In Ditzingen im Dauereinsatz Beim letzten Einsatz der Feuerwehr kommt jede Hilfe zu spät

Von Stefanie Köhler 

In der Bauernstraße fanden  die Einsatzkräfte einen Verstorbenen. Foto: Feuerwehr Ditzingen
In der Bauernstraße fanden die Einsatzkräfte einen Verstorbenen. Foto: Feuerwehr Ditzingen

Drei Mal gefordert binnen weniger Stunden: Das erlebt die Freiwillige Feuerwehr Ditzingen selten. Der tragischste Einsatz: Am Dienstagabend finden die Helfer einen 92 Jahre alten Mann – tot.

Ditzingen - Es war gegen 22.22 Uhr am Dienstagabend, als die Polizei die Feuerwehr Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) zu einer Wohnungsöffnung in die Bauernstraße rief. Die Angehörigen eines 92-jährigen Bewohners machten sich große Sorgen: Der Mann reagierte weder auf Anrufe noch auf das Klingeln an der Tür an jenem Abend. Also alarmierte die Familie die Polizei.

Weil der Schlüssel von innen im Schloss steckte, ließ sich die Tür mit dem Ersatzschlüssel nicht öffnen. Die Feuerwehr gelangte deshalb über eine Steckleiter auf den Balkon und verschaffte sich über ein gekipptes Fenster einen Zugang zur Wohnung. „Der Zugang war unproblematisch, doch für den Bewohner kam jede Hilfe zu spät“, sagt der Ditzinger Abteilungskommandant Andreas Häcker. Der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Laut der Ludwigsburger Polizei starb der Senior, der auf dem Sofa lag, eines natürlichen Todes. Aus Rücksichtnahme auf die Familie nennen weder Feuerwehr noch Polizei weitere Details.

Reiter stürzt vom Pferd und verletzt sich schwer

Der Einsatz war das Ende eines Einsatz-Marathons für die Wehr: Insgesamt rückten 22 Einsatzkräfte an jenem Abend drei Mal aus. Begonnen hatte der Abend für die Wehrleute um 19 Uhr, als erstmals technische Hilfe bei einer Türöffnung in der Steinstraße gefordert war. Ein 96-jähriger Bewohner hatte laut der Polizei wohl die Integrierte Leitstelle Ludwigsburg um Hilfe gebeten – ihm sei es gesundheitlich schlecht gegangen. Die ILS ist die zentrale Koordinationsstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr im Landkreis. Kurz vor dem Eintreffen der Wehr konnte die Wohnung aber mit einem Ersatzschlüssel geöffnet werden, der Mann kam in eine Klinik.

Eine Stunde später leistete die Feuerwehr medizinische und technische Hilfe bei einem Reitunfall. Eine 32-jährige Frau war in einer Reithalle Im Hülben von ihrem Pferd gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt, war jedoch ansprechbar. Da die Feuerwehr zum Zeitpunkt des Unfalls wenige Hundert Meter entfernt eine Übung machte, übernahmen der Feuerwehrarzt und weitere Kräfte die Erstversorgung. Nach dem Eintreffen des Rettungsdienstes transportierten die Fachkräfte die Verletzte auf einer Spezialtrage der Feuerwehr aus der Reithalle. Die Spezialtrage war wegen des weichen Bodens in der Halle nötig.

Mehrere Einsätze an einem Abend ungewöhnlich

Laut Abteilungskommandant Häcker geht es bei fast jedem zehnten Einsatz der Feuerwehr um eine Person in Not, zu der sie sich Zugang verschaffen muss. Dagegen seien drei Einsätze an einem Abend sehr selten – zumal die Helfer für gewöhnlich etwa zwei, drei Einsätze pro Woche haben. „Geballt kommen Einsätze eher bei Unwetter, Sturmschäden oder Hochwasser“, sagt Häcker. Er nennt den Abend aufgrund der Übung mit 25 Wehrleuten „hektisch“.

Werden die Einsatzkräfte mit Toten konfrontiert, stehen den Ditzingern intern Seelsorger zur Seite – zwei Wehrleute mit entsprechendem Lehrgang sowie einer von Berufes wegen – vor allem in „besonders belastenden Situationen“, sagt Häcker. Dazu gehören sehr schwere Unfälle oder verstorbene Kinder. Den Vorfall am Dienstagabend hätten die Einsatzkräfte gut bewältigt. Dass alte Menschen sterben, verkrafte man am ehesten, meint Häcker.

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