Bei ihrer Probe auf der Bühne der Krypta sind die Musiker ganz versunken in die Musik, die Stephan Romhart (Bildmitte) geschrieben hat. Foto: StZ

Melancholie begleitet Stephan Romhart schon lange, aber als vor einigen Jahren Krebs dazu kam, musste der geborene Süßener um sein Leben kämpfen – und lernen, was für ihn das Leben ausmacht. Andere profitieren jetzt davon.

Göppingen - Wenn man sich mit Stephan Romhart unterhält, ist es vorbei mit aufgesetzter Fröhlichkeit. Der Programmierer, der seit 25 Jahren Musik macht, hält sich nicht mit Oberflächlichem auf. Er erzählt, wie er mit Freunden beim Jammen im Proberaum über Töne kommuniziert. Er macht sich Gedanken über Nachhaltigkeit – weshalb er seit sechs Jahren Elektroauto fährt. Er spürt dem Lebensgefühl in Göppingen nach, das er als seine Heimatstadt empfindet. „Depressiv“ fühle sich die Stadt an, findet der geborene Süßener, der seit einigen Jahren in Esslingen lebt, aber noch viel in Göppingen unterwegs ist. Und er fragt sich, was im Leben wirklich wichtig ist.

Für ihn ist das im Moment zum Beispiel das Konzert, das er am 2. Februar in der Stadthalle veranstaltet. Dann wird Romharts Debütalbum „Restnorm apath“, das vor rund einem Jahr unter seinem Pseudonym Phantomas Trehr erschienen ist, zum ersten Mal live zu hören sein. Für so manchen Zuhörer wird das womöglich eine anstrengende Erfahrung, denn Romhart hat in dem Album nicht nur die Schwermut verarbeitet, die ihn seit vielen Jahren begleitet, sondern auch die Ängste, Schmerzen und Nöte, die er während seiner Krebserkrankung erlebte. „Ich habe gelernt: Schlimmer geht immer“, sagt er und erzählt, wie er die Erkrankung seinen Eltern verschwieg, weil seine Mutter ebenfalls schwer krank war und er ihre Sorgen nicht noch vergrößern wollte. Musikalisch verpackt hat er seine Erfahrungen in poetischen, deutschen Texten und langsamer, schwermütiger Musik, die man am ehesten als Gothic Rock bezeichnen könnte.

Debütalbum ist erstmals live zu hören

„Für mich war der Krebs ein gedanklicher Türöffner“, sagt der 39-Jährige über die Krankheit, die er inzwischen besiegt hat. Er sehe nun viele Dinge einfach anders. „Welche Werte vermittle ich meiner Tochter? Was zählt wirklich im Leben? Wie gehen wir Menschen miteinander um?“ Das seien Fragen, die ihn heute beschäftigten. Mit oberflächlichen Zerstreuungen, die Romhart unter der Bezeichnung „Spaßgesellschaft“ zusammenfasst, fing er schon früher wenig an – und jetzt gar nichts mehr. Wer sein Album anhöre, so sagt er, der lerne ihn vielleicht besser kennen, als so manch anderer, den er im täglichen Leben regelmäßig treffe. Auch das ist etwas, das Romhart in seinen Songs verarbeitet: das Gefühl von Einsamkeit und der Wunsch, offen mit anderen sprechen zu können.

Kein Interesse an der Spaßgesellschaft

Das Album hat Romhart komplett alleine eingespielt, doch für die Aufführung hat er sich Partner gesucht: Die Gitarristen Pietro Raneri und Joachim Sieber, den Basser Claus Mohr, den Pianisten Miguel Luna und den Schlagzeuger Dieter Krix. Sie alle leben im Kreis Göppingen. Gekannt hat Stephan Romhart aber nur zwei seiner Kollegen. „Die anderen habe ich über einen Aufruf bei Facebook gefunden – und es hat gleich gepasst, obwohl wir alle völlig unterschiedlich sind“, erzählt er. Das mag damit zusammenhängen, dass einige der Musiker ähnliche Erfahrungen wie der 39-Jährige gemacht haben. Öffentlich darüber sprechen möchten sie aber lieber nicht.

Eintrittsgeld geht komplett an die Obdachlosenhilfe

Weil Romhart gesellschaftliche Themen am Herzen liegen und er seine Musik und seine Texte, trotz ihrer sehr persönlichen Färbung, auch als politisch verstanden wissen will, hat er sich entschieden, den kompletten Erlös seines Konzerts zu spenden. „Ich habe mir überlegt, wer das Geld in der Stadt am dringendsten braucht – und mich dann an Wolfgang Baumung vom Haus Linde gewandt. Den kannte ich bereits aus der Stadt.“ Die beiden waren sich schnell einig über die Verwendung: Das gesamte Eintrittsgeld geht an die Obdachlosenhilfe. Für Romhart bedeutet das, dass er die Veranstaltung aus eigener Tasche finanzieren muss – die Honorare für Licht- und Tontechniker sowie für eine Schauspielerin, die den Abend moderiert, und die Kosten für Werbung zum Beispiel. „Das ist jetzt mein Urlaub 2018, auf den ich verzichtet habe“, sagt er.

Wie viele Leute zum Konzert kommen, wagt Romhart nicht vorherzusagen. „Eigentlich finde ich das auch nicht so wichtig. Ich würde auch vor zehn Leuten spielen“, sagt er. Doch für das Haus Linde wünsche er sich natürlich deutlich mehr zahlende Gäste.

Die Musik im Internet und auf der Bühne

Homepage:
Stephan Romhart hat eine Internetseite angelegt, auf der man auch einzelne Songs aus dem Album anhören, Videos anschauen und die Texte zu allen Liedern nachlesen kann. Außerdem gibt es dort weitere Informationen zu „Restnorm apath“, unter anderem ein Radiointerview und zu der Aufführung des Albums in der Stadthalle. Die Adresse: www.phantomas-trehr.de.

Konzert:
Live gibt es Romharts Debütalbum am Samstag, 2. Februar, in der Göppinger Stadthalle zu hören. Der Einlass beginnt um 20 Uhr, das Konzert um 21 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Euro. Wer will, kann auch mehr bezahlen, denn alle Einnahmen spendet Romhart an den Verein Haus Linde, der sich um Wohnungslose in Göppingen kümmert.

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