Die meisten Kassen planen keine höheren Zusatzbeiträge. Foto: dpa

Gute Nachrichten für Kassenpatienten: Die Versicherer stehen finanziell gut da, weil die Ausgaben bei hohen Einnahmen nur moderat steigen.

Stuttgart - Bis spätestens zum Jahreswechsel müssen alle Krankenkassen erklären, welchen Zusatzbeitrag sie 2017 von ihren Mitgliedern verlangen. Einige Versicherer haben schon geliefert, andere müssen noch. Schlechte Nachrichten allerdings dürften in diesem Jahr Seltenheitswert haben, denn die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist insgesamt gut, erstaunlich gut sogar. Die meisten Kran­kenkassen werden deshalb den Zusatzbeitrag, der derzeit durchschnittlich 1,1 Prozent beträgt, wohl stabil halten können.

Zur Erklärung: Die kassenindividuellen Zusatzbeiträge tragen die Mitglieder allein. Sie werden auf den gesetzlich festgelegten allgemeinen Kassenbeitrag von 14,6 Prozent des Bruttoentgelts aufgeschlagen, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte übernehmen. Die Höhe des Zusatzbeitrags richtet sich nach der Finanzkraft der jeweiligen Krankenkasse und beschreibt so auch deren Position im Kassenwettbewerb, die unter anderem von der Versichertenstruktur abhängig ist. Bezogen auf das aktuelle Durchschnittsentgelt von 34 860 Euro bedeutet ein Zu­satzbeitrag von 1,1 Prozent eine jährliche Belastung von 383 Euro.

Aktuell ist die Finanzlage der GKV entspannt. Bis Ende September erwirtschafteten die 117 Krankenkassen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums einen Überschuss von 1,55 Milliarden Euro. Im zu Ende gehenden vierten Quartal dürfte das Finanzpolster noch dicker geworden sein. Zum Vergleich: 2015 hatten die Kassen in den ersten drei Quartalen noch ein Defizit von 359 Millionen Euro eingefahren. Das Gesamtjahr schlossen sie mit einem Fehl­betrag von 1,12 Milliarden Euro ab.

2017 gibt es einen Extra-Zuschlag aus dem Gesundheitsfonds

Neben der guten Konjunktur und einer weiter hohen Beschäftigungsquote, die der GKV kräftige Beitragseinnahmen beschert, ist vor allem der vergleichsweise geringe Anstieg der Ausgaben für die Haushaltsüberschüsse der Kassen verantwortlich. Je Versicherten stiegen die Aufwendungen der Kassen für die medizinische Versorgung von Januar bis September nur um 3,2 Prozent. Das war der niedrigste Anstieg seit 2012.

„Ich bin überrascht, wie moderat die Ausgabenentwicklung im laufenden Jahr war“, sagte der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem unserer Zeitung. Insbesondere die ­Effekte des Versorgungsstärkungsgesetzes und des Krankenhausstrukturgesetzes habe er als stärker eingeschätzt, so wie andere ­Experten auch.

Für seine diversen Gesundheitsreformen hatte Minister Hermann Gröhe (CDU) Lob vor allem von Leistungserbringern wie ­Ärzten und Krankenhäusern erhalten. Kritiker auch aus dem Krankenkassenlager warfen ihm dagegen vor, zu zaghaft vorzugehen und langfristig sehr teure Geschenke zu ­verteilen, die für die medizinische Ver­sorgung der Patienten keine wesentlichen Verbesserungen brächten.

Wasem ist sich nach der günstigen Finanzentwicklung im laufenden Jahr nicht mehr so sicher, dass spätestens 2018 die Zusatzbeiträge auf breiter Front steigen müssen, wie die meisten Kassenvertreter seit Monaten immer wieder erklären. Der von der schwarz-roten Bundesregierung bereits beschlossene einmalige Zuschlag in Höhe von 1,5 Milliarden Euro für die Kassen aus dem prall gefüllten Gesundheitsfonds, der für die medizinische Versorgung von Flüchtlingen gewährt wird, werde die monetäre Lage im Bundes­tagswahljahr 2017 auf jeden Fall weiter ­entspannt halten, so der Ökonom von der Universität Duisburg-Essen.

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