Die 51-jährige Grünen-Politikerin zieht nach 2016 zum zweiten Mal als direkt gewählte Abgeordnete im Wahlkreis Böblingen in den Landtag ein. Ihren Mitbewerber Matthias Miller von der CDU schlägt sie klar, Hoffnung besteht für Florian Wahl (SPD) und Oliver Alber (FDP).
Kreis Böblingen - Die grüne Welle spült Thekla Walker zum zweiten Mal in den baden-württembergischen Landtag: Die 51-jährige Stuttgarterin holt sich nach dem hauchdünnen Sensationssieg von 2016 zum zweiten Mal das Direktmandat im Wahlkreis Böblingen. Insgesamt 31,4 Prozent der Voten gehen auf ihr Konto. „Ich bin sehr erfreut und glücklich, dass ich das Direktmandat verteidigen konnte.“ Walker räumte aber ein, dass das gute Abschneiden vor allem auch auf das Konto des populären Ministerpräsidenten geht: „Das Ergebnis hat gezeigt, dass das Vertrauen in unseren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sehr hoch ist.“ Die Partei stehe geschlossen hinter ihrem Regierungschef. Walker: „Natürlich genießt er als Person ein großes Vertrauen. Man kann aber auch nicht losgelöst von seiner Partei so ein Ergebnis erringen.“ In puncto Geschlossenheit wagte Walker einen Seitenhieb in Richtung der Union, bei der diese weniger stark ausgeprägt sei, wie sie sagt.
Am Wahlabend zeichnete sich dieses Ergebnis schon früh ab, Walker lag nach den ersten ausgezählten Bezirken bei rund 28 Prozent der Voten – und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Das ist noch mal eine klare Steigerung im Vergleich zu vor fünf Jahren. 2016 verbuchte sie 27,7 Prozent der Stimmen, Paul Nemeth (CDU) 27,6. Nur 34 Stimmen trennten die beiden.
Schmerzhaftes Ergebnis für die CDU
„Es ist ein schmerzliches Ergebnis“, kommentiert Matthias Miller (CDU) die Statistik, der zufolge er noch immer um seinen Sitz im Landtag bangen muss. Laut vorläufigem amtlichem Endergebnis landet die Union bei 25,3 Prozent im Wahlkreis 05. Dies ist ein Minus von über zwei Prozent im Vergleich zu 2016. „Es wird spannend werden, bis das endgültige Ergebnis feststeht“, sagt er. Schließlich dürfte die Union acht Sitze im Landtag verlieren, und weil die Grünen die CDU im Wahlkreis wieder überflügelt haben, ist es fraglich, ob er den Einzug in den Landtag schafft. „Wir haben einen starken Wahlkampf gemacht“, sagt er, doch waren wir von der politischen Großwetterlage abhängig.“ Die Maskenaffäre hat der Union keinen Rückenwind gegeben, und Miller ist froh, dass die Beteiligten jetzt aus der Union ausgetreten sind.
Florian Wahl zittert noch
Erfreulicher lief der Sonntag für den Böblinger Florian Wahl, der bereits von 2011 bis 2016 für die Sozialdemokraten im Landtag saß. Der 36-Jährige freut sich über die 13,1 Prozent der Stimmen im Wahlkreis 05. Allerdings bangt er am Sonntagabend um den Einzug ins Parlament, der vom Ergebnis in den anderen Wahlkreisen im Regierungsbezirk abhängt. 2016 verpasste er mit einem ganz ähnlichen Ergebnis denkbar knapp den Wiedereinzug ins Parlament, da ihm im Proporz-Verfahren ein paar Voten fehlten. Diesmal könnte es allerdings klappen, da die SPD im Land vermutlich nur 11,6 Prozent holte, Wahl also im Vergleich um zwei Prozentpunkte besser dasteht.
Oliver Alber ist der heimliche Gewinner
Der heimliche Gewinner dieser Wahl ist allerdings Oliver Alber (FDP), dessen Partei landesweit 2,7 Prozentpunkte gegen 2016 gutmachte und im Kreis Böblingen 3,3 Prozent plus erzielte. Damit sind die Liberalen mit 11,4 Prozent im Landkreis Böblingen nur knapp hinter der SPD, die 13,1 Prozent erzielte. Oliver Alber, Unternehmer in der Gesundheitsbranche, ist stolz darauf, das „beste Ergebnis für die Liberalen seit 50 Jahren im Wahlkreis Böblingen“ erreicht zu haben, für ein Mandat, so zumindest der Stand am Montag, wird es voraussichtlich trotzdem nicht reichen.
Utz Mörbe von den Linken hat nicht mit Freude registriert, dass seine Partei ein bisschen abgenommen hat, mit 0,1 Prozentpunkten weniger liegt sie jetzt bei 2,3 Prozent. Es sei ein Wahlkampf gewesen, der anders gewesen sei als sonst, sagt Utz Mörbe, „der Wahlkampf war sehr gut, aber unter Corona auch sehr schwer.“ Normalerweise seien die Linken mit Haustürwahlkämpfen unterwegs und sprächen mit den Leuten direkt, das sei nun nicht möglich gewesen. Er glaubt auch, dass das Land Baden-Württemberg ein Zwei-Stimmen-System brauche für ein gerechtes Wahlergebnis.
Wahlbeteiligung auf durchschnittlichem Niveau
Dass Walker auf dem Wahlzettel als Anschrift das Wahlkreis-Büro am Marktplatz in Böblingen angab, scheint ihr demnach in der Wählergunst nicht geschadet zu haben. Kritiker sahen in dem Schachzug ein Vortäuschen von Verwurzelung in Böblingen – Walker lebt mit ihrem Partner in Stuttgart und hatte ihren Wohnsitz nie im Kreis Böblingen. Sie begründete den Schritt mit der Tatsache, ihre Familie vor Hassbriefen und unschönen Erlebnissen schützen zu wollen. Sie hatte daher als einzige Kandidatin im Kreis Böblingen beantragt, ihre tatsächliche Adresse nicht auf dem Wahlzettel zu veröffentlichen.
Die Wahlbeteiligung lag im Wahlkreis Böblingen in etwa auf dem Niveau des Landes. Laut vorläufigem Ergebnis machten 63,4 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuzchen in der Kabine oder auf dem Briefwahlbogen. Im Land lag die Wahlbeteiligung bei 63 Prozent. Vor fünf Jahren gingen im Wahlkreis 5 immerhin noch 70,78 Prozent der Berechtigten an die Urne.
Alle Zahlen spiegeln das vorläufige Endergebnis bei Redaktionsschluss wider und können sich, bis das amtliche Endergebnis feststeht, noch geringfügig ändern.