Erfinder des Free Jazz: Ornette Coleman Foto: www.mauritius images /Alamy

„I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ heißt die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Untersucht werden die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Folge 10: Ornette Coleman. 

Stuttgart - „I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ heißt die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Untersucht werden die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Folge 10: Ornette Coleman. 

Ob der neue Weg, den Ornette Coleman eingeschlagen hat, den Jazz in eine Sackgasse geführt hat, ist eine bis heute diskutierte Frage. Sein Verdienst als Jazz-Pionier ­jedoch ist unbestritten. Wie viele Saxofo­nisten hat der 1930 in Fort Worth, Texas, ­geborene Afroamerikaner als Vierzehnjähriger mit dem etwas leichter zu erlernenden Alt angefangen, bevor zum Tenor gewechselt ist. Später kamen dann die Trompete, die Geige, das Klavier und vor allem das Komponieren dazu.

Tags arbeitete der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Coleman als Liftboy, nachts studierte er Harmonielehre und entwickelte einen noch nie dagewesenen, quasi atonalen Jazzstil auf der Grundlage eines vorwärts drängenden Rhythmus: den Free Jazz. Der bedeutete den radikalen Bruch mit allen Traditionen.

Anerkannte Musiker und Modernisten wie Don Cherry wurden auf den jungen Mann aufmerksam und holten ihn in die Band von Paul Bley. Später spielte Coleman auf einem weißen Plastiksaxofon in der New Yorker Formation Five Spot, die bewundert und verhöhnt wird. Es gipfelt im Satz: „Das ist keine Musik.“ Man schreibt 1959. Dieses Jahr, als Billie Holiday und Lester Young sterben, gilt als das kreativste in der gesamten Jazzgeschichte. Es entstehen der modale Jazz, der Third Stream und eben auch der Free Jazz.

Coleman nannte ein Album siegesgewiss „The Shape of Jazz to Come“

Miles Davis veröffentlicht „Kind of Blue“, John Coltrane „Giant Steps“, Dave Brubeck „Time Out“, und Coleman nennt sein Album siegesgewiss „The Shape of Jazz to Come“. Darauf findet sich auch die bluesgetönte Ballade „Lonely Woman“, die zu einem Jazzstandard geworden ist. Mit diesem ­Album inspirieren Ornette Coleman, Don Cherry, Charlie Haden und Billy Higgins Modernisten wie Archie Shepp, Albert Ayler, Cecil Taylor, Eric Dolphy und später – ­nomen est omen – den Holzbläser John Zorn und seine Band „Naked City“.

Der Free Jazz zog auch Trittbrettfahrer an, die mit ihrem Getute und Gehupe bloß zerstören wollten, ohne ihre Instrumente auch nur ansatzweise zu beherrschen. Eine kleine Anekdote am Rand: Als Ornette Coleman 1961 für einen Auftritt mit dem Plakat „Free Jazz Concert“ warb, kamen auffällig viele Besucher. Sie hatten angenommen, der Eintritt sei frei.

Alles rund um die ­„I  Got Rhythm“-Schau, Hörbeispiele, ­Videoclips und alle Folgen unserer Serie sammeln wir auf: www.stn.de/igotrhythm

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