Beim Essen dürfen Schüler die Maske ablegen. Foto: Lichtgut

An den Stuttgarter Ganztagsschulen drohen Einschränkungen bei der Betreuung. Die sozialpädagogischen Fachkräfte sind physisch und psychisch an der Belastungsgrenze. Eine Mitarbeiterin berichtet.

Stuttgart - Mit den steigenden Infektionszahlen an den Schulen haben auch die Schulkindbetreuer zu kämpfen. Nun haben sie beim Personalrat des Jugendamts Alarm geschlagen. „Meine Kollegen und Kolleginnen und ich sind physisch und psychisch an der Belastungsgrenze“, berichtet eine Sozialpädagogin, die an einer Ganztagsgrundschule in Stuttgart arbeitet.

 

Die Kinder suchen die Nähe

„Oft sind es zwei Kinder pro Klasse, die zu Hause bleiben müssen, aber vermutlich haben sie die nächsten schon angesteckt, bevor sie positiv getestet werden“, sagt die Betreuerin. „Daher müssen wir Beschäftigten davon ausgehen, dass wir täglich Kontakt zu infizierten Kindern haben.“ Also trage sie, wiewohl geimpft, immer eine FFP2-Maske. Denn: „Ich gehe mit den Kindern zum Mittagessen, dort haben sie keine Maske auf. Die Kinder kommen zu mir, lachen, weinen, suchen die Nähe. Ein Abstand kann kaum eingehalten werden.“ Der Kindergarten nebenan sei wegen der vielen Infektionen geschlossen, doch die Geschwisterkinder dürften weiterhin in die Schule kommen. „Ich besuche meine Eltern nicht mehr, da ich annehmen muss, Kontaktperson zu sein“, so die Betreuerin. „Wir fühlen uns alleingelassen mit dieser Situation: Hauptsache, keine Schließung, Kinder werden durchseucht, die werden ja schon nicht so schlimm krank – was ist mit uns, die wir als Erwachsene täglich dem hohen Risiko ausgesetzt sind?“

Betreuer fehlen tagelang, um aufs PCR-Testergebnis zu warten

Martin Agster, Personalrat im Jugendamt, berichtet, die Schulkindbetreuer fehlten oft mehrere Tage, um auf das Ergebnis des PCR-Tests zu warten. „Wir brauchen eine Überholspur bei den Tests“, fordert Agster. Doch die kann die Stadt wegen der aktuellen hohen Auslastung an Teststellen und in den Laboren „nicht gewährleisten“, so Stadtsprecher Martin Thronberens. Aber für Kita- und Schulleute gebe es eine extra Anmelderubrik für eine schnellere Terminvergabe.

Bei der Schulkindbetreuung verschärfe Corona den ohnehin bestehenden Personalmangel, so Agster: „Wir nehmen alle Kinder auf, obwohl nicht alle Stellen besetzt sind.“ Zudem werde jede Klasse beim ersten positiven Fall separiert und brauche zusätzliches Personal, „das schon davor hinten und vorne fehlt“, so Agster. Da werde auf Verschleiß gefahren. „Wenn wir keine Leute mehr haben, müssen wir die Betreuungszeit anpassen und den Früh- und Spätdienst einstellen.“ Dies geschieht laut Stadt in Einzelfällen, aber nicht generell. Ein weiteres Problem: Die Hotline des Gesundheitsamts sei für die Einrichtungen praktisch nicht erreichbar, die Betreuer hätten aber viele Fragen zu klären. Die Stadt verweist auf ihre Homepage und die des Kultusministeriums. Es sei eine Aufstockung des Beratungsteams geplant.