Auch einige Erwachsene haben sich in die Göppinger Menschenkette für Respekt und Mitmenschlichkeit eingesetzt, die 50 Jugendliche organisiert hatten. Foto: Horst Rudel

Überwiegend junge Menschen haben bei einer Menschenkette und einem Festival in Göppingen ein gesellschaftspolitisches Fanal gesetzt.

Göppingen - Auch in Göppingen hat sich der Oberbürgermeister gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen und für ein friedvolles und respektvolles Miteinander in der Stadt geworben. Es sei Zeit, gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Antisemitismus vorzugehen sagte Guido Till zum Auftakt des von privater Seite organisierten Festivals „Take Care & Respect“. Mit einer Menschenkette vom Rathaus bis zum Festivalgelände an der EWS-Arena wollten die Initiatoren, die sich gegen Gewalt, Drogenmissbrauch und Alkoholexzesse wenden, ihr Anliegen deutlich machen.

Am Abend gab es ein Nena-Konzert

Nur eine sehr kurze Menschenkette mit knapp 100 Teilnehmern ist schließlich zustande gekommen, die von einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus einigen wenigen Erwachsenen und 50 Jugendlichen organisiert worden war. Auch die Partymeile vor der EWS-Arena im Vorfeld des für den Abend angekündigten Nena-Konzerts war nachmittags nur schwach besucht. Überschattet worden waren die letzten Vorbereitungen von einer via Facebook verbreiteten Meldung, in der ein offenbar psychisch kranker 22-jähriger Göppinger am Mittwoch unter Jugendlichen Unruhe gestiftet hatte.

Bundesweit hatten sich Facebook-Nutzer aufgrund nebulöser Formulierungen des 22-Jährigen, die manche Nutzer an den Amokschützen von München erinnerten, bedroht gefühlt und schickten die geposteten Inhalte an die Polizei. Inzwischen ist der junge Mann in eine psychiatrische Klinik gebracht worden. Der Mann besitze keine Waffen, stellte ein Polizeisprecher fest. Die Fotos, die den 22-Jährigen mit einer Langwaffe im Internet zeigten, seien im Ausland, eventuell auf einer Jagd, entstanden und mehrere Jahre alt. „Jetzt erst recht“, diese Parole hatte Simone Thiess, die zu den Initiatorinnen des Festivals zählt, für den Festivaltag am Donnerstag ausgegeben. Die Inhaberin des Therapeutischen Zentrums und der Beratungsstelle für Konflikthilfe Göppingen, die bereits 2009 Veranstaltungen gegen Gewalt und Koma-Saufen organisiert hatte, rief am Donnerstag vor dem Rathaus dazu auf, Hand in Hand, angeführt von Göppingens Oberbürgermeister Guido Till, die Kette zu bilden.

„Bitte haben Sie keine Ängste und begleiten Sie uns“, appellierte die Anti-Gewalt-Trainerin Thiess an die überwiegend jungen Menschen. Auch die Erste Bürgermeisterin Gabriele Zull sowie die Stadträte Christoph Weber und Alex Maier von den Grünen beteiligten sich an der friedlichen Aktion. „Wir unterstützen diese Form des Engagements, weil sie direkt von den Bürgern kommt“, sagte Zull dazu.

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