Viele der mittelständischen Unternehmen im Gewerbegebiet Gaisburg brauchen dringend mehr Platz – und hätten gerne Fläche in Richtung des ehemaligen Kohlelagers. Foto: Jürgen Brand

Zehn Unternehmen im Gewerbegebiet beim Stuttgarter Gaskessel arbeiten in der Interessengemeinschaft Kohlelager zusammen. Alle wollen erweitern, aber dafür fehlt ihnen die Fläche. Deswegen suchen sie jetzt Unterstützung bei den Parteien und der Stadt.

S-Ost - Wenn irgendwo im Stuttgarter Osten und auch in anderen Teilen der Stadt der Strom ausfälltoder ein Wasserrohr bricht, sind sie ganz schnell da. Die Mitarbeiter des Baugeschäfts Adolf Dürr kommen zu jeder Tages- oder Nachtzeit, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, und versuchen, die Strom- und Wasserversorgung möglichst schnell wieder herzustellen. Das Familienunternehmen Dürr wurde 1928 in Gablenberg gegründet, zog 1991 aus Rücksicht auf die Anwohner der Bergstraße ins Gaisburger Gewerbegebiet um – und hat ein Problem: Dürr braucht dringend mehr Platz.

Das Kohlelager direkt vor der Nase

Ähnlich geht es am anderen Ende dieses Abschnitts der Ulmer Straße Holz-Ulrich, einem der ältesten Familienunternehmen Stuttgarts. Auch dort wurde der Generationenwechsel erfolgreich bewältigt, mit Thomas und Ulrich Möhring als Geschäftsführern leitet bereits die vierte Generation das Unternehmen. Der Umbau des Unternehmens in eine der modernsten Holzhandelsfirmen im Land ist in vollem Gang. Ulrich Möhring: „Wir haben den Erfolg. Aber wir brauchen einfach Platz.“

Jede Menge ungenutzten Platz haben die mittelständischen Unternehmen im Gewerbegebiet Gaisburg direkt vor der Nase: die riesige Fläche des ehemaligen Kohlelagers des Kraftwerks Gaisburg. Über die künftige Nutzung dieses Areals, das sich von der Gaisburger Brücke bis zum neuen Gasheizkraftwerk erstreckt, wird in der Stadt, in der Politik viel diskutiert. Jede einzelne politische Partei hat schon Vorschläge gemacht, egal ob Wohnen am Neckar, Neckarphilharmonie oder Parkanlage, es gab Workshops für die Bürger unter anderem in Wangen – aber zu den direkten Anrainern im Gewerbegebiet hat noch niemand in den vergangenen Monaten den Kontakt gesucht.

100 weitere Arbeitsplätze möglich

Im Februar 2018 hatten die Unternehmer in Gaisburg die Nase voll und haben sich untereinander zum ersten Mal zusammengesetzt. Zehn Firmen waren und sind in der Interessengemeinschaft Kohlelager dabei, neben den genannten die Firma Bauer Dachdecker & Flaschner, das Autohaus Gratzke, die Griesinger Verwaltungs-GmbH, die Firma Edelmetall/Schrottverwertung Mattusch, die Firma Roland Pfleger Nutzfahrzeug-Service, das Autohaus von der Weppen (Niederlassung Nutzfahrzeuge) die Firma Welz Verkehrsicherung, die Würth-Niederlassung Stuttgart und das Dentallabor Engemann. Zusammen beschäftigen sie 180 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 90 bis 100 Millionen Euro.

Alle diese Firmen würden gerne expandieren, bis zu 100 weitere Arbeitsplätze schaffen und den Umsatz um bis zu 40 Prozent steigern. Aber dafür brauchen sie mehr Platz. Eigentlich wird darüber in der Stadtverwaltung schon seit Jahrzehnten diskutiert, aber es gab immer wieder einen Grund, nichts zu tun: die einst erträumte Olympiade, für die die Fläche benötigt worden wäre, jetzt die IBA-Gedankenspiele. Das hilft den Unternehmern aber nicht. Ihnen würde schon die Fläche von der jetzigen Gebietsgrenze bis zu den Bahngleisen am Kohlelager reichen. Das aber möglichst schnell. Deswegen haben sie sich an die Stadt und an die Gemeinderatsfraktionen gewandt – und hoffen, dass sie endlich auch gehört werden.

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