Man erkennt die Bernstein-Waldschabe an ihrer hellbraunen Färbung und den bedornten Beinen. Foto: Michael Eick

Die Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris) taucht immer häufiger bei uns auf – auch im Rems-Murr-Kreis –, ist aber zum Glück vollkommen harmlos.

Fellbach - In diesen Tagen passiert es immer wieder: Abends brennt Licht in der Wohnung, die Balkontür oder die Fenster sind weit offen, um ein wenig kühle Luft hereinzulassen. Und plötzlich sind sie da, diese krabbelnden und fliegenden kakerlakenähnlichen Insekten. Die hell bernsteinfarbenen Tiere sehen auf den ersten Blick aus wie eine Kakerlake und sie sind auch mit ihnen verwandt. Doch es handelt sich um die Bernstein-Waldschabe.

Ihr Halsschild ist einfarbig hell und an den Rändern durchscheinend

Es kann also Entwarnung gegeben werden. Denn die Waldschabe, die im Gegensatz zur Küchenschabe oder zur Deutschen Schabe keine Krankheiten überträgt und auch nicht an Küchenvorräten futtert, ist völlig harmlos. Außerdem können diese Tiere relativ gut fliegen. Und so kommen sie oft über den Luftweg in die Wohnung, weil sie vom Licht angelockt werden.

Man erkennt die etwa eineinhalb Zentimeter große und schlanke Bernstein-Waldschabe an ihrer hellbraunen Färbung, ihren etwa körperlangen Fühlern und bedornten Beinen. Ihr Halsschild ist einfarbig hell und an den Rändern durchscheinend. Die Flügel ragen über die Spitze des Hinterleibs hinaus. Oft haben sie feine Punkte, jedoch keine großen dunklen Flecken.

Vor allem die Färbung des Halsschildes dient zur Unterscheidung von ähnlichen Arten Mitteleuropas. Für eine absolut sichere Artbestimmung können noch andere Merkmale betrachtet werden, zum Beispiel die Form des Stylus (dies ist nicht ein digitaler Eingabestift, sondern ein zipfelartiger Anhang am Ende des Hinterleibs) oder die Ausprägung eines Drüsenfelds am Hinterleib der Männchen. Bei den Weibchen erkennt man in der sogenannten Oothek, der Eikammer, eine feine Strukturierung mit Quer- und Längslinien.

Deshalb ist es am besten, wenn man eine Waldschabe, die sich ins Haus verirrt hat, einfängt und draußen freilässt

Die Art stammt eigentlich aus Südeuropa und hat sich seit einigen Jahren nördlich der Alpen etabliert. Die ersten Funde in Baden-Württemberg gab es im Jahre 2002. Mittlerweile ist sie die häufigste Schabenart bei uns. Besonders warme, trockene Sommer begünstigen die Vermehrung der Tiere. In Fellbach kommt sie quasi überall vor. Denn im Freiland bewohnt die Bernstein-Waldschabe Wälder, Hecken, Parks und Gärten mit reichlich Unterwuchs. Sie versteckt sich gerne unter Blumentöpfen, Steinen oder im Laub. Sie ernährt sich von welken Blättern und anderen Pflanzenresten. In einer menschlichen Behausung würde sie also in kurzer Zeit verhungern.

Deshalb ist es am besten, wenn man eine Waldschabe, die sich ins Haus verirrt hat, einfängt und draußen freilässt. Man stülpt ein Glas darüber, schiebt eine Postkarte oder einen Bierdeckel drunter und lässt das Tierchen ins Freie. Wer sich dauerhaft belästigt fühlt, sollte etwa über ein Fliegengitter nachdenken. Vor allem sollte man abends nicht das Licht einschalten, wenn die Fenster geöffnet sind. Insektensprays oder andere Chemikalien bringen dagegen nichts und sind sowohl für andere Insekten gefährlich als auch für den Anwender alles andere als gesund.

Schaben in Deutschland

In Deutschland gibt es rund ein halbes Dutzend verschiedene Schabenarten. Die urtümliche Insektengruppe, die weltweit rund 4500 Arten umfasst, ist überwiegend in tropischen Gebieten verbreitet.

Kakerlake

Diese rund drei Zentimeter großen, dunklen und flugunfähigen Insekten sind absolute Kulturfolger. Sie fühlen sich von Plätzen, wo Lebensmittel oder andere organische Stoffe gelagert oder entsorgt werden, angezogen. Sie können auch diverse Krankheiten übertragen. Allerdings sind sie nicht so leicht zu entdecken. Sie verschwinden blitzschnell, wenn man das Licht anmacht – mit bis zu eineinhalb Metern pro Sekunde. Die Weibchen tragen Eipakete auf der Unterseite ihres Hinterleibs. Deshalb: Niemals eine Kakerlake zertreten! Man trägt damit nur zu deren Verbreitung bei.

Deutsche Schabe

Diese Art ähnelt der Bernstein-Schabe äußerlich sehr. Man erkennt sie daran, dass sie auf ihrem Halsschild zwei schwarze Längsstreifen besitzt. Zudem kann diese Schabenart nicht fliegen. Dieser gefürchtete Hygiene-Schädling meidet das Tageslicht und kommt nur nachts hervor

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: