Ingo Zamperoni, der „Mister Tagesthemen“, mit den Nachwuchsmoderatorinnen Anna Pöhler und Sarah Schmidt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

„Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni hat in der Hochschule der Medien in Stuttgart über seine Arbeit und seine Familie gesprochen. Der Journalismus zählt für ihn zu den „schönsten Berufen der Welt“.

Stuttgart - Nichts dagegen hat Ingo Zamperoini, wenn Interviewpartner „auf Krawall gebürstet“ sind. Emotionale Gespräche sind ihm am liebsten, versichert der „Tagesthemen“-Moderator in der Hochschule der Medien . Deshalb stellt er gern „unangenehme Fragen“. Als „Anwalt der Zuschauer“ möchte er die Großen der Politik „aus der Reserve“ locken und ihnen keine Chance geben, vorgefertigte Statements abzurufen.

In Stuttgart muss er nun die Gesprächsführung aus der Hand geben. Im Hörsaal wird der 43-Jährige von zwei jungen Frauen in die Zange genommen, zumindest von der Sitzordnung her. Eher sanft gehen Anna Pöhler und Sarah Schmidt, die am Institut für Moderation studieren, mit ihm um. Eine krawallige Atmosphäre würde auch gar nicht passen. Dafür ist Zamperoni, schick und schlank im blauen Anzug, viel zu nett.

Der Sympathieträger hat es auf die Pole Position des deutschen Fernsehens geschafft. Längst verzeiht die Nation dem Deutsch-Italiener, dass er sich 2012 in der Halbzeitpause beim EM-Spiel von Deutschland gegen Italien mit einem Dante-Zitat nicht eindeutig genug auf die deutsche Seite geschlagen hat. Auch wenn die Nachwuchsmoderatorinnen ein bisschen zu lieb erscheinen, was bei einem Mann mit diesem Augenaufschlag nicht verwundert, entlocken sie ihm doch schöne Informationen. Seine achtjährige Tochter, verrät Zamperoni, hat an der Tür zu ihrem Kinderzimmer ein Verbotsschild mit dem durchgestrichenen Bild von Donald Trump aufgehängt. Der US-Präsident darf bei ihr nicht rein! Da ist sie streng.

Was seine Augen zum Leuchten bringt

Im Audimax i003 sitzen viele junge Menschen, die irgendwas mit Medien machen wollen. „Mister Tagesthemen“ spricht ihnen Mut zu, zielstrebig diesen Weg zu gehen. „Journalismus zählt zu den schönsten Berufen der Welt“, findet er. Wer dies so sehe wie er, müsse „dranbleiben, auch wenn erst mal nichts als Absagen kommen“. Das A und O seien Praktikumsstellen, sagt er.

Und dann leuchten die blaugrünen Augen des 43-Jährigen noch etwas heller. Im relativ jungen Alter, schwärmt er, sei es ihm vergönnt, einen Job machen zu dürfen, von dem er zuvor dachte, „das ist was, mit dem du am Ende deiner Laufbahn in den Sonnenuntergang reitest“. Jeder Redaktionstag, frohlockt er, sei anders und habe seinen Reiz, weil man nie wisse, was passiere und ob man alle Pläne über den Haufen werfen müsse.

„Extrem adrenalinlastig“ ist seine Arbeit

Seine Arbeit, sagt er, sei „extrem adrenalinlastig“ und mache einen zum „Nachrichten-Junkie“. Mitunter sorgten die eigenen Chefredakteure für Zusatz-Stress, wenn sie in der 14-Uhr-Konferenz ein Kommentarthema beschließen, zu dem es keinen Film gibt. Dann müsse das Team schnell was „mit Zweiminutendreißig“ produzieren, weil es in der Sendung keinen Kommentar ohne Nachrichtenbeitrag geben darf. Die neuen Trends in den USA beim TV-Journalismus, sagt er, will er nicht übernehmen. In den Staaten werde es immer beliebter, Nachrichten und Meinungen zu vermischen und Anmoderationen wortreich „mit Girlanden zu schmücken“, ehe man auf den Punkt kommt.

Zamperoni ist ein Freund der verständlichen Fakten, ohne langes Vorspiel. Ein Freund des US-Präsidenten ist er nicht, der unflätiges Benehmen salonfähig gemacht habe – Dinge, wie er seinen Kindern beigebracht habe, die schlecht seien. Wie gut, dass er nicht Trump ist. Dann darf er wenigstens hin und wieder ins Zimmer seiner Tochter.

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