Die Betriebsräte im baden-württembergischen Maschinenbau – hier bei Voith – sind vielfach sehr unzufrieden mit der mangelnden Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Foto: dpa/Stefan Puchner

Die IG Metall Baden-Württemberg zeichnet ein teils düsteres Bild vom Maschinenbau im Land. Eine interne Umfrage sendet zahlreiche Alarmsignale aus. Manch ein Betriebsrat zeigt sich hochfrustriert.

Dass die IG Metall frühzeitig den Finger in die Wunde legen kann, hat sie schon öfter gezeigt. Nun wirft sie ein Schlaglicht auf den Maschinenbau, mit 317 000 Beschäftigten in gut 1500 Betrieben und vielen Weltmarktführern eines der wirtschaftlichen Standbeine der Industrie im Land.

 

„Der Maschinenbau steht unter Druck“, betont die Bezirksleiterin Barbara Resch auf einer Konferenz mit 150 betrieblichen Vertretern in Esslingen. „Dunkle Wolken“ seien aufgezogen, es drohe der Abbau von Beschäftigung. Vor allem fordert sie „Unternehmensstrategien, die nicht nur auf kurzfristige Gewinne, sondern auf eine langfristige Standort- und Beschäftigungssicherung abzielen“ – mithin Investitionen im Land und nicht im Ausland, weil die Gewerkschaft wie schon bei den Automobilzulieferern einen Verlust der Wertschöpfung befürchtet.

Die Skepsis überwiegt – Zuversicht schwindet

Nach einer Umfrage, an der sich 137 Betriebsräte beteiligten, verschlechtern sich die Aussichten deutlich. Für 2024 gehen 50 bis 60 Prozent der Befragten von sinkenden Gewinnen, Umsätzen, Auslastungen und Auftragseingängen aus – vor allem aber auch von geringeren Investitionen, was als Indiz für einen weiteren Niedergang in der Zukunft gewertet werden kann. Mit Blick auf das Jahr 2030 schätzen gar 39 Prozent die Zukunftsperspektiven ihrer Betriebe als (eher) schlecht ein – lediglich knapp ein Viertel blickt zuversichtlich nach vorne.

Von fast jedem zweiten Befragten (47 Prozent) wird ein Beschäftigungsabbau erwartet, nur jeder Fünfte setzt auf einen Aufbau in seinem Unternehmen. So fahren sechs von zehn Betrieben bei der Beschäftigung „auf Sicht“, weil das aktuelle Produktionsvolumen nur einen kleinen Teil der Belegschaften bis 2030 noch auslastet. In mehr als der Hälfte der Betriebe sind Verlagerungen geplant oder laufen bereits; 56 Prozent der Betriebe berichten von Abwanderung, vor allem nach Osteuropa und China.

„Verlust an Innovationsfähigkeit extrem beunruhigend“

Gründe sehen die Betriebsräte unter anderem in den geschrumpften Kompetenzen der Standorte: 44 Prozent geben an, dass sich die Qualifikationen der Beschäftigten verschlechtert hätten. 38 Prozent beobachten einen Verlust an Innovationsfähigkeit, was die IG Metall als „extrem beunruhigend“ empfindet. Denn Innovationen waren bisher die große Stärke der deutschen Industrie.

Dass die Gewerkschaft den eigenen Leuten unangenehme Wahrheiten nicht erspart, zeigt sich auch am Auftritt von Dietrich Birk. Der Geschäftsführer des Verbandes VDMA im Land warnt, dass das bisherige Beschäftigungsmodell mit einer Produktion in Deutschland und dem Export in alle Welt „in dieser Klarheit in Zukunft nicht mehr funktionieren wird“. Er sieht aber weniger das Risiko einer Verlagerungswelle in Richtung China oder USA – vielmehr könnte die Unternehmen verstärkt nach Osteuropa abwandern oder selbst in die Schweiz, wo ihnen ein „Mix unterschiedlicher Faktoren“ günstigere Bedingungen bietet als im Südwesten.

Welche Schuld haben die Manager?

Der IG-Metall-Umfrage zufolge sehen 54 Prozent der Betriebsräte die sinkende Qualität des Managements als eine Hauptursache des Abwärtstrends. Vor allem in kleineren Betrieben wird eine Strategie vermisst, wie der Standort gesichert werden kann. Das will Birk so nicht stehenlassen: In den mehrheitlich familiengeführten Unternehmen würden überwiegend die richtigen Entscheidungen getroffen, was auch ihre erfolgreiche Stellung in den Märkten zeige. Allerdings müssten sie bei den Innovationen stärker werden, mahnt auch er.

Nach Birk tritt der Betriebsratsvize von Voith in Heidenheim auf: Kevin Brzoza sieht sehr wohl Fehlleistungen der Manager: „Keine neuen Produkte, keine Innovationen, keine Investitionen“, stattdessen leer stehende Industriehallen, klagt er. Das Produzieren sei nur noch wenigen Standorten bundesweit vorbehalten. Die Perspektivlosigkeit wachse, „von Trendwende keine Spur“. Das „Knowhow“ werde ins Ausland „verschenkt“; in Deutschland entwickle sich Voith zu einem „Head of Engineering“. Wertschöpfung finde zunehmend in der Ferne statt.