Auch der 2001 eröffnete Anbau entspricht nicht aktuellen Anforderungen. Foto: factum/Weise

Der Bildungsplan erzwingt eine Schulsanierung. Dafür sind fünf Millionen Euro veranschlagt.

Herrenberg - Mangelnde Sorgfalt lässt sich dem Architekten Uwe Schulz schwerlich vorwerfen. In den Vorschlägen zur Runderneuerung des Andreae-Gymnasiums ist sogar vermerkt, dass Lampen mit LED-Licht und Türen mit Knäufen zu bestücken sind. Wohlgemerkt hat Schulz keinen fertigen Plan ausgearbeitet, sondern lediglich eine Grobstudie. Auf deren letzter Seite, gleichsam als Schlussgong, steht unten rechts eine Zahl: 4,78 Millionen Euro. „Da ist man sprachlos“, sagt der CDU-Stadtrat Hermann Horrer.

Der Preis ist nahe an dem für einen Neubau, „aber eben nur nahe dran“, sagt der Baubürgermeister Tobias Meigel. Umbau und Sanierung seien „unter dem Strich schon noch günstiger“. Wohlgemerkt soll mit jenen knapp fünf Millionen Euro nicht das gesamte Schulhaus saniert werden, obwohl dies dringend nötig wäre, sondern nur der Teil für die naturwissenschaftlich-technischen Fächer. Die Räume für physikalische oder chemische Experimente erfüllen die Anforderungen des neuen Bildungsplans nicht annähernd, weder in ihrer Zahl noch in ihrer Größe oder Ausstattung. Dies gilt auch für einen Anbau des Andreae-Gymnasiums, der erst 17 Jahre alt ist. Der Gesetzgeber erzwingt auch dessen Umbau. Die älteren Teile des Schulhauses stammen aus den 1970er Jahren.

Der Architekt will nicht einmal das Gebäudegerippe stehen lassen

Von den entsprechenden Gebäudeteilen will Schulz nicht einmal mehr ein vollständiges Gerippe stehen lassen. Um Platz zu gewinnen, will der Architekt die Fassade versetzen. Da die Arbeit ohnehin umfangreich ist, schlägt er vor, die komplette Technik zu erneuern, die Außenwände zu dämmen und auch gleich das Dach neu einzudecken. „Ich habe zum Totalumbau tatsächlich keine Alternative“, sagt Schulz.

Diesen Satz mögen ihm Stadträte jeglicher politischer Färbung aber nicht glauben, allen voran der Sozialdemokrat Bodo Philipsen. Das Problem mangelhafter Experimentierräume hat die Stadt Herrenberg selbstredend nicht allein. „Ich begleite seit vielen Jahren die Sanierung naturwissenschaftlicher Räume in Sindelfingen“, sagt Philipsen. Höchstens 160 000 Euro pro Klassenzimmer bezahle die Stadt Sindelfingen für die Umrüstung. Zu der Kalkulation für das Andreae-Gymnasium „ist das ein Delta, das sich gar nicht mehr erfassen lässt“, sagt der Sozialdemokrat. Nicht nur deswegen zweifelt er an der Arbeit des Architekten. Seiner Auffassung nach müssten sich die Vorgaben auf 1500 Quadratmeter Fläche erfüllen lassen. Schulz rechnet mit 400 Quadratmeter mehr.

Die Wünsche der Lehrer werden wohl nicht erfüllt

Der Architekt hat in seinen Plänen neben Richtlinien auch die Wünsche der Schulleitung und der Fachlehrer berücksichtigt. Die endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, gemessen an der Vorberatung im Gemeinderatsausschuss werden sich jene Wünsche allerdings nicht erfüllen. „Dies ist sicherlich die optimale Lösung“, sagt Thomas Deines für die Freien Wähler, „aber die Alternative fehlt völlig.“ Diese Alternative fordern sämtliche Fraktionen, und deren Kalkulation soll mit einer deutlich niedrigeren Summe enden.

Womit ein guter Teil der 1000 Andreae-Gymnasiasten bereits das Abitur haben wird, wenn die modernen Klassenzimmer eröffnet sind. Schon nach Schulzens Vorhersage hätten die Bauarbeiten frühestens im April 2019 beginnen können und wären erst im Oktober 2020 beendet worden. Nun müssen vor dem ersten Spatenstich noch andere Meinungen eingeholt werden.

Einen Teilbetrag wird der Gemeinderat womöglich vorab genehmigen. 600 000 Euro hat Schulz für reine Reparaturen veranschlagt: Fenster sind undicht, Sonnenrollos defekt, Toiletten marode.

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