Gedenkstätte Initiative für Hotel Silber fordert mehr Mitsprache

Von Konstantin Schwarz 

In Räumen des ehemaligen Hotel soll eine Gedenkstätte einziehen Foto: Leif Piechowski
In Räumen des ehemaligen Hotel soll eine Gedenkstätte einziehen Foto: Leif Piechowski

Die Lern- und Gedenkstätte im ehemaligen Hotel Silber – in der Nazi-Zeit Gestapo-Zentrale – soll nicht Ende 2016, sondern erst Mitte 2017 eröffnet werden. Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, hat den neuen Termin am Montag bei einer Pressekonferenz genannt.

Stuttgart - Die Lern- und Gedenkstätte im ehemaligen Hotel Silber – in der Nazi-Zeit Gestapo-Zentrale – soll nicht Ende 2016, sondern erst Mitte 2017 eröffnet werden. Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, hat den neuen Termin am Montag bei einer Pressekonferenz genannt. Am Tisch saßen dabei weitere Vertreter des Landes, nicht aber der Stadt und der Initiative Hotel Silber e.V.

Nicht nur die Ankündigung, den Eröffnungstermin zu verschieben, auch die am Montag im Hotel Silber an der Dorotheenstraße unterzeichnete Vereinbarung mit der Polizei kam überraschend. Die Ordnungsmacht ist Teil der unrühmlichen Verfolgungsgeschichte. Schnabel und der für die Polizei zuständige Innenminister Reinold Gall (SPD) kündigten an, „intensiver und nachhaltiger zusammenzuarbeiten“.

Die Protagonisten des Gedenkortes finden die Einbeziehung der Polizei gut. Weniger gut gefällt ihnen, dass Entscheidungen zur Organisationsstruktur und künftigen Beteiligung Ehrenamtlicher für das Hotel Silber noch nicht geklärt sind.

„Es war Herrn Schnabels zweite Pressekonferenz, bei der er nicht alle eingeladen hat“, sagt Ulrike Küstler. Die Altstadträtin der Linken, die auch Mitglied der Initiative ist, will den Hinweis nicht missverstanden wissen. Sie stellt aber klar, „dass es das Haus ohne die Initiative nicht mehr geben würde, es war nicht Herrn Schnabels Projekt“.

Küstler hat am Tag vor ihrem Ausscheiden aus dem Gemeinderat zusammen mit der SPD-Fraktion von der Stadt Informationen über den „städtischen Anteil bei der Nutzungs- und Ausstellungskonzeption“ angemahnt. Im Antrag wird „Funkstille“ beklagt. Der Gemeinderat müsse auf dem Laufenden gehalten werden, die Stadt sei Finanzierungs- (250 000 Euro/Jahr) und Konzeptpartner. Die Ehrenamtlichen seien in einer Vorbereitungsgruppe für den Runden Tisch dabei, ihre „Mitarbeit auf Augenhöhe“ müsse aber geklärt werden, so Küstler: „Sonst werden die rausgekickt“.

So deutlich will sich Initiativen-Vorsitzender Harald Stingele nicht äußeren. Ja, es sei richtig, dass es „nicht unerhebliche inhaltliche Differenzen mit Herrn Schnabel“ gegeben habe, schließlich habe man „als es um den möglichen Abriss des Hauses ging, nicht auf derselben Seite gestanden“. Und die Idee mit der Polizei habe man vor zwei Jahren geäußert. Stingele aber schaut nach vorn. Am nächsten Runden Tisch – der jüngste war vor acht Monaten – wolle man den Gestaltungswettbewerb und ein Organisationsstatut auf den Weg bringen. „Wir wollen echte Partizipation“, sagt Stingele.

Einbringen will sich auch ein Expertencluster. Bereits im Sommer 2012 hatten 170 Persönlichkeiten ihre Bereitschaft erklärt. Im Juni mahnten die Professoren Micha Brumlik, Hans Ulrich Gumbrecht und Ernst Ulrich von Weizsäcker bei Landtageabgeordneten und Stadträten wie zuvor schon bei der Landesregierung eine Rückmeldung an. Eine „operativ handelnde Gruppe“ von Experten könne man erst dann etablieren, wenn die Zustimmung aller zuständigen Stellen vorliege, sagt Brumlik. Er verstehe nicht, warum die Regierung zögere. „Uns geht es um Hilfestellung“, so Brumlik.

Das Projekt könne Hilfestellung gebrauchen, findet die Altstadträtin Monika Wüst (SPD). Man wolle schließlich kein Konzept, das zu sehr dem Haus der Geschichte ähnlich sei. Wüst: „Wir wollen wissen, wie Stuttgarts Interessen umgesetzt werden“. Ulrike Küstler will das Thema Expertenrat in der nächsten großen Runde behandelt sehen. Christoph Peichel, Referent von Kultur-Staatssekretär Jürgen Walter (Grüne) habe dies zugesagt. Harald Stingele befürchtet, die Experten könnten „von der Realität des Projekts etwas abgehoben“ sein. Daher brauch man einen „produktiven Kontakt“.

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