Die Feuerbacher Grillprofis Dominik Mokrski (links) und Thomas Stockinger Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Holzkohle oder Gas, Fleisch oder Gemüse? Egal, Hauptsache, es brutzelt schön. Der Trend zum Grillen hält unvermindert an – der zu immer teureren Geräten auch.

Stuttgart - Totes Tier auf einen mit fossilen Brennstoffen stark erhitzten Metallrost legen – igitt, ekelhaft, dieses Grillen! Behaupten jedenfalls diejenigen, die Fleischeslust für den Anfang der Erbsünde halten und eine offene Feuerstelle grundsätzlich Scheiterhaufen nennen.

Das sehen die Grillfexe naturgemäß anders. Dominik Mokrski zum Beispiel, seit sechs Jahren Seminarleiter beim BBQ- und Grillzentrum Stuttgart im Feuerbacher Tal. Der 29-Jährige steht neben seinem Chef, dem ehemaligen Deutschen Grillmeister Thomas Stockinger, und es wirkt fast so, als sehe man kleine Flammen in Mokrskis Augen züngeln, wenn er über das Grillen spricht. Wobei: Mokrski spricht nicht nur irgendwie über das Grillen – jedes seiner sehr vielen Worte ist eine Liebeserklärung an das „Braten in Wärmestrahlung“, wie Wikipedia den Vorgang unangemessen prosaisch umschreibt. Mokrski sagt: „Grillen verbindet, man sitzt mit Freunden zusammen, genießt das Leben – und vor allem: das fantastische Essen.“

Ein Premiumgrill kann 5599 Euro kosten

Fantastisch wird dieses Essen aber nur dann, wenn man keine mit Billigfleischabfällen geschwängerten Kunstdärme ins Feuer schmeißt oder in Glutamat-Marinade ertränkte Fleischfrechheiten auf den Rost, die man zuvor beim Discounter für 1,99 Euro das Kilo nachgeschmissen bekommen hat.

Nein, nein, nein! „Beste Fleischqualität vom Metzger Ihres Vertrauens muss auf den Grill“, sagt Mokrski – nur dann lohnt sich auch die Anschaffung eines Gerätes, das dann schon mal 5599 Euro kosten kann. Wenn man etwa das Flaggschiff des kanadischen Herstellers Napoleon (gegründet vom gebürtigen Pforzheimer Wolfgang Schroeter) kaufen will – den Pro 825-2, „die ultimative Grillmaschine“, wie Napoleon es nennt.

Es geht auch günstiger. „Einen ordentlichen Gasgrill gibt’s ab 700 Euro. Damit kann man gut einzusteigen“, sagt Mokrski. Sonst noch Tipps, Mindestanforderungen, Trends, die man beachten sollte, wenn man einen Grill kauft? „Bloß keinen Einweggrill für 3 Euro“, sagt Mokrski: „Glut zu nah am Grillgut, null Temperatursteuerung, ein Fliegengitter als Rost und dann noch Chemie als Brandbeschleuniger. Ein Witz!“

Und zwar kein guter. Stattdessen empfiehlt er: Edelstahlroste („mindestens sechs Millimeter Durchmesser“) seien pflegeleichter als die aus Gusseisen („die aber mehr Spaß machen“); der Grill sollte „mindestens drei Brenner haben“, wie Mokrski meint - und einem dann noch Geräte präsentiert, an die man auch denken könne, wenn man sich was G’scheites zulegen wolle. Den Outdoorchef Geneva 570 G aus der Schweiz, „der Thermomix für den Mann“, oder einen Saffire Keramikgrill, der aussieht wie ein großes Überraschungs-Ei „und die Wärme ewig speichert.“

Der Profi hat acht geräte zu Hause stehen

Er selbst hat zu Hause acht Grills stehen – und benutzt sie auch. Am liebsten jene, die mit Holzkohle befeuert werden, „jedenfalls, wenn ich Zeit habe“. Vom Geschmack her mache es keinen Unterschied, ob man auf Holzkohle setze oder auf Gas. „Holzkohle ist Grillromantik pur. Für den Geschmack ist’s egal“, sagt Mokrski.

Sein Chef steht daneben und nickt. Thomas Stockinger betreibt sein Grillzentrum seit 2007 und führt inzwischen fast 2000 Glutbürger im Jahr in die Grillkunst ein. Den meisten Grillern tropfe wohl die Marinade ins Feuer, sagt er, „und sie verwechseln den Geruch der verbrannten Marinade dann mit Qualität.“ Falsch gedacht.

Das sieht auch Thorsten Gschweng so, der das Grillgeschäft Grill & Co in Sachsenheim leitet. „Holzkohle oder Gas? Geschmacklich ist da kein Unterschied – wenn man’s richtig macht“, sagt der 40-Jährige, der vor allem „die Leidenschaft am Grillen vermitteln will, den Spaß am guten Essen mit guten Freunden“. Und auch wenn Schwarzmaler behaupten, der große Grilltrend sei schon wieder vorbei, ist sich Gschweng sicher: „Dieses Urmenschgeschichtliche, die Freude am Feuermachen wird immer bleiben. Wir stehen erst am Anfang, das Grillen hat noch viel Potenzial.“

Bei 1000 Grad wird das Fleisch richtig gut

Jemand, der Grillgeräte und Grillzubehör verkauft und Grillseminare anbietet, muss das wohl sagen. Aber an der Tatsache, dass sein Geschäft – ursprünglich als kleine Grillabteilung mit zehn Quadratmetern in einem Werkzeugfachhandel gestartet – nach sechs Jahren inzwischen 500 Quadratmeter misst, kann man erkennen: Grillen ist groß. Und ganz groß sei im Moment „alles, was mit Räuchern und Smoken zu tun hat“, sagt Thorsten Gschweng.

Das glaubt auch Dominik Mokrski in Feuerbach und hält einem eine Räucherpfeife ins Gesicht, ein Metallrohr, in das man Holz stopft und in den Grill hängt. „Ein interessantes Thema“, sagt er, und man glaubt zu hören, wie dem Grillprofi das Wasser auf der Zunge steht. Dann zeigt er eines seiner - vielen - Lieblingsgeräte, ein Highend-Teil aus Edelstahl mit vier Brennern plus Rückbrenner plus einer sogenannten Sizzlezone, der Brutzlerzone an der Seite, auf der mit Infrarottechnik eine Temperatur von 1000 Grad erzeugt werden kann. „Steak drauf, nur ein paar Sekunden – und schon wird der Traum wahr“, sagt Mokrski. Ein Traum für 2000 Euro. Und wer es mit beleuchteten Drehreglern mag: für 2800 Euro. Thorsten Gschweng aus Sachsenheim nennt das Diskolicht. „Brauche ich nicht, aber der Grill ist gut.“ Er testet ihn gerade zu Hause. „Man muss ja wissen, was man seinen Kunden anbietet.“

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