Eine der zahlreichen Veranstaltungen von Occupy im Park der Villa Berg Foto: Nina Ayerle

Die Initiative Occupy Villa Berg will ihre Arbeit beenden, die Ergebnisse der Stadt übergeben und diese bei einem Konzept für die künftige Bürgerbeteiligung beraten. Durch den Kauf der Villa durch die Stadt sei das Ziel der Initiative erreicht, heißt es in einer Erklärung.

S-Ost - Die parteiunabhängige Initiative Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg will ihre Arbeit Ende des Jahres beenden. Das haben die Initiatoren jetzt in einer ausführlichen Stellungnahme zum Kauf der Villa durch die Stadt erklärt. Die Ergebnisse der zahlreichen Aktionen, Diskussionen und Veranstaltungen in den vergangenen zwei Jahren sollen der Stadt übergeben werden. Außerdem bieten die Köpfe der Initiative der Stadtverwaltung an, sie bei der Erarbeitung eines Konzepts für die geplante Bürgerbeteiligung zu beraten. Für 1. Dezember plant die Initiative eine große Abschlusspräsentation im Restaurant-Theater Friedenau.

Die Initiative Occupy Villa Berg war vor mehr als zwei Jahren als Reaktion auf die Jahre lange Hängepartie und dem damit verbundenen fortschreitenden Verfall der Villa Berg entstanden. Die Initiatoren kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Christian Dosch beispielsweise ist der Leiter der Film Commission, die ein Angebot der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart ist. Er engagiert sich unter anderem auch für das Garnisonsschützenhaus im Stuttgarter Süden. Deborah Brinkschulte ist Architektin und Stadtplanerin und hat viele der Stammtische und Veranstaltungen der Initiative maßgeblich mit organisiert. Sie engagiert sich auch bei dem Urban-Gardening-Projekt Inselgrün. Und Jörg Trüdinger ist Sprecher der Flohmarkt-Händler auf dem Karlsplatz, Sprecher der SPD-Bezirksbeiratsfraktion im Stuttgarter Osten und engagiert sich seit Jahren für seinen Stadtbezirk, vor allem auch für das Quartier Raitelsberg.

Ziel der „informellen, temporären und bürgerschaftlichen Plattform“, die auch einen eigenen Internet-Blog schuf und über die unterschiedlichen sozialen Netzwerken kommunizierte, war, „dass sich Bürgerinnen und Bürger die Villa Berg und den Park wieder aneignen und durch die Identifikation mit dem Ort erste Ideen für dessen Zukunft entwickeln“. Dafür wurden unter anderem Planungspicknicks im Park veranstaltet, die Initiative war bei er Langen Ost-Nacht aktiv, außerdem gab es monatliche Stammtische in der Friedenau in der Rotenbergstraße, nicht weit von der Villa entfernt.

Der Blog und die für jedermann offenen Stammtische entwickelten sich zu wichtigen Informationsplattformen, durch die viele Ideen weiterentwickelt wurden. Zu den Treffen in der Friedenau wurden regelmäßig Fachleute aus ganz unterschiedlichen Bereichen eingeladen, die sich in Kurzvorträgen mit vielen Aspekten der Villa und des Parks befassten. Zu den regelmäßigen Besuchern des Stammtischs gehörten nicht nur Anwohner aus dem Stuttgarter Osten, sondern beispielsweise auch Professoren und Studierende der Hochschule für Technik, die sich in Masterarbeiten mit der Villa befassten und einen eigenen Ansatz für ein Nutzungskonzept entwickelten.

Erst Anfang diesen Monats informierte Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung über das Sanierungsgebiet Stöckach, zu dem auch die Villa und der Park gehören. Die ersten Arbeitsergebnisse der Initiative waren schon 2013 in dem Bericht „Ideen, Wünsche und Bilder“ zusammengefasst und in gedruckter Form auch dem Oberbürgermeister Fritz Kuhn überreicht worden.

Jetzt sind die Initiatoren der Meinung, dass die Stadt die Bürgerbeteiligung voran treiben muss. „Seit über zehn Jahren habe ich mich dafür eingesetzt, dass der Park und die Villa Berg den Stuttgarter Bürgern zurückgegeben werden“, sagt Jörg Trüdinger. „Die jetzt erzielte Lösung ist für mich ein Zeichen, dass sich jede investierte Minute gelohnt hat.“ Auch Christian Dosch freut sich darüber, dass die Villa bald wieder der Stadt gehört. „Die Identität von Stadt liegt auch in manchen Bauwerken, die Identität von Stadt sollte allerdings nicht in Investorenhand liegen.“ Er ist sicher, dass die durch die Initiative entstandene Gemeinschaft „in neuer Form weiter wachsen“ wird. Und Deborah Brinkschulte appelliert: „In Stuttgart leben großartige Menschen mit großartigen Ideen. Bitte, liebe Stadt, nimm alle diese Menschen mit in eine Fortsetzung der Beteiligung. Zeig, dass es dir ernst ist mit dem Bürgerwillen. Nimm dir Zeit, hör genau zu und sei offen.“

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