Inga Ritter und Jens-Peter Wedlich von Greenpeace freuen sich über das Interesse der Marktbesucher. Foto: Sabine Schwieder

Greenpeace-Mitarbeiter informieren auf dem Wochenmarkt über die Stuttgarter Fisch-Liste. Sie zeigt Beispiele für Fischprodukte, die nachhaltig gezüchtet und gefangen wurden.

Stuttgart-Möhringen - Einkaufen wird mehr und mehr zu einer Wissenschaft. Wer beim Griff ins Supermarktregal sicher gehen möchte, dass er nichts verkehrt macht, ist schnell in Versuchung, aufzugeben, so kompliziert ist das Gefüge unserer Nahrungskette geworden. Jens-Peter Wedlich und Inga Ritter von der Stuttgarter Greenpeace-Gruppe haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, zumindest in Sachen Fisch eine Hilfe anzubieten. Mit einem Wochenmarktstand machen sie regelmäßig auf die Stuttgarter Fisch-Liste aufmerksam, die mittlerweile in der neunten Auflage erschienen ist. Am vergangenen Samstag waren sie auf dem Möhringer Markt auf dem Oberdorfplatz, am kommenden Samstagvormittag sind sie in Vaihingen auf dem Rathausplatz zu finden.

„Wir haben kein Interesse daran, den Fischständen die Kunden abspenstig zu machen“, sagt Jens-Peter Wedlich, „aber wir bieten die Grundvoraussetzung für den von Verbraucherschutzministerin Aigner geforderten mündigen Konsumenten.“ Die Stuttgarter Fisch-Liste ist eine reine Positivliste, für die Greenpeace-Mitarbeiter regelmäßig in örtlichen Supermärkten recherchieren. Sie zeigt Beispiele für Fischprodukte, die nachhaltig gezüchtet und gefangen wurden. Es gibt eine Tabelle mit Lebensmittelläden und Produkten, und mit einem kurzen Blick wissen die Kunden, ob das Fischfilet, das sie gerade aus dem Regal genommen haben, zur Überfischung der Meere beiträgt oder guten Gewissens gegessen werden kann.

Das nötige Basiswissen

Das beste Beispiel ist der Aal, findet Wedlich: „Aale sind vom Aussterben bedroht und werden trotzdem immer noch verkauft“, sagt der 47-Jährige, im Hauptberuf kaufmännischer Angestellter und nebenbei ein Experte für Meeresfragen. Vor allem Haie haben es ihm angetan, und er kann es nicht gut mit ansehen, wenn nach wie vor Schillerlocken verkauft werden. Dabei handelt es sich um geräucherte Bauchlappen des Dornhais. „Da sind 95 Prozent der Bestände im Atlantik schon weg“, beklagt Wedlich.

Der passionierte Meeresfreund hat zu jeder Frage ziemlich viele Zahlen parat und vermittelt als Meerestrainer jungen Kollegen der Umweltorganisation das nötige Basiswissen. Ein bisschen geht es dabei auch um den Tierschutz, denn welcher Konsument weiß schon, unter welch qualvollen Bedingungen Tiefseefische sterben, die an die Meeresoberfläche geholt werden.

Einheimische Karpfen und Forelle kaufen

Zum Greenpeace-Stand auf den Wochenmärkten kommen Kunden, die sich bewusst ernähren möchten, ein offenes Ohr für die Umwelt haben, aber oft am „Wie“ scheitern. Wer als Konsument nichts falsch machen möchte, dem rät Jens-Peter Wedlich, einheimische Süßwasserfische wie Karpfen und Forelle zu kaufen und auf Biosiegel zu achten.

Doch selbst der Bio-Fisch aus dem Supermarkt kann problematisch sein. Vielleicht stammt der Lachs ja aus einer Aquakultur, in der allein zum Füttern der Raubfische – Lachse wie auch Forellen sind Raubfische – wiederum die Meere geschröpft werden. „Biosiegel sind Schritte in die richtige Richtung, aber da geht noch mehr“, wirbt Wedlich für mehr Bewusstsein, warnt aber auch davor, jedem Siegel blindlings zu trauen. Wem der Einkauf bei so viel Nachdenklichkeit zu kompliziert wird, der hat mit dem schmalen Faltblatt der Fisch-Liste eine gute Möglichkeit, bewusst einzukaufen, ohne sich durch Tausende von Artikeln zu wühlen.

Termine der Meeresgruppe

Marktstand:
Am Samstag, 20. Juli, von 8 bis 12.30 Uhr ist der Greenpeace-Stand auf dem Rathausplatz in Vaihingen vertreten.

Schnupperabend
: Wer bei der Meeresgruppe mitarbeiten möchte, kann sich am 23. September ab 19.30 Uhr im Greenpeace-Büro, Augustenstraße 57, bei einem Schnupperabend informieren.

Online-Faltblatt:
Die Stuttgarter Einkaufshilfe ist auch unter www.greenpeace-stuttgart.de/fischliste zu finden.

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