Henkersfest in Stuttgart Vier Tage Party auf dem ehemaligen Richtplatz

Von Julia Bosch 

Früher war es der Platz, an dem Menschen gehängt werden – heute wird dort gefeiert. Von Mittwoch bis Samstag stand das 24. Henkersfest am Wilhelmsplatz in Stuttgart-Mitte an. Wir haben die Bilder.

S-Mitte - Luis Ringhofer ist froh über die Hitze: „Lieber haben wir 38 Grad als Regen – so wie vergangenes Wochenende beim Bohnenviertelfest.“ Der Student ist noch relativ neu in der Festle-Szene. Gemeinsam mit seinem Bruder und Freunden betreibt Luis Ringhofer seit 2016 eine mobile Holzbar, die Stiege 4. Die jungen Leute verkaufen selbst gemachte Limonaden mit Sirup, den sie im Vorhinein kochen. In den Getränken ist jede Menge Eis – den Besuchern auf dem Henkersfest ist das gerade recht. Die Abkühlung kommt gelegen.

„Ich fand das Konzept der jungen Menschen super“, sagt der Veranstalter des Henkerfests, Michael Helmstädter. „Normalerweise vergebe ich nicht so einfach neue Stände, aber ich finde es gut, dass die Getränke selbst gemacht sind. Mir ist es wichtig, dass das Henkersfest seine Individualität beibehält.“ Helmstädter hat vor 24 Jahren das Henkersfest erfunden: „Damals erhielt ich viel Prügel für den Namen. Aber der Wilhelmsplatz war eben früher der Richtplatz der Stadt und ich wollte nicht irgendeinen Namen ohne Bezug zu dem Platz erfinden.“

„Das Henkersfest ist nicht hip und nicht edel“

Generell will der Gastronom kein „weißes, geschlecktes Fest“ wie etwa das Sommerfest, das am kommenden Wochenende ansteht. „Das Henkersfest ist ein völlig entspanntes Fest. Es ist nicht hip, nicht edel – sondern dort trifft man Freunde.“ Aus diesem Grund kämen zum Henkersfest auch vorrangig Menschen, die in der näheren Umgebung wohnen. „Bei uns gibt es auch nie Probleme mit Menschen, die mit eigenem Bier ankommen und sich besaufen. Die Polizei ist immer ganz zufrieden.“

Tatsächlich ging es zwischen Mittwoch und Samstag höchst entspannt auf dem Wilhelmsplatz zu. Junge Menschen, Familien mit Kindern, ältere Menschen: Sie alle kamen, um auf dem ehemaligen Richtplatz etwas zu essen, zu trinken und den verschiedenen Bands zuzuhören. Und während man nachmittags und am frühen Abend noch problemlos einen Sitzplatz vor der Bühne und auf den Bierbänken fand, wurde das Durchkommen an den Abenden zunehmend schwieriger. „Dafür dass es so heiß ist, können wir uns nicht beschweren“, sagt Nicole Siekerman von Blub Stuttgart. An ihrem Stand bekommt man Eis in heißen Bubble-Wrap-Waffeln. „Wir waren letztes Jahr zum ersten Mal auf dem Henkersfest, da war es nicht ganz so heiß. Aber wir sind auch dieses Mal ganz zufrieden.“

Ansprechpartner
Martin Haar
s-mitte@stz.zgs.de

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