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Die Agrarindustrie muss mehr für den Umwelt- und den Tierschutz tun. Die Digitalisierung bietet dabei durchaus eine Chance – auch für kritische Verbraucher, meint unser Korrespondent Thomas Wüpper.

Berlin - Der „Erlebnis-Bauernhof“ ist auf der Grünen Woche in Berlin bei Besuchern beliebt. Leider hat dieses schöne Idyll wenig mit der heutigen Realität im knallharten Agrar-Business tun. Wachsen oder weichen, mit der globalisierten Landwirtschaft sind in den letzten Jahrzehnten immer größere Konzerne entstanden und immer mehr kleinere Höfe vom Markt verschwunden.

Die Rationalisierung hat zweifellos Vorteile für die Verbraucher gebracht. Immer weniger Landwirte erzeugen immer mehr, Lebensmittel sind preiswert und in großer Vielfalt vorhanden. Kaum mehr als ein Achtel der Konsumausgaben werden heute noch in die Ernährung gesteckt, früher ­waren es mehr als die Hälfte.

Die Schattenseite

Die Schattenseiten dieser Entwicklung sind weniger erfreulich. Missstände in der Massentierhaltung, Chemie und Gentechnik auf Äckern und in Ställen, alarmierende Verseuchung des Grundwassers durch Gülle, zahlreiche Lebensmittelskandale – die Agrarindustrie bietet viele Angriffspunkte für Kritiker.

Man gehe die Herausforderungen an, verspricht der Bauernverband und verweist zum Beispiel auf die Initiative „Tierwohl“ bei Schweinemästern und Geflügelhaltern. „Im Blick“ habe man auch jene ­bereits 15 Prozent der Trinkwasser-Brunnen, bei denen es wegen zu hoher Nitrat­belastung Handlungsbedarf gebe.

Die Politik ist gefordert

Doch wohlfeile Versprechen hat man nicht nur zur Grünen Woche schon oft gehört. Was zählt, sind Taten, besonders in der Politik. Ein staatliches Tierschutz-Label, das die mögliche künftige Bundesregierung anpeilt, ist längst überfällig, ebenso strengerer Schutz von Gewässern und Böden. Auch der dramatische Artenschwund zeigt, welch hohen Preis eine zu wenig nachhaltige Agrarwirtschaft hat.

Die Digitalisierung könnte die dringend nötige Umkehr befördern. Im besten Fall wird mit vernetzten Daten die Agrarproduktion umwelt- und tierschonender, zum Beispiel durch optimierten Einsatz von Dünge- und Futtermitteln. Für Verbraucher lässt sich mehr Transparenz schaffen, wo und wie ihre Nahrungsmittel im Stall und auf dem Acker erzeugt werden. Damit könnte die Agrarbranche Vertrauen zurückgewinnen – sie sollte daher diese Chance rasch nutzen.

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