Das Pflaster ist gelegt, die Bauarbeiten vor dem Geschäft gehen in den Endspurt. Ausgerechnet jetzt ist auch bald Schluss mit Bauerles Laden „Die Früchtle vom Schmidener Feld“. Foto: Eva Schäfer Foto:  

Der Obst- und Gemüseladen der Familie Bauerle schließt zum Jahresende – jetzt, wo die Baustelle überstanden ist. Nach 17 Jahren an dem Standort in der Cannstatter Straße.

Fellbach - Es ist ein Schlag für den Einzelhandel im Herzen von Fellbach: Der große Frequenzbringer, das Obst- und Gemüsegeschäft der Familie Bauerle, macht zu. „Am 31. Dezember schließe ich die Türe ab, und das war es dann“, sagt Inhaberin Karin Bauerle.

 

Nach 17 Jahren an dem Standort in der Cannstatter Straße 53. „Schweren Herzens“, sagt Karin Bauerle, „drehe ich den Schlüssel herum.“

Umsatzeinbruch wird mit rund 50 Prozent beziffert

Das Geschäft ist Anlaufstelle für viele Fellbacher, die sich mit frischen Vitaminen versorgen möchten. Seit wenigen Tagen ist die Cannstatter Straße wieder für den Verkehr geöffnet – und die Kunden können wieder mit dem Auto vorbeikommen und größere, schwerere Einkäufe erledigen. Jetzt wäre die größte Durststrecke geschafft – nach monatelanger Großbaustelle mit Staub, Lärm, Umleitungen und kräftigem Rückgang der Erlöse. Ihren Umsatzeinbruch hat die Geschäftsfrau mitten in der Baustellenzeit mit rund 50 Prozent beziffert.

Nun also könnte aufgeatmet werden. Und nun? Wie Karin Bauerle berichtet, hatte die Familie Bauerle auch vor, in das Geschäft zu investieren und umzubauen. Es sei offenbar zu Differenzen mit den Vermietern gekommen. Es sei laut Karin Bauerle um einen Wasserschaden gegangen. Das Ende vom Lied: „Die Früchtle vom Schmidener Feld“ müssen ausziehen.

Für Karin Bauerle ist das bitter: „Und das soll es also sein. Fellbach hält zusammen?“, zitiert sie mit Ironie den Slogan, der an das Zusammengehörigkeitsgefühl besonders in Corona-Zeiten in der Stadt appellieren soll. Ihr tue es auch leid wegen der Mitarbeiterinnen in dem Geschäft.

Bekannt ist Bauerle für den frischen Spargel

Auch habe sie sich umgehört, andere Räume angeschaut und schon in Aussicht gehabt. Das sei aber dann an den Forderungen des Vermieters gescheitert. Wichtig sei, dass die Räume barrierefrei seien wie bisher, da viele Kunden auch mit dem Rollator vorbeikommen. Die Verkaufsfläche betrage rund 140 Quadratmeter. Zum Einzug vor 17 Jahren haben sie die Einrichtung eingebaut, den Boden gelegt – alles für die ansprechende Präsentation des Obstes und Gemüses hergerichtet.

„Die Früchtle vom Schmidener Feld“, wie der Laden heißt, transportieren die Botschaft, was es dort zu kaufen gibt. Es gibt – je nach Jahreszeit – immer viel selbst erzeugte Waren. „Ob Beeren, Kürbisse, Trauben oder Spargel – eine Vielfalt an gesunden Früchtle nach Saison, allesamt frisch geerntet vom Schmidener Feld“, heißt es auf der Homepage.

Bekannt ist Bauerle vor allem für den frischen Spargel. Bauerle gehört zu den größten Spargelbauern im Stuttgarter Raum. Aber auch jetzt im Advent gibt es beispielsweise die „Gans to go“. Bei jedem Fellbacher Herbst oder Maikäferfest mit verkaufsoffenem Sonntag war das Geschäft bisher dabei – dann weist der große rote „Erdbär“ auf die Angebote.

Der Einzelhandelskoordinator habe die Familie Bauerle bei der Suche unterstützt

Für den Einzelhandel in der Cannstatter Straße, der ohnehin schwer zu kämpfen hatte mit der Großbaustelle und Corona obendrauf, wird es ein herber Schlag sein. Ein großer Frequenzbringer fällt weg. „Dann müssen die Kunden eben zu uns rausfahren“, sagt Karin Bauerle, die ihren Frust nicht verbergen möchte.

Die frischen Vitamine gibt es weiter im Hofladen und in der „Früchtle-Scheune“ zwischen Schmiden und Bad Cannstatt. Einzelhandelskoordinator Julian Deifel bedauert auch persönlich den Weggang des alteingesessenen Geschäfts. Allerdings habe die Stadt nur begrenzt Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, da es sich um eine private Immobilie handle. Der Einzelhandelskoordinator habe die Familie Bauerle bei der Suche unterstützt, einen alternativen Standort zu finden. „Es muss passen“, sagt Deifel. Es brauche eine gewisse Fläche, die Anlieferung muss berücksichtigt werden, Kühlmöglichkeiten geschaffen werden können und Barrierefreiheit gegeben sein. „Da sind zwei, drei Treppen schon zu viel“, so Deifel. Seither habe es leider nicht geklappt. Einfach sei es nicht. Aber er werde weiter suchen.