städtischen Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach verwaltete Wohnungen.

Die Flüchtlinge auf dem Parkplatz beim Max-Graser-Stadion sind bereits Ende Januar ausgezogen

In den gemeinschaftlichen Anschlussunterkünften wohnen derzeit 327 Personen, die meisten davon – 143 Menschen – auf dem ehemaligen Freibad-Areal an der Esslinger Straße.

Die Flüchtlinge auf dem Parkplatz beim Max-Graser-Stadion sind bereits Ende Januar ausgezogen. Damit wurde die letzte Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in der Stadt geschlossen. „Jetzt leben nur noch Flüchtlinge in Fellbach, für die die Stadt die Verantwortung hat“, sagte Johannes Berner.

Es beginnt eine neue Ära in der Integration von Flüchtlingen. Sinnbildlich wird das beispielsweise am Umzug der Integrationsmanager vom Rathaus in das ehemalige Gebäude der Volkshochschule an der Theodor-Heuss-Straße. „Jeder Geflüchtete kann zu uns in die Beratung kommen“, sagte Integrationsmanager Nelson Müller. Dabei handele sich um ein freiwilliges und niederschwelliges Angebot. „Wir sind auch per WhatsApp erreichbar.“ Durch den Wegfall der Gemeinschaftsunterkünfte kommen neue Aufgaben auf die Integrationsmanager zu. Ihre Hauptaufgabe ist nun die Sozialberatung und -begleitung von geflüchteten Menschen in der Anschlussunterbringung. Sie organisieren beispielsweise Kontakte zum Jobcenter, zur Bundesagentur für Arbeit oder dem Ausländeramt. Auch die Netzwerkarbeit mit den ehrenamtlich in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit engagierten Bürgern gehört zu ihren Aufgaben. „Ebenso versuchen wir, geflüchtete Frauen stärker einzubinden“, sagte Nelson Müller.

Die Geflüchteten hätten inzwischen neue Kontakte geknüpft und sich nach und nach in Fellbach eingelebt

Cornelia Funk und Christina Schwinghammer vom Freundeskreis für Flüchtlinge berichteten von ihren aktuellen Eindrücken. „Die Zeit der Asylcafés ist vorbei, sie werden nicht mehr benötigt“, sagte Cornelia Funk. Stattdessen gehe es für die geflüchteten Menschen mittlerweile vor allem darum, in Ausbildung und Arbeit zu kommen. Und da gibt es schon Erfolgsmeldungen: „Von fünf geflüchteten Ärzten, die zu uns gekommen waren, arbeiten jetzt drei in ihrem Beruf“, sagte sie.

Die Geflüchteten hätten inzwischen neue Kontakte geknüpft und sich nach und nach in Fellbach eingelebt, berichtete Cornelia Funk. Dringend gesucht würden weitere Lernbegleiter für jugendliche Flüchtlinge sowie Ansprechpartner, die sich um besondere Anlässe wie beispielsweise um die Organisation eines passenden Raums für die Hochzeit kümmern. „Mit einem Begegnungscafé soll die gesellschaftliche Teilhabe gefördert werden“, sagte Christina Schwinghammer.

Das Thema Familiennachzug weckt bei manchen Fellbachern Ängste. Martina Wöllhaf, die stellvertretende Leiterin des städtischen Ausländeramtes, beruhigte: „Bisher haben nur zwei Personen diese Möglichkeit genutzt und insgesamt fünf Personen nachgeholt.“

Die Befürchtung von CDU-Stadtrat Erich Theile, dass es durch den Auszug der Flüchtlinge aus den Unterkünften zu sozialen Brennpunkten in Fellbach kommen könnte, entkräftete der Erste Bürgermeister: „Wir setzen auf eine gute Durchmischung, und es soll verhindert werden, dass es zu Neid kommt.“

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