Polizisten werden immer häufiger selbst zur Zielscheibe von Gewalt. Foto: dpa

Sie werden beleidigt, geschlagen, bespuckt. Innerhalb von nur zehn Tagen sind allein im Einzugsbereich des Polizeipräsidiums Aalen bei vier Attacken zwei Beamte schwer und vier weitere leicht verletzt worden. Das baden-württembergische Innenministerium reagiert.

Aalen - Zwei Brüder und eine junge Frau sind in Aalen in der Nacht zum Sonntag komplett ausgetickt und haben Polizisten beleidigt, bespuckt und teils leicht verletzt. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen ist es die vierte Attacke gegen Polizisten innerhalb von nur zehn Tagen. Bei den vier Angriffen wurden insgesamt drei Beamte schwer und zwei weitere leicht verletzt. „Die Übergriffe zeigen einmal mehr die zunehmenden Verrohungstendenzen in unserer Gesellschaft“, erklärte der Polizeipräsident Roland Eisele. „Wir werden sie mit aller Konsequenz strafrechtlich verfolgen und prüfen Schadenersatzansprüche.“

Auch das Land reagiert. Vor zwei Jahren hatten die Polizeipräsidien in Freiburg, Mannheim und Stuttgart sechs Wochen lang den Einsatz körpernaher Kameras, sogenannter Bodycams, getestet. Dabei habe man festgesetellt, dass diese Kameras bei kognitiv und emotional steuerungsfähigen Personen und bei Gruppen das Aggressionspotenzial mindern könnten, so das baden-württembergische Innenministerium. Die Bodycams sollen deshalb nun landesweit eingeführt werden. An den dafür notwendigen IT-Strukturen werde derzeit gearbeitet, noch zu Beginn dieses Jahres werde zunächst das Polizeipräsidium Stuttgart mit den Kameras ausgestattet.

Schlägrei vor Discothek

In Aalen waren die Beamten Sonntagnacht zu einer Disco­thek in der Aalener Burgstallerstraße gerufen worden. Eine Routinesache eigentlich: Ein 29-Jähriger und sein Bruder (28) sollen einen Türsteher beleidigt haben. Die Polizisten wollten die zwei alkoholisierten Deutschen wegschicken. Die beiden blieben aber, und der Ältere beleidigte die Polizisten und fing an, um sich zu spucken. Daraufhin nahm die Polizei den Mann gegen dessen heftige Gegenwehr fest, teilt die Polizei weiter mit. Sein Bruder und eine 22 Jahre alte Freundin der Geschwister eilten dem 29-Jährige zu Hilfe und versuchten, ihn aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Sie wurden ebenfalls festgenommen.

Die Brüder verbrachten die Nacht in einer Zelle, die junge Frau wurde von ihrer Mutter auf dem Revier abgeholt. Den Älteren erwartet ein Strafverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstands gegen Polizeibeamte. Sein Bruder und die Frau müssen sich wegen versuchter Gefangenenbefreiung und ebenfalls wegen Widerstands verantworten. Gefangenenbefreiung kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Gewalt gegen Polizsiten nimmt zu

Die Polizei beklagt seit Jahren, dass der Respekt gegenüber ihren Beamten schwinde und dafür die Attacken zunähmen. 2017 sind in Baden-Württemberg 4330 Straftaten gegen Polizisten registriert worden. 2287 Beamte wurden verletzt, in 1661 Fällen wurde Widerstand geleistet. Die Zahlen für 2018 würden erst im März veröffentlicht, teilt das Innenministerium unserer Zeitung mit. „Insgesamt zeichnet sich im Bereich der Gewalt gegen Polizeibeamte ein Anstieg der Fallzahlen ab.“

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