Loriots rotes Sofa tourt 100 Tage durch das Haus der Geschichte. Foto: Lichtgut/L/eif Piechowski

Wem es einstmals gehört hat, liegt im Dunkel. Doch erwiesen ist, auf dem roten Sofa sitzend begann die Karriere von Victor von Bülow, bekannt als Loriot. Nun ist es museumsreif, tourt durch das Haus der Geschichte, und hin und wieder dürfen wir unsere gewöhnlichen Hinterteile darauf parken.

Aristokratisch vermochte er zu sitzen. Den Rücken gerade, den Blick in die Kamera. Jeder Zoll ein Adeliger. Der er ja war. Jahrhundertelang reüssierten die von Bülows aus Mecklenburg als Offiziere, Beamte und Politiker. Einmal war ihnen ein Pianist untergekommen. Und dann halt Victor, der „als er nach 20 Lehrjahren imstande war, ein kleines Männchen zu zeichnen,“ sich Loriot nannte, französisch für Pirol, der Wappenvogel derer von Bülows.

 

Auf den Hund gekommen

Doch als er erstmals 1967 für den Süddeutschen Rundfunk auf dem roten Sofa Platz nahm, da waren die Bundesdeutschen noch nicht in Liebe zu Loriot entflammt. Ganz im Gegenteil. Beim „Stern“ war er rausgeflogen, weil die Leser seine Zeichnungen für die Serie „Auf den Hund gekommen“ so „beschämend und abscheulich“ fanden. Mit Hunden versteht der Deutsche keinen Spaß.

Mit „Cartoon“ auf den Fernsehschirm

Nun gab es beim SDR den Engländer Timothy Moore, der aus seiner Heimat die Idee geklaut hatte, Sketche im Fernsehen zu zeigen. Und wer wäre besser dafür geeignet gewesen, als Loriot mit seinen Männchen mit Knollennase, Schmollmund und Stresemann? Knapp acht Millionen Menschen sahen bei „Cartoon“ zu. Irgendwann tauchte Loriot selbst auf, sitzend auf dem roten Sofa. Wo das Fauteuil herkam, weiß niemand mehr zu erzählen. „Es war plötzlich da“, erinnerte sich Moore vor acht Jahren, als das Sofa aus dem Fundus des SWR ins Haus der Geschichte kam.

Ab nach Bremen

Er lüftete dabei auch das Geheimnis von Loriots geradem Rücken. Das Polster hat nämlich schon bessere Zeiten gesehen: „Entweder man hängt da wie ein Sack Kartoffeln drin, oder man rückt an die Kante und drückt das Kreuz durch.“ Bis 1972 drückte Loriot das Kreuz durch, dann ging der verantwortliche Redakteur Dieter Ertel nach Bremen und nahm Loriot mit, der fortan auf einem grünen Sofa saß.

Loriot, ein Stuttgarter

Das rote Sofa blieb in Stuttgart. In jener Stadt, in der Loriot einige Jahre gelebt hat. Geboren 1923, wuchs er in Berlin auf. Sein Vater, ein Polizeimajor, wurde 1938 in die Heimat seiner früh verstorbenen ersten Frau Charlotte versetzt. Die Familie wohnt am Eugensplatz, wo heute eine Mops-Statue vom berühmten Bewohner kündet. Loriot geht es auf Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, entdeckt sein Talent als Mime. Als Statist trägt er den Feldherrn Radames auf die Opernbühne, 1940 hat er in dem Film „Friedrich Schiller – Triumph eines Genies“ seine erste Filmrolle. 1941 macht er sein Notabitur, muss an die Ostfront. Als Oberleutnant kehrt er zurück, wenig erzählt er später zu dieser Zeit. In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ lüftet er ganz kurz den Vorhang und sprach „von der Hand eines toten Kameraden, die ihn im verschütteten Graben beim Schlaf gestört hatte und von der beschämenden Erkenntnis, „das Grauen des Krieges hingenommen und eingeordnet zu haben“.

Erst Holzfäller, dann Humorist

Er hatte überlebt. Und war glücklich damit. Er arbeitete ohne großen Ehrgeiz als Holzfäller. Bis der Vater Tacheles redete, ihm sagte, Abitur sei kein Beruf, Holzfäller gebe es genug, und er solle seine Talente nutzen. Also studierte Loriot in Hamburg an der Landeskunstschule. Und zeichnete. Knollennasen, Möpse, Steinläuse, einen eigenen Kosmos. Zu denen gesellten sich die Hoppenstedts, Lindemann, Müller-Lüdenscheids.

2011 starb Loriot mit 87 Jahren. Als Mann, der bewies, dass Deutsche doch Humor haben. Sogar einen feinsinnigen. Dieses Jahr am 12. November wäre er 100 geworden. Deshalb wird das Sofa nun 100 Tage durchs Haus der Geschichte touren. Hin und wieder werden Späßemacher darauf thronen und Witze reißen. An manchen Tagen darf für eine Stunde auch der gewöhnliche Besucher Platz nehmen. Und versuchen, zu sitzen wie ein Aristokrat. Wie Loriot.

Loriots Sofa

Selfie auf dem Sofa
An einem Sonntag pro Monat heißt es eine Stunde lang „Sofa frei“. Dann darf jeder auf dem Sofa Platz nehmen und sich dabei fotografieren lassen. Am 30. Juli, 14 bis 15 Uhr steht das Selfie-Sofa als Fotomotiv im Museumsfoyer. Am 20. August von 14 bis 15 Uhr als Fotomotiv im Kaiserreich. Und am 17. September von 14 bis 15 Uhr als Fotomotiv im Schwarzwald.

Comedian
Am 27. Juli um 18.30 Uhr ist Dodokay auf der Couch zu sehen, der Eintritt ist frei.