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Es herrscht scharfe Kritik an der Änderung beim Grundwasser. Die Bahn darf die erste Wasseranlage weiter aufbauen.

Stuttgart - Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat einen sofortigen Baustopp für das Bahnprojekt Stuttgart 21 gefordert. Grund ist die von der Bahn beantragte siebte Änderung der Baupläne mit dem Thema Grundwasser.

Statt drei sollen 6,8 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Baugruben für den Tiefbahnhof im Schlossgarten abgepumpt werden, damit dieser im Trockenen erstellt werden kann. Der BUND hält die Ausweitung für nicht genehmigungsfähig. Es bestünden „erhebliche Risiken“, sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender.

Der BUND fährt in seiner 27 Seiten starken Stellungnahme schweres Geschütz ge­gen die Bahn auf. Deren Gutachten und Nachweise seien „nicht hinreichend“, weil Grundlagen für die Berechnung fehlten. In einem Fall spricht der BUND sogar von einem „Gefälligkeitsgutachten“ für die Bahn. Die vom Konzern behauptete Transparenz werde nicht eingelöst, kritisierte das Stuttgarter BUND-Vorstandsmitglied Peter Deimel bei einem Pressegespräch. So habe sich der Umweltverband die Einsichtnahme in neun Ordner mit Bodengrundgutachten bei der Bahn mit einem Rechtsanwalt „erstreiten“ müssen.

BUND: Vorab vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung ist unterblieben

Die Landeshauptstadt hatte vor wenigen Tagen eine Fristverlängerung beim Regierungspräsidium für ihre Stellungnahme zum Wasserantrag der Bahn erhalten. Baubürgermeister Matthias Hahn hatte ebenfalls mangelnde Transparenz moniert.

Aus Sicht des BUND müsse der Antrag der Bahn schon deshalb abgelehnt werden, weil die vorab vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung unterblieben sei. Bis heute fehle eine von der Stadt bereits im Juli 2011 geforderte Prüfung aller von der Bahn gelieferten geotechnischen Gutachten durch eine unabhängige Stelle. Nicht geliefert habe die Bahn ein Gutachten zur Möglichkeit von Rutschungen am Kriegs- und Ameisenberg (Kernerviertel). Der Geologe Ralf Laternser schließt eine Gefährdung des Mineralwassers nicht aus.

Mit der steigenden Wassermenge vergrößere sich der Radius erheblich, in dem Schäden an Häusern durch den sinkenden Grundwasserspiegel möglich würden, sagt der Ingenieur Roland Morlock. Trotz Verdoppelung der abgepumpten Menge soll jene, die im Schlossgarten über Schluckbrunnen ins Erdreich zurückgeführt wird, mit 2,26 Millionen Kubikmetern gleich bleiben. Der Rest soll gereinigt in den Neckar fließen.

Bahn hat Genehmigung erhalten, ihre bisherige Grundwasseranlage samt Leitungen weiter aufzubauen

Gerhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer des BUND, sieht die rund 700 Bäume im Schlossgarten durch Dürre oder zu starke künstliche Bewässerung bedroht. So werde sich der Wasserspiegel an der Platanenallee um 1,50 Meter erhöhen, was deren Ende bedeuten könne. Pfeifer kritisiert, es gebe zu wenige Grundwasser-Messstellen. „Die Bäume sind zu wertvoll, um sie für ein Experiment preiszugeben“, sagt der BUND-Verkehrsreferent Klaus-Peter Gussfeld.

Am Donnerstag erhielt die Bahn die Genehmigung, ihre bisherige Grundwasseranlage samt Leitungen weiter aufzubauen. Der Aufbau war im Dezember 2011 nach einer Klage des BUND gestoppt worden, weil der Verein im Genehmigungsverfahren nicht beteiligt worden war. Mit dieser Anlage kann der Bahnhofsbau zwar gestartet, aber nicht komplett vollzogen werden.

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