Klaus Hillius, Beate Bitterlich-Zink und Gerda Schmid leisten in der letzten Lebensphase Beistand und spenden Trost. Foto: Roberto Bulgrin Foto:  

Unterstützung und Entlastung für Sterbende und deren Angehörige leistet in Teilen des Landkreises Esslingen eine ambulante Hospizgruppe mit Sitz in Deizisau. Eine Angehörige einer derzeitigen Begleitung berichtet von ihrer Erfahrung mit den Ehrenamtlichen.

Die Frage, was nach dem Tod passiert, beschäftigt viele. Vor allem die, die unheilbar krank sind oder einen Angehörigen haben, der im Sterben liegt. Obwohl es unmöglich ist, darauf eine verbindliche Antwort zu geben, sind Menschen, die Sterbende in ihren letzten Momenten im Hospiz begleiten, daran gewöhnt, Trost zu spenden. Das gilt auch für die Ehrenamtlichen im Kreis Esslingen.

Von solchen Helferinnen und Helfern getragen ist die „Hospizgruppe Deizisau und Altbach mit Johanniterstift Plochingen“. Sie begleitet Schwerkranke, Sterbende und Angehörige in deren eigenen vier Wänden, bieten Halt und Sicherheit.

Aktuell hilft die Hospizgruppe vier Familien, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 42. Die längste Begleitung dauerte anderthalb Jahre an, meist handelt es sich aber um Wochen, Tage oder auch nur Stunden. Besserung komme zwar auch vor, jeder Krankheits- und Sterbeprozess sei jedoch individuell, ein genauer Todeszeitpunkt sei selten absehbar.

Hospizdienst leistet Angehörigen Trost

„Wir sprechen mit Angehörigen ab, wie die Begleitung verlaufen soll, und wechseln uns mit ihnen ab oder leisten Beistand“, berichtet Beate Bitterlich-Zink, eine der Einsatzleiterinnen der Hospizgruppe. Viele Sterbende nehmen die Helfer eher als Besucher und nicht als Sterbebegleitung wahr. Die ehrenamtlichen Helfer führen keine medizinischen Eingriffe durch, sondern unterstützen mit einem offenen Ohr und viel Zeit. Eine Frage, die laut der Einsatzleiterin Gerda Schmid gegen Ende bei fast jedem Patienten aufkommt, ist die Frage, was nach dem Tod passiere. „Ich beruhige und sage jedem Patienten, was ich glaube, und das wird dann auch meistens akzeptiert“, erklärt Schmid.

39 Ehrenamtliche, größtenteils Nicht-Berufstätige, helfen derzeit in der Hospizgruppe. Um als Sterbebegleitung arbeiten zu können, schließen Freiwillige einen Befähigungskurs ab und besuchen regelmäßige Schulungen. „In den Fortbildungen lernen die Teilnehmenden, sich in die Lage der Sterbenden und Angehörigen zu versetzen und wie man in den Trauerphasen Trost schenken kann“, berichtet Klaus Hillius, der Koordinator der Hospizgruppe.

„Ich kann mitleiden, aber darf das Leid der anderen nicht zu meinem Leiden machen“, sagt Gerda Schmid. Offenheit, Spontaneität und Empathie wird bei den Mitarbeitenden gesucht, und sie sieht die Fähigkeit als Geschenk: „Es ist eine Gabe, die man entweder hat oder nicht hat. Angehörige spüren schnell, ob man aufrichtig bei der Sache ist.“

Angehörige ist dankbar entlastet zu werden

Eine Frau, die wegen der persönlich belastenden Situation ihren Namen nicht veröffentlichen will, steht seit sechs Wochen in Kontakt mit der Hospizgruppe. Sie kümmerte sich allein um ihren Mann und erhält jetzt Unterstützung durch die Ehrenamtlichen: „Beim Hospiz trifft man immer auf Verständnis.“ Ihr Mann leidet seit fünf Jahren an Prostatakrebs, durch die medikamentöse Behandlung und die starken Schmerzen gehe es ihm permanent schlecht. Nach mehrfacher Bestrahlung möchte er nun nicht mehr ins Krankenhaus. „Wenn ich etwas zu erledigen habe, rufe ich beim Hospiz an und muss mir keine Sorgen machen, da dann immer jemand kommt, der nach meinem Mann guckt“, berichtet die Frau. Besucher sind ihm mittlerweile zu viel, die Besuche des Hospizes aber seien stets willkommen.

„Ich kann nur sagen, dass ich die ganze Sache positiv sehe. Wir sind vorbereitet, obwohl man nicht wahrhaben möchte, dass das Ende nah ist. Wenn es dazu kommt, ist es nie der richtige Zeitpunkt“, sagt die Frau. Der Tod sei zwischen ihr und ihrem Mann ein schwieriges Thema, das oft vermieden werde. „Mein einziger Wunsch ist, dass es für ihn nicht qualvoll ist. Es ist so schwer, seinen Schmerz mit anzusehen.“

Gerda Schmid kommt auf Abruf sofort vorbei. Sie gibt Ratschläge und unterhält sich so gut es geht mit dem Kranken, selbst wenn dieser seine Worte nicht immer finden kann. Sie sei sehr froh über den Halt, den ihr der Dienst gebe, sagt die Ehefrau: „Wenn ich eine Pause brauche, selbst wenn es nur ein Spaziergang ist, gibt mir die Unterstützung der Hospizgruppe ein gutes und sicheres Gefühl. Ich bin ihnen dafür sehr dankbar.“

Raum für kurzfristige Unterbringung

Akutzimmer
Für Notsituationen bietet die Hospizgruppe je ein Zimmer in den Pflegeheimen Seniorenzentrum in Altbach und im Palmscher Garten in Deizisau an. Hier können Schwerkranke und Sterbende aufgenommen werden, wenn die Pflege zuhause oder bei einem Angehörigen zeitweise nicht möglich ist oder ein Bereich zur Überbrückung vor einem stationären Hospiz- oder Krankenhausaufenthalt benötigt wird. Händeringend werde bei Hillius für einen Platz in einem Akutzimmer angerufen, daher schmerzt es die Mitarbeiter sehr, Patienten in Not ablehnen zu müssen: „Die Zimmer sind so gut wie nie frei und eine Reservierung ist leider nicht möglich“, sagt Hillius.

Ursprünge
Jeder soll bis zum letzten Atemzug wertgeschätzt und als Mensch gesehen werden. Diese Vorstellung verfolgte Cicely Saunders als Begründerin der modernen Hospizbewegung. Sie legte eine Pause in ihrem Philosophie-, Ökonomie- und Politikstudium ein, um sich während des Zweiten Weltkrieges zur Krankenschwester ausbilden zu lassen. Bei ihrer Arbeit im Krankenhaus kam sie bei der Begleitung eines sterbenden Patienten zu dem Entschluss ein Hospiz zu eröffnen. Nach einem Medizinstudium konnte sie 1967 das erste Hospiz, das St. Christopher’s Hospice in London, eröffnen. Sie starb 2005 im Alter von 87 Jahren in dem von ihr eröffneten Hospiz. Aus England kam in den 80er Jahren die Idee nach Deutschland. Nach dem Vorbild ihres St. Christopher Hospizes entstanden weltweit über 8000 Hospize.