In Rottweil beginnt einer der bundesweit ersten Gerichtsprozesse von Menschen, die nach der Corona-Impfung erkrankt sind. Ein Ingenieur ist nun auf einem Auge blind.
Von einem kleinen idyllischen Dorf in den Gerichtssaal sind es exakt 42 Kilometer. Das Dorf liegt im Schwarzwald, der Blick streift über grüne Hügel, Bienen summen in der Luft. Hier wohnt Dietmar S.. Das Gericht steht in Rottweil, Königstraße, Landgericht. Am kommenden Montag muss Dietmar S. dort hin. Dann beginnt sein Prozess gegen den Pharmagiganten Biontech. Dessen Corona-Impfstoff habe ihn krank gemacht, da ist sich Dietmar S. sicher.
Es wird bundesweit einer der ersten Fälle dieser Art, die vor Gericht verhandelt werden. In Frankfurt und Hamburg standen die Termine schon auf den Tagesordnungen der Landgerichte, sind dann aber in letzter Sekunde und aus unterschiedlichen Gründen wieder von dort verschwunden, zumeist verschoben. In Mainz hat am vergangenen Montag ein Prozess begonnen, und wurde kurz darauf vertagt. 150 000 Euro möchte eine Frau dort von Astrazeneca, weil sie nach der Corona-Impfung nichts mehr hört. Dietmar S. schwebt die gleiche Summe vor. Auf dem rechten Auge ist der Mann inzwischen so gut wie blind.
Nach der Spritze verschwand die Erinnerung
Dietmar S. erzählt, wie er damals seine Erinnerung verloren hatte. Es war im Frühjahr 2021, als Impftermine ähnlich heiß begehrt waren wie ein Jahr später Erdgaslieferungen. Dank familiärer Hilfe hatte Dietmar S. in Freiburg solch einen Termin ergattert, am 11. Juni war er zur zweiten Spritze angereist. Am Morgen danach war er nicht mehr derselbe. Er sei immer ein großer Fußballfan gewesen, erzählt Dietmar S., und nun konnte er sich nicht einmal an die Namen der Nationalspieler erinnern. Trotz Europameisterschaft, die da gerade begann. Von „Brainfog“ hatte der Ingenieur, der lange Zeit das Werk eines Automobilzulieferers geleitet hatte, zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört. Mehrere Wochen litt auch er an diesem Nebel im Gehirn. Inzwischen weiß er einiges mehr über die Eintrübung des Bewusstseins – und über andere Erkrankungen, die in engen Zusammenhang mit der Impfung gebracht werden.
Als ob die Brille schmutzig sei
Dietmar S. zeigt auf seinem Handy einen Beitrag der ARD, in dem der Arzt Eckhard von Hirschhausen darüber berichtet, wie sich die Auswirkungen der Corona-Infektion auch noch Monate nach dem ersten Auftreten aufgrund der Immunreaktion auf das Gehirn auswirken können. Auch die Impfungen könnten entsprechende Immunreaktionen hervorrufen, dies sei mittlerweile bekannt. Dietmar S. berichtet von Studien aus den USA, wonach retinale Gefäßverschlüsse am Auge bei Geimpften signifikant um den Faktor 2 größer sind als in der Vergleichsgruppe. Das mit dem Auge kam bei ihm acht Wochen nach der Impfung.
Am Anfang war es so ein Gefühl, als ob die Brille schmutzig sei, unten in der Ecke, sagt Dietmar S. Doch die Brille war sauber. Und das Auge wurde immer schlechter. Augeninfarkt, hieß schließlich die Diagnose – die Sehfähigkeit rechts ist nach Dietmar S. Angaben heute bei etwa drei Prozent. Das ist praktisch nichts. Eine Brille mit einem abgedunkelten rechten Glas soll nun dabei helfen, die extreme Lichtempfindlichkeit auf dem geschädigten Auge zu reduzieren.
Jahrelanger Kampf steht bevor
Die ganze Aufmerksamkeit von Dietmar S. gilt aktuell dem Prozess. Berge von Papieren sind noch zu lesen, zu sichten, zu ordnen. Mit einem Gericht habe er noch nie zu tun gehabt, sagt der Mann, der zum Zeitpunkt der Erkrankung gerade dabei gewesen ist, den Weg in die Selbstständigkeit vorzubereiten. Die Firma, für die er lange in führender Position tätig gewesen ist, war gerade verkauft worden. Kein Arbeitgeber, keine zwingende Krankmeldung – mit den Arztbesuchen hat es der Ingenieur daher nach der Impfung eher locker gehandhabt. Wie in all den Jahren zuvor auch. „Ich bin keiner, der immer gleich zum Doktor rennt“, sagt Dietmar S. Inzwischen ist er dort häufiger anzutreffen.
Der Kampf, den er am nächsten Montag vor dem Landgericht in Rottweil beginnt, er könne vielleicht Jahre dauern, sagt Dietmar S. Natürlich wäre es gut, endlich die Anerkennung des Impfschadens zu erhalten, sagt der Ingenieur, aber er sieht sich und die anderen, die aktuell Ihre Prozesse beginnen, eher wie ein Schneepflug. Diejenigen, die den Weg ebnen, dem sicherlich noch viele folgen werden. Die Zahl der Klagen nimmt zu, ein paar hundert sind gegen die Impfstoffhersteller anhängig.