Laptops landen häufig schon nach wenigen Jahren im Müll – weil sie nicht reparaturfreundlich gebaut sind, sagen Kritiker. Foto: dpa

Detlef Vangerow aus Mittelstadt bei Reutlingen hat den „Runden Tisch Reparatur“ ins Leben gerufen. Die Gruppe fordert Veränderungen bei Elektrogeräten.

Stuttgart - Im 3400-Seelen-Ort Mittelstadt bei Reutlingen beginnt die Revolution. Von hier aus plant Detlef Vangerow seine Reparaturrevolution. „Wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft“, sagt der Unternehmer. „Und dafür brauchen wir Reparaturen. Nur was ich reparieren kann, kann auch länger halten.“ 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott produzierten die Deutschen 2014 laut einer Studie der Universität der Vereinten Nationen – in absoluten Zahlen mehr als jedes andere EU-Land. Doch Reparaturen würden häufig von den Herstellern erschwert – zum Beispiel mit Akkus in Mobiltelefonen, die nicht austauschbar sind oder verklebten Laptop-Gehäusen, „die ich mit dem Schraubenzieher nicht öffnen kann“, sagt Vangerow.

Der 55-Jährige will das nicht länger hinnehmen: Er hat den „Runden Tisch Reparatur“ angestoßen, um Umweltverbände und Reparaturinitiativen im Kampf gegen den Elektroschrott zusammen zu bringen. Ihre Forderungen hat Vangerow diese Woche dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium Jochen Flasbarth übergeben. Ein Gesetz soll Hersteller verpflichten, Ersatzteile vorrätig zu halten. Kein Ersatzteil darf 20 Prozent des Produktneupreises überschreiten. Und die Mehrwertsteuer auf Reparaturen soll sinken – so lauten einige der insgesamt acht Forderungen des runden Tischs.

Unterschiede zwischen Herstellern

Nicht alle Hersteller behindern Reparaturen. Zwischen deutschen und ausländischen Anbietern gebe es große Unterschiede, sagt Achim Schenk vom Fachverband Elektro- und Informationstechnik im Land. Viele deutsche Hersteller garantierten schon heute über Jahre hinweg den Zugang zu erschwinglichen Ersatzteilen.

Bei Computern oder Mobiltelefonen spielen deutsche Anbieter aber kaum eine Rolle. Reparaturfreundliches Produktdesign steht deshalb auch auf der Wunschliste des runden Tischs. Detlef Vangerow aus Mittelstadt bei Reutlingen ist optimistisch, dass die Politik den Forderungen nachkommt: „Reparatur ist wieder schick. Auch in der Politik ist ein großes Bewusstsein dafür da.“

Elektromärkte bedrohen kleine Händler

Für Vangerow ist die Reparaturrevolution nicht nur eine Frage der Ideale. Früher hat er selbst Fernseher und Radios verkauft. Als große Elektromärkte in den 1990er Jahren zu einer Bedrohung für das Geschäft wurden, spezialisierte er sich auf Kundendienst und Reparaturen vor Ort. „Das ist das einzige, was kleine Händler noch tun können, um gegen die großen anzukommen.“ Heute betreibt Vangerow eine Internetplattform, auf der Nutzer einen Reparaturdienst in ihrer Nähe finden können. Damit der alte Fernseher vor dem Sperrmüll verschont bleibt.

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