Dr. Martin Priwitzer bei der Überprüfung von Röntgenbildern der Lunge. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Tuberkulose-Erkrankungen sind in Stuttgart auf dem Rückzug, gleichwohl ist nun ein Fall in einer Mutter-Kind-Einrichtung aufgetreten. Das Gesundheitsamt hat Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen informiert.

Stuttgart - Ein Fall von offener und somit ansteckender Tuberkulose in einer Stuttgarter Mutter-Kind-Einrichtung hat am Mittwoch das Gesundheitsamt auf den Plan gerufen. Wie die Leiterin des Stifts bestätigt, musste eine junge Frau zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Das Gesundheitsamt kläre nun ab, ob die circa 30 Bewohnerinnen oder Mitarbeiterinnen einem Infektionsrisiko ausgesetzt waren.

Ausbruch früh entdeckt

Die betroffene junge Mutter hatte sich ursprünglich bei ihrem Partner infiziert, der an Tuberkulose (TB) erkrankt war. „Sie befand sich deshalb unter ständiger Kontrolle und war in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt“, so die Leiterin Heidi Nagler. Martin Priwitzer, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts, bestätigt gegenüber unserer Zeitung die enge Begleitung der jungen Mutter, bei der die TB noch nicht offen ­ausgebrochen war. „Deshalb entdeckten wir die Erkrankung in einem sehr frühen Stadium und konnten sofort die Behandlung einleiten.“ Dazu seien Mutter und Kind in eine Stuttgarter Klinik eingewiesen worden.

Das Ansteckungsrisiko, das von der Frau ausgeht, hält Priwitzer für sehr gering. „Im Frühstadium des Krankheitsausbruchs sind die Patienten nur sehr wenig ansteckend.“ In dieser Phase müssten sie sich mit nicht Infizierten mindestens 40 Stunden in einem geschlossenen Raum aufhalten, um ein Risiko darzustellen. „Außerdem hatte die junge Frau nur sehr wenig Kontakte zu anderen Müttern und Kindern“, so Priwitzer. Seine Behörde habe noch am Mittwoch die Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen darüber informiert. Man erstelle nun eine Liste mit Kontaktpersonen und lade gegebenenfalls zu Blut- und Hauttests vor. Priwitzer: „Ich rechne nicht damit, dass da was passiert.“

Amt erwartet mehr Pflichtuntersuchungen

Laut Robert-Koch-Institut erkrankt nur ein Teil der Infizierten tatsächlich an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose, man geht von zehn bis 15 Prozent aus. Meist gelinge es dem Organismus, die Tuberkulosebakterien erfolgreich zu bekämpfen oder sie abzukapseln und damit die Infektion dauerhaft einzugrenzen. Allerdings trügen besonders Kleinkinder und Immungeschwächte ein deutlich erhöhtes Risiko, zeitnah zur Infektion eine aktive Tuberkulose zu entwickeln. Besondere Aufmerksamkeit lenkt der Infektionsschutz des Gesundheitsamt daher auf Obdachloseneinrichtungen und Flüchtlingsunterkünfte. Dort ist vor dem Einzug eine Untersuchung verpflichtend; insgesamt 1653 Röntgenbilder wurden allein 2017 zu diesem Zweck gemacht. Wegen des Familiennachzugs rechnet das Amt mit einer Steigerung.

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