Der Döffinger Graf-Ulrich-Bau soll im Notfall im Winter als Wärmeraum für Menschen dienen, die sonst daheim im Kalten sitzen Foto: Holger Schmidt

Grafenau stellt sich auf harte Wintermonate ein, diskutiert und beschließt Maßnahmen zum Sparen von Energie. Einem Grundsatzbeschluss, in öffentlichen Gebäuden Gas durch Strom und Öl zu ersetzen, erteilt das Gremium hingegen eine klare Absage.

Das Votum des Grafenauer Gemeinderates ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Einstimmig lehnte das Gremium in der Sitzung am Mittwoch eine Verwaltungsvorlage ab, zehn Gebäude in Gemeindebesitz mit Gasheizung aufgrund der befürchteten Rohstoffknappheit für den kommenden Winter zusätzlich mit einer Heizung durch Strom oder Heizöl auszustatten und damit möglicherweise neue Abhängigkeiten aufzubauen.

 

Das Fehlen klarer Ansagen durch Bund und Land wird bemängelt.

Bürgermeister Martin Thüringer drücken vor allem die fehlenden Ansagen aus Berlin oder Stuttgart. Belastbare Versorgungs- oder Bezugsalternativen würden dort derzeit nicht entwickelt und auch an einer Entspannung der Lage wenig gearbeitet. Die Gemeindeverwaltung aber will nicht weiter zuwarten, sondern bei einer Gasabschaltung eigene kritische Infrastruktur wie das Rathaus, das Feuerwehrhaus in Dätzingen oder den Bauhof alternativ beheizen. Über die Prioritätenliste, dass im Fall der Fälle Kindergärten, das Schloss Dätzingen oder Asylunterkünfte hinten anstehen, herrschte so weit Einigkeit. Und auch die Kosten von fast 150 000 Euro für Elektroheizgeräte, mobile Ölheizungen oder Radiatoren waren in der sich entfachenden angeregten Diskussion nicht der Haupt-Stein des Anstoßes.

Energiesparen als Beitrag auch zum Klimaschutz

„Macht Strom Sinn, wenn man gar nicht weiß, ob er zur Verfügung steht?“, verwies Freier Wähler Bruno Metzger auf die mit Atom- und Kohleabschaltungen auch sonst hierzulande teilweise ungeklärte Energieversorgungslage. „Die Lösung heißt nicht, dass 100 Prozent ersetzt werden“, formulierte Siegfried Waligora von der CDU einen Konsens, der sich fortan durch alle Wortbeiträge zog. Nämlich vor teuren Ersatzlösungen erst einmal Einsparpotenziale auszuloten, die nicht nur vor dem Hintergrund einer möglicherweise drohenden Gasknappheit, sondern auch mit Blick auf den gerade derzeit augenfälligen Klimawandel eine deutlich hilfreichere Alternative seien.

Kindergartengruppen an einzelnen Wochentagen zu Hause lassen?

Genannt wurden von verschiedener Seite Raumtemperaturabsenkungen in öffentlichen Gebäuden von bis zu fünf Grad oder auch ganze Kindergartengruppen für zwei oder drei Wochen nach Hause zu schicken. Aber auch überdimensional stromfressende Elektrofahrzeuge wie SUVs zogen in diesem Zusammenhang deutliche Kritik auf sich. Solche Wortmeldungen mit Blick auf das große Ganze gingen dem Bürgermeister dann aber zu weit. „Ich brauche eine Grundsatzentscheidung“, appellierte Martin Thüringer an den Gemeinderat der Verwaltungsvorlage sein „Ja“ zu geben. Das mochte dann allerdings aus der Runde außer ihm selbst niemand.

Öffentliche Wärmeräume, weniger Straßenbeleuchtung

Allgemeine Zustimmung fand hingegen der Vorschlag, bei Gasabschaltungen im privaten Bereich die mit Öl beheizte Wiesengrundhalle oder den Graf-Ulrich-Bau als Wärmeräume zu nutzen. Und auch die vorgeschlagene Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung stieß auf offene Ohren. Allerdings nicht wie von der Verwaltung formuliert von ein bis vier Uhr vollständig, sondern mit großer Mehrheit die Abschaltung jeder zweiten Straßenlaterne von 22 bis 5 Uhr nach Installation einer entsprechenden Umdrahtung zum Kostenpunkt von rund 10 000 Euro. Außerdem brachte Heizungsfachmann Siegfried Waligora seine Expertise bei der Einstellung von Heizungen zur weiteren Energieeinsparung ins Spiel – ein Angebot, das die Verwaltung gerne annahm.