Absoluter Leistungsträger bei den Rhein-Neckar Löwen: Kim Eckdahl du Rietz (Mi.) Foto: dpa

Er spricht fünf Sprachen, er studiert Psychologie, Statussymbole sind ihm unwichtig: Kim Ekdahl du Rietz war schon immer der etwas andere Handballer. Nun will er am Saisonende aus seinem Vertrag aussteigen, um auf Weltreise zu gehen. Mit 27 Jahren.

Mannheim - Magnus Andersson kann sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. Der schwedische Trainer von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingenverfolgt die Karriere seines Landsmannes Kim Ekdahl du Rietz seit der mit 16 Jahren in der schwedischen ersten Liga bei Lugi HF sein Debüt feierte „Man muss Respekt haben vor der Entscheidung des Jungen, er hat eben viele Talente, nicht nur im Handball“, sagt Andersson.

Kim Ekdahl du Rietz spricht fünf Sprachen, er liebt es, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen, vor kurzem machte er den Segelschein. Er studiert Psychologie, Statussymbole sind ihm unwichtig. Er wohnt mit seiner Freundin in einer Art Studentenbude in der Heidelberger Altstadt, statt wie viele seiner Kollegen mit einer teuren Nobelkarosse unterwegs zu sein, fährt er lieber einen Suzuki-Kleinwagen. -

„Wir alle wissen, was Kim für ein Mensch ist. Deswegen war uns klar, dass so etwas passieren kann. Bei unserem letzten Gespräch habe ich schon gemerkt, dass er es ernst meint“, sagte Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Rhein-Neckar Löwen, dem „Mannheimer Morgen“. Ernst meinen heißt in diesem Fall: Auf Weltreise gehen und die Handballschuhe zumindest vorerst an den Nagel zu hängen. Das Rückraumass ist jedenfalls mit dem Wunsch an den deutschen Meister herangetreten, aus seinem bis 30. Juni 2018 laufenden Vertrag bereits zum Ende der der laufenden Saison auszusteigen. Eine im Kontakt verankerte Option verschafft ihm diese Möglichkeit. In diesem Fall müsste allerdings Geld fließen. Und da der Rechtshänder ja zu keinem anderen Verein wechseln möchte, der eine Ablösesumme für ihn bezahlt, müsste er sich womöglich selbst aus seinem Vertrag kaufen. Insider halten dies für keineswegs unwahrscheinlich.

Donnerstag Champions-League-Spiel gegen Zagreb

Du Rietz ist in diesen Tagen auf Tauchstation gegangen. Für eine Stellungnahme ist er nicht zu erreichen. An diesem Donnerstag 18.15 Uhr/Sky) im Champions-League-Heimspiel in der Frankfurter Fraport-Arena gegen den kroatischen Titelträger RK Zagreb wird er im Fokus stehen. Und sich wohl auch zu seiner Zukunft äußern müssen. Das tat er in früheren Zeiten meistens recht offen, ganz seiner authentischen Persönlichkeit entsprechend. Handball sei nicht sein Leben, er spiele es nicht aus reiner Leidenschaft, sondern vor allem deshalb, weil er es einfach besser kann als viele andere.

Es passt ins Bild, dass 1,94-m-Mann seine Karriere in der schwedischen Nationalmannschaft vor 25 Monaten im Alter von 25 Jahren beendete. Nach 75 Länderspielen. Mit dem Höhepunkt Olympiasilber in London 2012. „Das war sicherlich eine meiner schwierigsten, aber eben auch eine meiner besten Entscheidungen“, sagte er vor einem Jahr, als er den Rücktritt mit ein bisschen Abstand bewerten sollte. Zumal auch seine Kniebeschwerden durch die geringere Belastung nachließen. „Es ging darum, die richtige Balance zwischen Sport und meinem restlichen Leben zu finden“, erklärte Du Rietz.

Fäth und Kühn als mögliche Nachfolger im Gespräch

Seinem inneren Gleichgewicht tut nun offenbar eine Reise um die Welt gut. Es sind keine Profisportler bekannt, die deshalb ihre Karriere beendeten oder unterbrachen. Schwimm-Legende Mark Spitze hörte 1972 im Alter von 22 Jahren auf, um sich selbst zu vermarkten. Martina Hingis verspürte mit Mitte 20 keine Lust mehr auf Tennis. Und es gab auch Nationalspieler, die noch keine 30 waren und dem Fußball servus sagten: Sebastian Deisler aus psychischen Gründen, David Odonkor wegen Verletzungen, Tobias Rau, weil er lieber Lehrer werden sollte. Aber wegen einer Weltreise . . . „Wir respektieren seinen Wunsch, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass er zumindest bis 2018 bleibt“, sagt Roggisch das, was er sagen muss. Hinter den Kulissen laufen längst die Drähte heiß, in Sachen Nachfolge-Suche. Steffen Fäth (Füchse Berlin) und Julius Kühn (VfL Gummersbach) heißen die Wunsch-Kandidaten. Doch die Verträge beider Nationalspieler bei ihren Vereinen enden erst 2018. Wer auch immer kommen wird, es wird schwer du Rietz zu ersetzen: „Er ist ein absoluter Ausnahmespieler. Als Handballfreak tut es mir leid, dass er sich so entschieden hat “, sagt sein Landsmann Magnus Andersson. Doch in seinem verschmitzten Lächeln schwingt der Respekt vor dem Menschen Kim Ekdahl du Rietz mit.

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