In Stuttgart haben potenzielle Immobilienkäufer und Mieter zurzeit schlechte Karten. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Miese Stimmung in der Immobilienbranche: Bedenkliche Zahlen werden beim City-Report für Stuttgart vom Immobilienverband IVD Süd präsentiert. Vor allem junge Familien haben auf dem Neubaumarkt kaum eine Chance.

Die Zeiten historischer Niedrigzinsen sind zweifelsfrei vorbei. Und das hat weitreichende Auswirkungen auf den Immobilienmarkt, auch in Stuttgart. Die im vergangenen Jahr stark anwachsenden Hypothekenzinsen in Verbindung mit weiterhin steigenden Bau- sowie anhaltend hohen Energiekosten in Verbindung mit einer erheblich nachgebenden Konjunktur erschweren empfindlich den Traum vom Eigenheim für viele Kaufinteressenten.

 

„Der Rückenwind durch günstige Zinsen ist Geschichte, wenngleich Hypothekenzinsen um die drei bis vier Prozent im historischen Vergleich noch immer günstig sind – in den letzten 50 Jahren gab es bereits drei Phasen mit einem Zinsniveau von über zehn Prozent“, relativiert Stephan Kippes vom Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes Deutschland Süd (IVD). „Nicht zu unterschätzen ist hierbei, dass politische Unsicherheiten, wie fehlende klare gesetzliche Rahmenbedingungen, keine Konstanz, ebenfalls dazu beitragen, eine Kaufentscheidung aufzuschieben.“

Die Folgen dieser Kaufzurückhaltung: Die Immobilienpreise in der baden-württembergischen Landeshauptstadt sind im vergangenen halben Jahr erneut stark gesunken. Nach den am Montag veröffentlichten neuen Daten des IVD seien Wohnimmobilien mittlerweile weniger teuer als noch im Frühjahr des vergangenen Jahres. Es gibt immer weniger Kaufinteressenten.

Bei Neubauobjekten gehörten nun, so Stephan Kippes, vorrangig zahlungskräftige Senioren mit Eigenkapital zur Käufergruppe. Junge Familien hingegen hätten auf dem Neubaumarkt tendenziell das Nachsehen, weil diese Kundengruppe meist auf eine Fremdfinanzierung angewiesen sei.

Unverkäufliche Wohnungen

Das Interesse an Eigentumswohnungen sinke merklich, dafür wächst nach Angaben des IVD die Angebotsmenge an Kaufobjekten. Die Folge seien sinkende Preise. Sanierungsbedürftige, schlecht gelegene oder mit relativ leichten Mängeln behaftete Immobilien – Wohnungen ohne Balkon oder Aufzug im Mehrfamilienhaus – seien derzeit in Stuttgart praktisch unverkäuflich. Der Preisverlust liege sowohl für Bestandswohnungen wie auch für Neubauwohnungen bei 9,1 Prozent, bei frei stehenden Einfamilienhäusern noch etwas höher, nämlich bei 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Kehrseite dieser Medaille ist ähnlich unangenehm für alle Wohnungssuchenden, denn allmählich schlägt das Marktgesetz nun auch bei den Mieten durch. Hier beobachtet Stephan Kippes einen merklichen Preisanstieg im Vergleich zum Frühjahr 2023 in allen Segmenten: „Der verhaltenen Kaufbereitschaft steht eine deutlich steigende Nachfrage nach Mietwohnungen gegenüber.“

Laut IVD-Institut liegen die Monatsmieten im März 2024 in Stuttgart für Altbauwohnungen bei 16,10 Euro pro Quadratmeter, bei Bestandswohnungen bei 16 Euro, für Neubauwohnungen bei 17,40 Euro. Das ergibt eine Steigerung um rund vier Prozent zum Vorjahr. Von einer eventuell bevorstehenden Trendwende am Immobilienmarkt war nicht die Rede.