Supermarkt statt Lokal: Dorit Münzer-Bock verkauft jetzt Gemüse. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Gäste darf Dorit Münzer-Bock in ihrem Restaurant nicht mehr bewirten. Aber die 42-Jährige hat die Speisekammer West trotzdem nicht geschlossen, sondern zu einem Supermarkt umfunktioniert. Gekocht wird auch noch.

Stuttgart - Eine Geschäftsidee in der Corona-Krise: Die Speisekammer West wird zu einem Supermarkt. Dorit Münzer-Bock verkauft während der Coronakrise die Grundnahrungsmittel ihrer Lieferanten, die sonst Probleme haben, ihre Waren an den Mann zu bringen.

Frau Münzer-Bock, wie bleiben Sie im Geschäft?

Unser Essen kann man sich liefern lassen oder abholen. Aber das haben wir vor der Corona-Krise auch schon gemacht. Neu ist, dass unser Restaurant zu einem kleinen Supermarkt geworden ist. Wir haben die Stühle und die Tische einfach an die Wand geschoben, einen Kühlschrank ausgeliehen und entsprechend Waren eingekauft.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Weil wir so tolle Lieferanten haben. Und die haben teilweise selbst Absatzschwierigkeiten. Unser Käsehersteller hat mir erzählt, dass sein ­Käsekeller voll ist. Normalerweise verkauft er seine Produkte auf Messen wie der Slow Food. Doch die wurden nun alle abgesagt. Aber auch mein Gemüselieferant fand die Idee super, obwohl er in vielen Supermärkten im Sortiment ist. So bleibt man untereinander in Kontakt, das ist ein schöner Nebeneffekt.

Was haben Sie im Sortiment?

Jede Menge Gemüse und Obst, Kräuter, ­Linsen, Milch, Joghurt und Eier, Käse wie gesagt, Hägenmark, Tomaten im Glas, Zucker, Mehl, Reis und Nudeln. Die Maultaschen, Spinatknödel und Spätzle aus unserer ­Küche gibt es vakuumiert zum Mitnehmen. Wein biete ich natürlich auch an.

Mehl? Erleben Sie auch Hamsterkäufe?

Nein. Unsere Kunden kaufen ein Kilo Mehl, so wie man normalerweise einkauft. Klopapier habe ich auch ­gar nicht im Sortiment.

Wie läuft der Laden?

Überrannt wurde ich bislang noch nicht. Aber es läuft jeden Tag ein bisschen besser. Von den Nachbarn wird das Angebot jedenfalls super angenommen.

Ist die Speisekammer West jetzt mehr Supermarkt als Restaurant?

Wir kochen weiterhin! Es arbeiten noch einige Leute hier im Westen, die einen Mittagstisch wollen. Und viele Stammgäste sind uns treu und unterstützen uns.

Sind Ihre Mitarbeiter damit ausgelastet?

Das Team besteht aus zwei Köchen, einem Auszubildenden und zwei Teilzeitkräften im Service. Ich hoffe, dass es reicht, um die Zeit zu überbrücken. Die Aushilfen musste ich leider nach Hause schicken.

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