Meisterjubel bei den Löwen: Teammanager Olli Roggisch, Trainer Nicolaj Jacobsen, Linkshänder Alexander Pettersson Foto: dpa

Die Meisterschaft der Rhein-Neckar Löwen hält unser Redakteur Jürgen Frey für völlig verdient. Sie tut der Ausgewogenheit der Liga gut und untermauert, dass der Süden immer mehr aufholt.

Mannheim - Weltklasse-Torwart Niklas Landin? Abgeworben vom schärfsten Rivalen THW Kiel. Weltklasse-Kreisläufer Bjarte Myrhol? Abschied aus familiären Gründen. Zwei absolute Top-Leute hatten die Rhein-Neckar Löwen vergangenen Sommer verlassen. Die Badener waren deshalb als klarer Außenseiter ins Bundesliga-Titelrennen gestartet. Dass sie nun die Konkurrenz aus dem Norden nicht nur stark in Bedrängnis brachten, sondern dem THW Kiel auch den Titel abluchsten, ist eine Riesenleistung, die höchsten Respekt verdient.

Trainer Jacobsen holt das Optimale heraus

Vor allem deshalb, weil diese erste deutsche Meisterschaft der Clubgeschichte völlig verdient war. Trainer Nicolaj Jacobsen ist es in seinem zweiten Jahr gelungen, das Optimale aus den vorhandenen Möglichkeiten herauszuholen. Andere Spitzenteams hatten einen höheren Etat, einen breiteren Kader – Jacobsen kompensierte dies mit einer klugen Wechselstrategie und der Konzentration aufs Wesentliche. Wieder einmal bewahrheitete sich die Weisheit: „defense wins championships“. Die Löwen kassierten mit ihrem überragenden Abwehrchef Gedeon Guardiola die mit Abstand wenigsten Gegentore. Vorne beeindruckte die zweite Leitfigur im Team, Spielmacher Andy Schmid.

Letzte Meisterschaft holte Frisch Auf 1972 nach Baden-Württemberg

Der Erfolg der Löwen tut auch der Ausgewogenheit in der Liga gut. Zehn der vergangenen elf Meisterschaften waren an den THW Kiel gegangen, unterbrochen nur vom Titelgewinn des HSV Hamburg 2004. Die erste deutsche Handball-Meisterschaft nach dem Triumph von Frisch Auf Göppingen 1972 für einen baden-württembergischen Club untermauert die These: Das Nord-Süd-Gefälle war einmal.

juergen.frey@stzn.de

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