Fast jeder zweite Artikel geht zurück – und das meist kostenlos. Die großen Online-Modehändler haben Retouren zum Volkssport gemacht, meint Daniel Gräfe. Doch es geht auch anders.
Der Onlinehandel bekommt das Problem mit den Retouren nicht in den Griff: Im Schnitt wird noch immer fast jeder zehnte Artikel wieder zurückgeschickt. Das verursacht nicht nur hohe Kosten für Verpackung und Transport und um die Waren zu sichten und zu prüfen. Vor allem belastet es die Umwelt.
Man sollte das Internetshopping deswegen nicht pauschal verdammen, denn in vielen Bereichen funktioniert es gut. Wer ein Buch oder Brettspiel bestellt oder nachkauft, was er schon kennt, schickt selten etwas zurück. Der Sündenfall ist und bleibt das Geschäft mit der Kleidung. Im Schnitt geht hier bis zu jede zweite Bestellung wieder zurück. Damit ist im Online-Modehandel die Retourenquote nicht nur mit Abstand am höchsten – Kleidung und Schuhe machen auch den weitaus größten Anteil aller Retouren aus.
Der Retouren-Wahnsinn ist systemimmanent
Dass Kleid oder Hose in zwei Größen bestellt werden, damit das Stück auch passt, ist meist die Regel. Manche bestellen Artikel in verschiedenen Farben und schicken doch alles zurück, weil der Schnitt nicht gefällt oder der Stoff sich anders anfühlt als gedacht. Der Retourenwahnsinn ist hier mit eingeplant. Auch genaue Beschreibungen und Bebilderungen, virtualisierte Anziehhilfen oder Nutzerkommentar haben kaum Abhilfe geschafft.
Gerade Online-Giganten wie Amazon und Zalando befeuern den Trend: Kostenlose Rücksendungen sorgen für mehr Bestellungen und für mehr Provisionen der Händler, die auf ihren Plattformen verkaufen und sich meist ebenfalls der Retourenpolitik fügen. Nur wenige wagen es, die Kunden an den Retourenkosten zu beteiligen. Auch deshalb sehen viele Verbraucher keinen Grund, sich über das Ausmaß ihrer Bestellungen Gedanken zu machen.
Im Sinne des Umweltschutzes wäre es aber allemal sinnvoller, sie würden sich genauer überlegen, was zu ihnen passen könnte. Oder ob die Anprobe im Geschäft vor Ort nicht doch die bessere und effizientere Wahl wäre. Das sorgt nicht nur für etwas Bewegung, sondern belebt auch die Innenstädte.