Trinkt das Baby genug. Bekommt es genügend Muttermilch – oder muss man doch zufüttern? Die Frage lässt sich bisher nicht verlässlich beantworten, schließlich lässt sich nicht messen, wie viel der Nachwuchs an Mamas Brust trinkt. Das soll sich jetzt ändern. Dank einer Erfindung vor allem eines Ingenieurs.
Trinkt das Baby genug, bekommt es genügend Muttermilch? Die Sorge ist bei Eltern groß, schließlich lässt sich nur ungenau mit der Körperwaage messen, wie viel der Nachwuchs an Mamas Brust trinkt. Dank der Erfindung eines Ingenieurs, der eigentlich in der Automobilbranche zuhause ist, soll sich das jetzt ändern. Görkem Büyükyildiz aus Gerlingen hat eine Möglichkeit entwickelt, um die Menge der getrunkenen Milch während des Stillens zu messen. Dazu gebracht hat den jungen Vater nicht die Erfahrung in der eigenen Familie, wohl aber die der Freunde und Bekannten. Deren Unsicherheit trieb den Entwicklungsingenieur um. „Am Auto kann alles gemessen werden, beim Stillen nicht“, sagt er. Das sei für ihn nicht akzeptabel gewesen. „Warum sollte bei einem Baby nicht ebenso hochwertig technisch gemessen werden können, wie bei einem Fahrzeug?“ Dafür musste es doch eine Lösung geben, jedenfalls war er davon überzeugt.
Im Job entwickelt Büyükyildiz Fahrerassistenzsysteme – zunächst bei Porsche in der Region Stuttgart, heute im Mutterkonzern VW. Warum sollte er nicht sein Fachwissen für die Unterstützung beim Stillen einbringen? Nächtelang tüftelte er – dann hatte er die Lösung. Diese ist inzwischen preisgekrönt: Vergangenen Sommer wurden er und seine Frau Britta Christiansen für die Trinkmengenmessung beim Stillen mit einem Anerkennungspreis des Artur Fischer Erfinderpreises gewürdigt.
Um die Menge der getrunkenen Milch in Echtzeit messen zu können, werden diverse optische Verfahren kombiniert. Die Menge wird mit Hilfe eines Halsbandes oder auch speziellen Lätzchens gemessen und an den Stillassistenten – etwa in Form einer App auf dem Handy – gesendet und dort angezeigt. Das Lätzchen ist mit vier Licht- oder Laserdioden besetzt. Die Lichtabsorptionen und -emissionen der Muttermilchfarbe – von weiß bis gelb – werden während des Stillens durch das Durchleuchten des Halses herausgelesen. „Im Beruf assistiere ich beim Fahren, warum nicht auch beim Stillen assistieren“, erklärt der 38-Jährige seine Motivation, sich mit dem Thema zu befassen. Dass die technische Unterstützung in einem privaten, auch emotionalen Bereich angenommen wird, dessen sind sich er und seine Frau Britta Christiansen sicher, „weil Mütter offen sind“, so ihre Erfahrung. Bei ihnen stünde an erster Stelle sicherzustellen „dass es den Kindern gut geht. „Oft haben wir gehört, ‚oh das hätten wir gebraucht’“, sagt der Vater von zwei Kindern. Inzwischen ist die Erfindung zum Patent angemeldet. Gespräche mit Hebammen stärkten sie dabei. Über die App soll der schnelle Draht etwa auch zu ihnen möglich sein, um Fragen rund um die Nachsorge schnell klären zu können.
Den technischen Part verantwortet der Entwicklungsingenieur, für die Entwicklung der App gehört dem Team zudem Nico Polzin an. Auch für ihn ist die Rückkopplung mit dem medizinischen Fachpersonal elementar.
Für medizinische Informationen arbeiten Christiansen und Büyükyildiz auch mit der Charité zusammen, dem traditionsreichsten Klinikum Berlins. Schließlich geht es um die Anatomie des Babykörpers, um die Dioden richtig platzieren zu können. Interdisziplinarität präge das Projekt, sagt der Entwicklungsingenieur, zumal der Schutz des Babys besonders zu beachten sei. Dazu gehört etwa, dass „die Lichtintensitäten, die man bei Baby einsetzen darf, auch geregelt sind“.
Finanzierung muss sichergestellt werden
Derzeit ist das Trio bemüht, die Finanzierung sicherzustellen, bemüht sich um Fördermittel und Kooperationen. Praktisch gibt es die Erfindung nämlich noch nicht, auch wenn der Entwicklungsingenieur mit dem Institut für Lasertechnologien in der Medizin und Messtechnik der Universität Ulm (ILM) an der Perfektionierung arbeitet, etwa der präzisieren Anordnung der Sensoren. Das Ziel formuliert Christiansen so: „Wir möchten alle Mütter und ihre Babys durch unsere Erfindung unterstützen und vor allem den Stillstart erleichtern.“