Hochschule Ludwigsburg bringt Schüler auf Bauernhöfe „Zehn Cent für ein Ei sind zu wenig“

Von Patricia Elsner 

Frank Rösch, Dozent an der PH Ludwigsburg Foto: privat
Frank Rösch, Dozent an der PH Ludwigsburg Foto: privat

Raus aus dem Klassenzimmer, rein in den Bauernhof: Mit einem Projekt für fünfte bis neunte Klassen will die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg Schülern nachhaltigen Konsum näher bringen – und Kooperationen zwischen Biologielehrern und Landwirten fördern.

Ludwigsburg - Kaufe ich lieber das günstigste Ei oder Bio, aus Bodenhaltung oder Freiland? Mit einem Projekt der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg, der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft Kupferzell (ALH) und dem Bauernverband Schwäbisch Hall soll Schülern die Entscheidung bewusst gemacht werden – indem sie etwas über Legehennen und deren Haltung erfahren. Einer der Initiatoren ist Frank Rösch, Dozent für Biologie an der PH Ludwigsburg.

Herr Rösch, was ist das für ein Projekt, das Sie mit Ihren Studenten realisieren?
Die Idee heißt „Landwirtschaft macht Schule“. In Kooperation mit der ALH und dem Bauernverband haben wir ein Konzept erstellt, mit dem Schüler im Biologieunterricht und auf einem Bauernhof etwas über die Landwirtschaft und über bestimmte Nutztiere erfahren. In diesem Jahr sind das Legehennen.
Und wie sieht das konkret aus?
Die Schüler, in diesem Jahr ist es eine sechste Realschulkasse aus Öhringen, befassen sich in sechs Schulstunden vor dem Besuch des Bauernhofs mit der Legehenne. Sie besprechen im Biologieunterricht, wie sie anatomisch aufgebaut ist, welche Arten der Haltung es gibt und was die Stempelungen auf den Eiern bedeuten. Das kann mit einer praktischen Aufgabe verbunden werden. Zum Beispiel, dass die Kinder einen Kuchen backen und dafür Eier einkaufen. Dabei lernen sie, dass das Thema sehr viel mit ihrem Leben zu tun hat. Auf dem Bauernhof schlüpfen die Schüler dann in die Rolle der Landwirte und sollen etwa die Eier waschen, sortieren und stempeln. Außerdem dürfen sie die Landwirtin befragen. Zurück in der Schule besprechen die Schüler das Thema noch einmal mit ihrem Lehrer und reflektieren darüber.
Wie sieht Ihre Vorbereitung mit den Studenten aus?
Im Vorfeld haben wir uns Gedanken darüber gemacht, welches Thema wir in diesem Jahr bearbeiten wollen. Und dann haben wir den Kontakt zu einem entsprechenden landwirtschaftlichen Betrieb hergestellt. Die Studenten erstellen die Unterlagen für den Theorieunterricht und sind bei dem Besuch vor Ort dabei. Am Ende des Semesters schreiben die Studenten eine Handreichung für Lehrkräfte, welche unter dem Stichwort „Lernort Bauernhof“ steht.
Was wollen Sie erreichen?
Schüler sind heute Konsumenten und die Entscheider von morgen. Wir wollen ihnen die Zusammenhänge zwischen ihrem Konsum und der landwirtschaftlichen Produktion näher bringen, sie für nachhaltigen Konsum sensibilisieren und aufzeigen, was es bedeutet, wenn am Ende ein Ei nur zehn Cent kostet.
Was bedeutet es denn?
Wenn man sich mal anschaut, wie viel Aufwand hinter der Produktion von einem Ei steckt, wird schnell klar, dass zehn Cent wohl etwas zu wenig sind.
Zu welchen Tieren gab es das Projekt noch?
2014 haben wir das erstmals umgesetzt. In diesem Jahr gehen wir in die vierte Runde. Davor hatten wir Projekte zu Milchvieh, Schweinen und Putenhaltung.
Welchen Grund haben die anderen Beteiligten, dabei mitzumachen?
Für die Junglandwirte aus Kupferzell und die besuchten Bauernhöfe ist es eine tolle Öffentlichkeitsarbeit. Für die angehenden Lehrer ist es eine Bereicherung, mit anderen Berufsgruppen zu kooperieren. Außerdem wollen wir an der PH Impulse zur Schulentwicklung setzen.

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