Schüler und Eltern der Esslinger Gemeinschaftsschule feiern die Einschulung in die gymnasiale Oberstufe. Foto: /Peter Stotz

Mit diesem Schuljahr startet die gymnasiale Oberstufe der Gemeinschaftsschule in Esslingen mit 34 Schülern. „Eine wertvolle Ergänzung für die kommunalen Schullandschaften in Baden-Württemberg“, sagt OB Zieger zu diesem Auftakt.

Esslingen - Zwar gab es kein aufgeregtes Kindergeschnatter, auch die Eltern tuschelten nicht, und statt raschelnder Schultüten klangen die Sektgläser. Doch ansonsten ging am Freitagabend eine veritable Einschulungsfeier über die Bühne der Alten Aula in Esslingen. Mit dem neuen Schuljahr startete die gymnasiale Oberstufe der Gemeinschaftsschule (GMS) in Esslingen: Die ersten beiden Klassen mit insgesamt 34 Schülern traten den Weg in Richtung Abitur an. „Wir haben die Gemeinschaftsschule aufgebaut und gestaltet und dabei rundum nur positive Erfahrungen gemacht. Und wir haben uns immer gewünscht, dass wir einen guten Abschluss für die Schüler auf allen Niveaus anbieten können“, sagte Kathrin Höss, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule Innenstadt Esslingen, beim offiziellen Start der gymnasialen Oberstufe an der Schule.

 

Ein konsequenter und folgerichtiger Schritt

Das Schuljahr 2013/2014 markierte mit der Einrichtung einer Gemeinschaftsschule an der Seewiesenschule in Esslingen den Auftakt für diese Schulform in der Stadt. Zwei Jahre später folgte die Schule Innenstadt. Die Einrichtung der Oberstufe sei als „konsequenter und folgerichtiger Schritt in der Neustrukturierung der Esslinger Schullandschaft“ zu sehen, sagte Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Die Schüler, aber auch die Lehrkräfte und die Schulleitung seien als Pioniere zu betrachten, die vor der spannenden Aufgabe stünden, die gymnasiale Oberstufe zu gestalten und mit Leben zu füllen.

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Mit dem Aufbau der gymnasialen Oberstufe gehört Esslingen zu den acht Städten in Baden-Württemberg, in denen der Weg zum Abitur an einer öffentlichen GMS gegangen werden kann. In Konstanz und Tübingen hatten im vergangenen Juli die ersten Schüler die Gemeinschaftsschule mit dem Abitur in der Tasche verlassen. Dies sei „ein Nachweis, dass dieser Baustein eine wertvolle Ergänzung der kommunalen Schullandschaften in Baden-Württemberg darstellt“, sagte Zieger. Schließlich eröffne die Gemeinschaftsschule nun vielen Schülern, die dies zuvor nicht gewagt hätten, die Möglichkeit, einen höheren Abschluss anzustreben.

Auch ein Verdienst der Eltern

Die Schulleiterin Christel Binder wies darauf hin, dass der Start in die gymnasiale Oberstufe auch ohne Schultüte den Beginn eines wichtigen neuen Lebensabschnitts darstellt. „Viele der ersten Esslinger Gemeinschaftsschüler gehören jetzt zu den ersten, die die höheren Weihen der Oberstufe und das Abitur anstreben.“ Dies stelle für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, „aber die Schüler haben in den vergangenen Jahren bereits gelernt, wie der Weg hin zum mündigen Bürger geht“. Daher sei ihr vor der Aufgabe auch nicht bange, sagte sie.

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Wie Corina Schimitzek, Leitende Schulamtsdirektorin im Schulamt Nürtingen, betonte, hänge das Gelingen der Gemeinschaftsschule und somit auch der Oberstufe von Lehrern und Schülern, aber auch von den Familien ab. „Es ist auch das Verdienst der Eltern, die dieser Schulart vertraut haben, die darauf vertraut haben, dass ihre Kinder dort so gut wie möglich gefördert werden. Und sie haben erfahren, dass die Kollegen es möglich gemacht haben“, sagte sie. Gebhard Merle, stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender, konnte sich daher kurz fassen: „Wir freuen uns, dass die Stadt Vertrauen in diese Schule gesetzt hat. Wir Eltern stehen voll hinter euch“, sagte er.

Zu Beginn unsicher wegen der Leistungsanforderungen

Raphael Fröhlich, ein Abiturient der Gemeinschaftsschule West in Tübingen, ermutigte die Esslinger Schüler, ihren Weg bis zum Abitur weiter zu gehen. „Ich war zu Beginn unsicher wegen den Leistungsanforderungen. Aber mir wurde immer geholfen, meine Lerncoaches waren trotz Lockdowns immer zu erreichen. Zögert nicht, euch bei den Lehrern Hilfe zu holen, lasst euch nicht unterkriegen. Viele von uns, denen nahegelegt wurde, doch besser kein Abi zu machen, haben jetzt Bestnoten hingelegt“, berichtete er und gab „allen Kritikern“ noch etwas zum Nachdenken mit: „Ich habe gelernt, dass Bildungsgerechtigkeit am besten mit der Gemeinschaftsschule erreicht wird.“

Idee der Gemeinschaftsschule

Schulform
 Die Gemeinschaftsschule steht für längeres gemeinsames Lernen aller Schülerinnen und Schüler. Damit soll eine höhere Durchlässigkeit im Bildungssystem sowie eine effektivere Integration und Inklusion erreicht werden. Entsprechend soll sich dadurch auch die Bildungsgerechtigkeit erhöhen. Die Gemeinschaftsschule ist darauf ausgelegt, dass die Schülerinnen und Schüler neben Haupt- und Realschulabschlüssen auch das Abitur erreichen können. Zum Schuljahr 2013/2014 wurde an der Seewiesenschule die erste Gemeinschaftsschule in Esslingen eingerichtet. Zwei Jahre später folgte die Schule Innenstadt.

Abitur
 Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat die gymnasiale Oberstufe an der GMS Esslingen im vergangenen Januar genehmigt. Die Oberstufe umfasst eine einjährige Einführungsphase, die der Klasse 10 des Gymnasiums entspricht. Es folgen zwei Jahrgangsstufen. In der Oberstufe wird das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule mit Lerncoaching und Lernzeiten weiter geführt. Es werden dieselben Abiturprüfungen wie an den allgemein bildenden Gymnasien absolviert. Zum Start werden 34 Schüler in zwei Klassen unterrichtet. Langfristig kann von einer Nachfrage von mindestens 60 Schülern für die Klassenstufe 11 ausgegangen werden.