EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen will mit der Global-Gateway-Initiative Europa auch die europäischen Werte in der Welt stärken. Foto: AFP/Kenzo Tribouillard

Die EU präsentiert ihr Gegenprojekt zu Pekings Neuer Seidenstraße. Ob es gelingt, ist allerdings fraglich, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.

Es scheint ein ehernes Gesetz, dass sich die Europäische Union nur durch Krisen weiterentwickelt. Das gilt auch für die Coronapandemie und den Krieg in der Ukraine. Beide Krisen haben den Europäern sehr schmerzlich vor Augen geführt, wie groß ihre Abhängigkeit von anderen Staaten ist. Nun reagiert die EU endlich auf die schleichende und bedrohliche Entwicklung.

 

China dehnt seine Macht ständig aus

Über Jahre stand Brüssel fast tatenlos daneben, wenn China und auch Russland immer häufiger nicht nur von Einflusssphären redeten, sondern auch kräftig daran arbeiteten, den eigenen Machtbereich auszudehnen. Vor allem Peking verstand es meisterlich, über die gezielte wirtschaftliche Förderung von Entwicklungsprojekten andere Länder auch politisch an sich zu binden. Nun präsentiert die EU mit dem Global Gateway ihr Konkurrenzprojekt.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

In Entwicklungs- und Schwellenländern soll eine klimafreundliche und nachhaltige Infrastruktur ausgebaut werden. Die Zusammenarbeit soll sich aber nicht nur auf die Wirtschaft beschränken, denn gleichzeitig sollen die europäischen Werte exportiert werden. Hinter dem Projekt stehen allerdings sehr viele Fragezeichen. Angesichts der enormen Belastungen durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine wird es schwer sein, die ehrgeizigen und teuren Ziele mit Erfolg zu realisieren. Zudem ist es fraglich, ob die Regierungen in den Schwellenländern tatsächlich daran interessiert sind, sich auf die hohen Standards einzulassen, die die EU einfordert. Das schnelle Geld aus China dürfte für viele Regierungen eine größere Verlockung darstellen.